Hochwasserschutz an der Ostrach

"Kein schönes Bild, aber notwendig"

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Sonthofen – Beim „Hochwasserschutz Ostrach“ arbeitet das Wasserwirtschaftswerk Kempten derzeit am letzten Bauabschnitt. Gestern wurden dafür im Bereich Iselerstraße Bäume und Sträucher am Ostrach­ufer gefällt. Nicht wenige Passanten und Anwohner zeigten sich erschrocken, als sie das kahle Ufer sahen.

„Es ist momentan kein schönes Bild, aber es ist notwendig“, sagt Ralph Beck vom Wasserwirtschaftsamt. Das Flußbett der Ostrach soll hier, wie schon in den anderen Bauabschnitten, aufgeweitet werden, die Böschung angepasst und gesichert. Nach Abschluss der Baumaßnahmen sollen soweit als möglich wieder Bäume und Sträucher gepflanzt werden. „Es dauert wahrscheinlich ein paar Jahre, aber dann stehen wieder Büsche“, sagt Beck und verweist auf den Bereich der Mündung der Ostrach in die Iller, wo das Buschwerk schon wieder gut gewachsen ist.

Das Wasserwirtschaftsamt versuche, so viele Bäume und Sträucher wie möglich stehen zu lassen, betont Beck. Gerade im Bereich der Iselerstraße habe man nicht alles abholzen müssen. Auf der rechten Flussseite im Bereich des Entschenburgweges müsse man aus Sicherheitsgründen jedoch einen „Unterhaltungsweg“ anlegen. Hier besteht bei Hochwasserereignissen im Moment keine Möglichkeit, an die Ostrach zu kommen und zu kontrollieren, ob die Schutzmaßnahmen greifen.

Nach dem Bau des Hochwasserschutzes „schauen wir, wo wir der Natur wieder etwas zurückgeben können“, verspricht Beck. Dann würden wieder einheimische Büsche und Bäume gepflanzt, „abwechslungsreicher als vorher“.

Ein Schaden von 10 Millionen D-Mark

Die Ostrach – ursprünglich die „Oster-Ara“, der „wilde Bach“ – ist ein typischer Gebirgsbach. Früher war das Bachgebiet im Bereich Sonthofen eine Umlagerungsstrecke – hier lagerte die Ostrach mitgeführtes Holz, Steine, etc. ab, hier konnte sich die Ostrach bei Hochwasser ungestört ausbreiten. Das Flussbett wies bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Kiesbänke und Flussarme auf und hatte eine Breite von 200 bis 400 Metern. Im Laufe des 20. Jahrhunderts korrigierte der Mensch die Ostrach immer stärker, engte das Flussbett ein und begradigte es. Dadurch floss die Ostrach immer schneller und führte bei Hochwasser deutlich mehr Wasser.

Zum Schutz der ufernahen Häuser errichtete man Deiche, sicherte Sohle und Ufer. Diese Schutzmaßnahmen versagten jedoch bei großen Hochwasserereignissen, wie sich beim Pfingsthochwasser 1999 zeigte. Nach tagelangem Regen war damals der Boden bereits gesättigt. Zur einsetzenden Schneeschmelze kamen extrem starke Regenfälle mit der Folge, dass Iller und Ostrach in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 1999 über die Ufer traten. Das gesamte Illertal war von der Überflutung betroffen. In Sonthofen liefen zahlreiche Keller voll, ganze Straßenzüge waren überflutet, Gebäude wurden beschädigt. Im Stadtgebiet richtete das Pfingsthochwasser Schäden in Höhe von etwa 10 Millionen D-Mark an – im gesamten Illertal wurden die Schäden auf etwa 120 Millionen D-Mark beziffert. 2002 und 2005 kam es zu weiteren, nicht ganz so schweren Hochwassern im Bereich Sonthofen.

In Folge des verheerenden Pfingsthochwassers wurden aufwändige Hochwasserschutzprojekte ins Leben gerufen. Der Hochwasserschutz „Obere Iller“ ist bereits seit mehreren Jahren abgeschlossen und hat sich auch bereits bewährt. Der Hochwasserschutz an der Ostrach, der insgesamt etwa 26,5 Millionen Euro kosten wird, befindet sich derzeit im letzten Bauabschnitt und soll noch in diesem Jahr fertiggestellt sein.

eva

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