Holzrücker Bernhard Hage setzt auf das Arbeitspferd im Wald

Leidenschaft für Pferdekraft

+
Nach der Durchforstung sammelt der Holzrücker mit seinem Moritz die „Ernte“ ein und bringt die Baumstämme zum Sammelplatz am Forstweg.

Technik hat längst auch bei der professionellen Waldarbeit Einzug gehalten. Doch ganz ausbremsen lassen sich die „Handarbeiter“ nicht. Holzrücker Bernhard Hage aus Untermaiselstein bietet eine Dienstleistung an, die gerade im kleinflächigen Wald viele Vorteile hat: Holzrücken mit Pferden.

Als rückständig und überholt sieht Bernhard Hage seinen „Job“ im Wald nicht an. Im Gegenteil. Man müsse nur aufs „richtige Pferd“ setzen. Wo schwere Forstmaschinen bei der Holzernte nicht selten dauerhaften Schaden anrichten und den empfindlichen Waldboden zerfurchen und verdichten oder langfristig schädigen, sei der schonende Umgang wie ihn seine Art des traditionellen Holzrückens biete, die bessere Wahl. Und durch und durch umweltfreundlich obendrein.

Keine „idyllische Spielerei“ ist die Holzbringung mit Pferdezug. Auch wenn die Holzernte heute ohne Maschineneinsatz kaum noch vorstellbar ist, in einigen Bereichen kann der klassische Holzrücker mit Pferden durchaus mithalten. Immer mehr Waldbesitzer erwägen den bodenschonenden umweltfreundlichen Einsatz von „regenerativen Kraftquellen“.

Für Hubert Krampe aus Niedersonthofen stand schnell fest: Wenn er seine kleine Waldparzelle oberhalb des Niedersont­hofer Sees „bearbeiten“ würde – dann müsste ein Holzrücker mit dem Pferd „aufräumen“. Kein Großauftrag, aber doch eine Menge Holz für einen Rücker und sein Pferd. „Knapp 100 Festmeter Fichte wollte der Waldbesitzer aus der Parzelle holen, Nutzholz und etwas Brennholz für den Eigenbedarf. „Es ist schon ein Frage wie ich mit der Natur umgehe“, meint der 79-Jährige. Wo die Pferdearbeit nur ein paar Schleifspuren und Hufabdrücke im Waldboden hinterlasse, zerfurche jeder Traktor den Boden so tief, dass selbst nach Jahren noch Gräben zu sehen seien. „Das wollte ich keinesfalls“, betont Krampe.

Der Kontakt zu einem „Profi“ in Sachen Holzrücken war dann schnell geschaffen. Die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG vermittelte für den Hiebsauftrag mit Bernhard Hage einen bewährten Partner. „Wir und unsere Partnerunternehmen bedienen alle Größen – ob ein PS oder 500 PS“, skizziert der Geschäftsführer der FBG, Roman Prestele, das Portfolio des Dienstleisters rund um Waldpflege und Holzernte. Man sei keineswegs „maschinenfixiert“, sagt Prestele weiter. „Warum nicht? Wenn es die Art des Auftrages zulässt, ist uns die Pferdearbeit im Wald willkommen. Erst recht, wenn wir einen Spezialisten wie hier den professionellen Holzrücker in der Nähe haben.“ Nachfragen nach diesem Spezialangebot gebe es immer wieder, weiß Prestele.

Mit dem Holzeinschlag bei Niedersonthofen hat der 28-jährige Bernhard Hage den idealen Arbeitsplatz quasi vor der Haustüre. Eine kurze Anfahrt von Untermaiselstein, ein kupiertes Gelände und gefällte Bäume mit denen er und sein Kaltblutpferd ein paar Tage zu tun haben. „Perfekt für mich und meinen Moritz.“ Einige Wochen zuvor hat Hage den Holzeinschlag durchgeführt.

Mit wenigen knappen Kommandos lenkt Hage den zehnjährigen Wallach durch den Wald. Außer „hü“ und „eeh“ oder „wist“ und „hott“ ist nur das Poltern der Stämme zu hören und ab und zu das Schnauben vom Moritz. Wie Dampf bläst das Tier seinen Atem vor sich in die kalte Winterluft. Ein verdammt romantisches Bild. Und eine kraftvolle Szene bietet sich, wenn Moritz mit drei, vier Baumstämmen im Schlepptau durch den Wald stapft.

„Das will ich machen. Am liebsten nur das.“ Mit knappen Worten bringt der Holzrücker aus Leidenschaft seinen Beruf auf den Punkt. Holzrücken mit Pferden sei bei vielen Verhältnissen im Vergleich zum Maschineneinsatz durchaus konkurrenzfähig, betont der Chef eines Holzrücke-Unternehmens, das ganz auf Pferdestärken setzt. Und auf Können – von Mensch und Tier.

gts

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Bahnstreik auch im Oberallgäu - Schüler und Pendler müssen warten
Bahnstreik auch im Oberallgäu - Schüler und Pendler müssen warten
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Kreisbote-Aktion "Spenden & Helfen": 5 200 Euro für Kinderschutzbund Sonthofen
Kreisbote-Aktion "Spenden & Helfen": 5 200 Euro für Kinderschutzbund Sonthofen

Kommentare