Großbaustelle in Weiler

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Nach umfangreichen Planungen soll der mehrfache Brückenneubau samt Hochwasseerschutz wie am Schnürchen ablaufen, meinen (von links) Josef Vögel und Markus Kreitmeier vom Staatlichen Bauamt, Karl Schindele und David Kempter vom Wasserwirtschafts- amt, sowie Fischens Bürgermeister Edgar Rölz und Dr. Christian Hocke vom Bauamt.

Der kleine Ortsteil Weiler in der Gemeinde Fischen wird für zwei Jahre zur Großbaustelle. Wasserwirtschaftsamt und Staatliches Bauamt wollen dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: den Hochwasserschutz für Weiler verbessern und drei marode Brücken und Unterführungen unter der B 19 erneuern.

Fischens Bürgermeister Edgar Rölz spricht bei der inoffiziellen Baustelleneröffnung von einer einmaligen Chance und einer „anspruchsvollen Aufgabe“. Josef Vögel, Planungsleiter am Staatlichen Bauamt Kempten, ergänzt: „Kein alltägliches Projekt.“ Knackpunkte des Projektes sind einmal der Hochwasserschutz an der Weiler Ach und zum anderen die Bundesstraße B 19. Rölz jedenfalls ist optimistisch: Wasserwirtschaftsamt und Bauamt hätten alle Schritte perfekt vorbereitet. „Jetzt wird es zwei Jahre etwas ungemütlich.“ Ohne Kompromissse sei eine Verbesserung nicht zu erreichen. Die Bürger hätten sich bei allen vorausgegangenen Gesprächen und Verhandlungen sehr kooperativ gezeigt. Unterm Strich werde Weiler profitieren, da der doch erhebliche Kundenverkehr zum Gärtnerei-Betrieb auf der Ostseite der B 19 zukünftig am Ort vorbei geführt werde.

Erster Schritt: Um die erste Baustelle anzupacken, muss die Brücke im Zuge der Gemeindeverbindungsstraße über die Weiler Ach „versetzt“ werden. Diese Arbeiten haben schon begonnen. Über den Neubau soll später die Umleitung für die B 19 geführt werden.

Zweiter Schritt: Ersatzneubau der alten Brücke der B 19 über die Ach sowie Neubau zweier Unterführungen, die allesamt aus den 1930er Jahren stammen. Die nördliche Unterführung (an der sogenannten Oberen Gasse) wird ein Stück nach Süden verschoben, die südliche rückt ein wenig nach Norden. Parallel zu diesen Straßen-und Brückenbauarbeiten bekommt die Weiler Ach ein neues Bett; der bestehende scharfe Knick des Bachbettes direkt nach der Unterquerung der B 19 wird entschäft, um einen Rückstau bei hoher Wasserführung zu verhindern. Die alten Deiche beidseits der Ach müssen ertüchtigt und erhöht werden. Der neue nordseitige Damm bekommt Spuntwände.

„Der Hochwasserschutz wird während der gesamten Bauzeit aufrecht erhalten“, betont David Kempter vom Wasserwirtschaftsamt. Die Arbeiten laufen im Herbst an und beginnen an der Einmündung der Weiler Ach in die Iller. „Kritische“ Stellen werden während der Bauzeit mit sogenannten Big Bags gesichert: Die mit Sand gefüllten Schwerlastsäcke werden dabei zu einer Art Mauer aneinandergereiht und mit einer zusätzlichen Folie verstärkt. Der Wasserstand der Ach wird rund um die Uhr mittels Pegelmessungen beobachtet, um schnell reagieren zu können, wenn es „brennt“, erläutert David Kempter vom Wasserwirtschaftsamt.

Markus Kreitmeier, Bereichsleiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt Kempten zur „Großbaustelle für kleine Brücken“ räumt ein: „Wir haben hier einen komplizierten Ablauf der Arbeiten und müssen gewährleisten, dass jeder zu jeder Zeit rein und rauskommt.“ Die Auswirkungen auf den Verkehr aus der B 19, zu Spitzenzeiten sind hier täglich rund 17.000 Kraftfahrzeuge unterwegs, sollen möglichst gering gehalten werden.Beim Bauamt ist man optimistisch, dass es zu keinen großen Rückstaus durch die Ausleitung des Verkehrs kommen wird. Mit 50 km/h soll trotz Umleitung alles flüssig bleiben. An der Fahrzeit werde man die Baustelle unterm Strich kaum merken. „Ganz dicht“ soll die B 19 nur kurzzeitig während der abschließenden Asphaltarbeiten sein, betont Kreitmeier.

Den Hochwasserschutz gibt es nicht „als Zugabe“ zu den drei Brücken. Vielmehr wurden die ohnehin anstehenden Arbeiten des Wasserwirtschaftsamtes Kempten vorgezogen, und mit den Neubauvorhaben zusammengeführt. Ausgelegt wurde der Schutzgrad auf ein 100-jähriges Hochwasserereignis. „Einen Puffer haben wir ebenfalls eingeplant“, so Kempter.

Rund 10 Millionen Euro wird der Kraftakt in Weiler kosten. Die Hälfte davon entfällt auf den Hochwasserschutz. Von diesen 5 Millionen trägt die Gemeinde Fischen 21 Prozent; der Landkreis übernimmt allerdings davon wiederum die Hälfte, wie Bürgermeister Edgar Rölz betont. „Eine solidarische Geste.“

gts

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