Spiel mit schweren Steinen

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Grobe „Klötze“ - mit Fingerspitzengefühl und GPS auf den Millimeter genau platziert. Das Bachbett der Ostrach wird breiter und hochwassertauglich gemacht.

Sonthofen - Über den Stand der Bauarbeiten zum Hochwasserschutz an der Ostrach informierte vor Kurzem das Wasserwirtschaftsamt WWA Kempten. Rund 26 Millionen Euro werden auf dem gut einen Kilometer langen Abschnitt der Ostrach am nördlichen Stadtrand Sonthofens verbaut, um die angrenzenden Siedlungen dauerhaft „wasserdicht“ zu machen.

Es sieht ganz lässig aus, wenn der riesige Bagger tonnenschwere Flussbausteine im Bett der Ostrach platziert. Doch für Bauarbeiter wie Kilian Stiefenhofer geht es hier um absolute Präzission. GPS-gesteuert kann er mit seiner Baggerschaufel jeden Felsblock genau so auf das Kiesfundament setzen, dass die Oberkante des Steins die von den Bauingenieuren vorgegebene Höhe erreicht. Zentimetergenau. Mit viel Fingerspitzengefühl. „Da muss man nicht mehr nachbessern“, meint Stiefenhofer mit Blick auf das Display, das ihm zeigt, „ob’s passt“.

Auf dem kurzen Bauabschnitt auf Höhe der Grüntenkaserne geht es genau her - und doch sind große Mengen im Spiel. Rund 50000 Kubikmeter Aushub und Schotter sind wegzuräumen und abzufahren, damit die Baggerführer 36000 Tonnen große Wasserbaussteine platzieren können, um dem Wildbach Ostrach „ein neues Bett machen“ können. Jeden Tag treffen aus Wertach, Kranzegg und aus Balderschwang rund 25 LKW mit den großen Steinen auf der Baustelle ein.

„Vor 100 Jahren war das Bachbett der Ostrach an dieser Stelle mehr als 400 Meter breit“, belegt Projektleiter Franz Schöllhorn vom Wasserwirtschaftsamt Kempten anhand alter Fotografien. Später rückten die Siedlungen immer näher an den Wildbach heran. „Und in den Jahren 1999, 2002 und 2005 zeigten die Hochwasserereignisse schließlich deutlich, dass man etwas tun muss.“ Die Dämme waren nicht mehr überall in brauchbarem Zustand, die Uferbereich kaum zu erreichen, alte Schutzmauern nicht mehr funktionstüchtig, die Durchlässe der Brücken zu knapp.

Ganz so viel Platz wie früher bekommt die Ostrach zwar nicht, aber ein Drittel wird dazukommen. Vom Bund konnte das Wasserwirtschaftsamt einen 20 Meter breiten Streifen Kasernenareal erwerben. Das Südufer beginnt quasi vor der Haustüre der Wohnhäuser, die mit einer neuen, höheren Schutzmauer vor möglichem Hochwasser geschützt werden. Damit es für die Anwohner kein allzu trister Mauerblick wird, wurden Sichtfenster aus Panzerglaselementen eingepasst.

Um den Untergrund zu stabilisieren, wurden 200 sechs Meter lange Bohrpfähle eingebracht und der erhöhte und erneuerte Damm auf der Nordseite mit Stahlbuhnen abgedichtet.

„Wir verbauen hier viel Geld, obwohl man es nicht sieht“, bringt Karl Schindele, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, das Ertüchtigungsprogramm auf den Punkt. „Die Ostrach als Wildfluss gewinnt - und die Anwohner auch.“ Nach Fertigstellung soll die Ostrach für ein 100-jähriges Hochwasserereignis gerüstet sein. „Plus einen Meter Zuschlag“, ergänzt Schindele.

Rund 26 Millionen Euro werden in den laufenden Bauabschnitt gesteckt. Ein knappes Drittel müssen die Anliegerkommunen Burgberg (1 Million) und Sonthofen (7,2 Millionen) bezahlen, die allerdings vom Solidaritätsfonds der Landkreisgemeinden Zuschüsse erhalten. „Ein enormer finanazieller Aufwand“, kommentiert Sonthofens Bürgermeister Christian Wilhelm. Die Hauptlast trägt der Freistaat Bayern; auch die EU ist mit einer Ko-Finanzierung im Boot.

Bis zum Jahresende sollen die Bauarbeiten flussaufwärts bis zur Berghofer Brücke vorankommen. Dann folge der Abschnitt bis zum Schwarzenstein, so Gesamtprojektleiter Bernhard Simon vom WWA in seinem Ausblick. Das könnte Ende 2017 sein, schätzt er. „Aber auch dann geht uns die Arbeit nicht aus...“ Stichwort für Burgbergs Bürgermeister Dieter Fischer: „Die Starzlach nicht vergessen!“

Josef Gutsmiedl

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