Die Brunft macht Rehe „blind“

Hormongesteuerte Rehe: Jagdverband rät Autofahrern zu besonderer Vorsicht

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Die Brunft macht Rehe „blind“.

Allgäu – In den nächsten Wochen herrscht wieder „wildes Treiben“ in Feld und Wald. Das Rehwild hat Paarungszeit, die Brunft, und da geht es im wahrsten Wortsinn rund, erklärt Vizepräsident und Biologe Thomas Schreder vom Bayerische Jagd-Verband BJV.

„In der Paarungszeit treibt der Bock die brunftige Geiß durch den Hochwald oder durch die Felder und liefert sich mit Rivalen Kämpfe und spektakuläre Verfolgungsjagden. In den Getreidefeldern sind dann oft so genannte Hexenringe zu beobachten, runde Kreise überall dort, wo das Getreide beim wilden Liebesreigen niedergefegt wurde.

„Nein“ heißt „Nein“ – auch Rehgeißen können MeToo

Das weibliche Reh sondert Duftstoffe ab und signalisiert so seine Paarungsbereitschaft. Ist es noch nicht ganz so weit und der Bock bedrängt die Geiß allzu aufdringlich, reagiert sie mit einem schrillen Fiebton und rennt davon.

Jetzt Hochzeit, erst nächstes Jahr Nachwuchs – wie kann das gehen? Beim Reh gibt es die so genannte Keimruhe, eine wildbiologische Besonderheit. Biologe Thomas Schreder: „Dabei nistet sich die befruchtete Eizelle über einige Monate in der Gebärmutterschleimhaut ein, ohne sich weiter zu entwickeln. Erst mit zunehmender Tageslichtlänge im Spätwinter setzt die Zellteilung ein und der entstehende Embryo wächst.“ Durch eine solche „verlängerte“ Tragzeit beim Reh wird sichergestellt, dass die Jungtiere in der für sie optimalen Jahreszeit im Frühjahr geboren werden.

Hormongesteuert

Vorsicht Autofahrer – Liebestolles Rehwild ist nicht zu bremsen! Da „Liebe bekanntlich blind macht“ – oder besser gesagt, weil die Tiere völlig hormongesteuert sind – jagen brunftige Rehe oft auch unvermittelt über die Straße. Da kann es schnell zu Wildunfällen kommen. Ramona Fehringer, Fachreferentin für Revier- und Wildschutz beim BJV, appelliert daher an alle Verkehrsteilnehmer: „Fahren Sie auch in Ihrem eigenen Interesse jetzt besonders vorsichtig. Speziell bei Fahrten entlang unübersichtlicher Straßenränder, durch Waldstücke, entlang von Hecken oder zwischen Mais- oder Getreidefelder, können unvermittelt Rehe auf der Straße auftauchen. Behalten Sie daher auch immer den Fahrbahnrand im Auge und seien Sie stets bremsbereit.“

Ein Reh kommt zur Paarungszeit selten allein. Meist folgt der Geiß ein Bock. Fehringer: „Taucht auf der Fahrbahn ein Reh auf, blenden sie ab und versuchen Sie kontrolliert zu bremsen. Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu verhindern, muss das Lenkrad unbedingt gerade gehalten werden – versuchen Sie keinesfalls unkontrollierte Ausweichmanöver.“

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