Wichtige Weichenstellung

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Am 22. Februar geht es in Immenstadt um die Frage „Hotel am Alpsee?“ Mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten müssen mitmachen damit das Ergebnis zählt.

Immenstadt - Am Sonntag, 22. Februar, können die Wahlberechtigten in Immenstadt entscheiden: Soll am Großen Alpsee ein Hotel gebaut werden – oder nicht? Nur um diese Grundsatzfrage geht es beim aktuellen Ratsbegehren.

Das Hin und Her zieht sich schon ein Jahr durch die Stadtpolitik: Die Befürworter eines solchen Projektes sehen darin eine Chance für Immenstadt, die es zu nutzen gelte. Die Gegner fürchten dagegen, mit den Hotel eine Katze im Sack zu kaufen und fordern, eine Entscheidung zu vertagen, um eine umfassende Abwägung zu ermöglichen. In der jüngsten Diskussionsrunde gab es keine Annäherung. Im Gegenteil: Bürgermeister Armin Schaupp fürchtet, dass Immenstadt bei einem „Nein“ auf lange Sicht aus dem Rennen um Investoren sein könnte, während die Gegner sich bei dem gesamten Prozess verschaukelt vorkommen.

„Unsere Gruppierung will keinen Stillstand – aber einen Fortschritt mit Augenmaß. Ein durchdachtes Konzept, das auf Nachhaltigkeit und sorgsamen Umgang mit der Landschaft setzt“, betont Dr. Eva Kliebhan von der Bürgerinitiative zum Erhalt der Alpseelandschaft. Das bedeute nicht, dass man auf eine Steigerung der Finanzkraft und Einnahmen für die Stadt verzichte, stellt Eva Kliebhan weiter fest. Es gebe durchaus Alternativen. Die Initiative sei angetreten im Bewusstsein, dass Entscheidungen langfristige Entwicklungen anstoßen. „Wir müssen genau überlegen, wohin die Entwicklung gehen soll“, appelliert Kliebhan weiter. Dabei sei auch externer Rat wichtig. „Ein Nein zum Projekt bringt den Zeitgewinn, den wir brauchen, um etwas Vernünfiges auf den Weg zu bringen.“

Genau beim Thema Zeit ist Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp anderer Ansicht. Seit Ende der 1990er Jahre sei die Stadt auf der Suche nach Investoren für ein Hotelprojekt. Wenn es jetzt wieder nicht zustande komme, drohe langfristiger Schaden. „Bürgerent- scheide wirken lange“, gibt Schaupp zu bedenken. Die nächsten 15 Jahre werde dann wohl keiner mehr eine Diskussion vom Zaun brechen. Ein Nein zum Projekt für das die Investoren schon am Start stünden, signalisiere in fataler Weise: wir wollen kein Hotel in Bühl. „Das ist keine Panikmache, das ist die reale Gefahr!“ Immenstadt brauche Übernachtungsgäste, sagt Schaupp.

Der Bürgermeister meint zudem, dass die Investoren für das aktuelle Vorhaben eines Natur-/Aktivhotels genau das Publikum in das Tourismusgebiet Alpsee/Grünten bringen könnten, das man brauche: „Das baut auf das Leitbild der Stadt; das wäre der Leitbetrieb.“ Viele Leute suchten genau das. Schaupp verweist auf das veränderte Gästeverhalten, das allerorten zu beobachten sei. Die Zeiten der Etagendusche seien vorbei. Die Investoren hätten das geprüft und mit ihrem Projekt entsprechend aufgegriffen. Auch die Stadt habe ihre Hausaufgaben gemacht und Vorinvestitionen getätigt, so Schaupp weiter. „Wir sind dabei, die Früchte einzufahren.“ Die Geduld der Investoren habe eine Schmerzgrenze erreicht – es sei „an der Zeit, dass Taten folgen“.

Schützenhilfe erhalten Stadtrat und Bürgermeister von der Initiative „pro Immenstadt“. Deren Sprecher Richard Kraus meint, man müsse weg vom „Rummel duch den Tagestourismus in Bühl“, der viel Geld koste aber nichts bringe. Falls die Entscheidung gegen ein Hotelprojekt falle – „gegen den Tourismus“, wie Kraus meint –, könne seine Initiative damit leben. Aber die Stadt müsse sich Gedanken machen, wie sie sich in Zukunft aufstellen wolle.

Dass die Sichtweise der Stadt offenbar von vielen Menschen nicht geteilt werde, führt Prof. Alfred Bauer von der Fakultät Regionale Tourismuswirtschaft und umweltorientieter Tourismus an der FH Kempten, auf „schlechte Kommunikation“ zurück. Die Gretchenfrage sei: Welche Gäste will ich? Und andererseits in der Folge: Was bin ich bereit zu opfern? „Irgendetwas muss ich schlucken“, sagt Bauer. Diese Fragen sieht er im konkreten Fall nicht hinreichend diskutiert. Sein Schluss: „Der Bürgerentscheid kommt zu früh.“ Vielleicht könne in einer Zusammenarbeit eine für alle tragbare Lösung gefunden werden. „Mehr Kooperation statt Konfrontation.“

„Verschaukelt“ kommt man sich bei der Bürgerinitiative zum Erhalt der Alpseelandschaft allemal vor. Der Bürgermeister habe das ursprünglich angestrebte Bürgerbegehren ausgehebelt mit dem „Kopplungs- verbot“ in der Frage einer notwendigen Erschließungsstraße und so das Ratsbegehren vom Stapel gelassen. Zwar hat die BI inzwischen vor dem Verwaltungsgericht einen Teilsieg errungen, sieht sich aber dennoch unfair behandelt, etwa was den Umfang der Plakatierung und andere Informationsmöglichkeiten zum Entscheid am 22. Februar angeht.

Das Urteil des Verwaltungsgerichtes Augsburg greift dagegen ein weiteres Argument der BI auf, wonach durch die geplante Umgehungsstraße ein landwirtschaftlicher Betrieb am Ostufer des Alpsees in seiner Existenz bedroht sei. Diese Verknüpfung sei rechtswirdrig, da sie nicht den Tatsachen entspreche, so die Begründung des Gerichts.

Von einer Existenzbedrohung spreche man im allgemeinen, wenn fünf Prozent der Fläche betroffen seien, beruft sich Bürgermeister Schaupp auf die gängige Praxis. Für die Umfahrung benötige man gerade einmal 0,4 Prozent der Fläche des Betriebes. Zudem sei ein erklecklicher Teil dann Baugebiet. „Ein 6-er im Lotto“, findet Schaupp.

Martina Bechter beurteilt das ganz anders und sieht die Zukunft des elterlichen Hofes sehr wohl bedroht, falls das Hotel und die offenbar unverzichtbare neue Straße komme. Die Weidefläche des 17-Hektar-Hofes werde quasi zerschnitten. Die angeboten Ausgleichsfläche sei für einen Weidebetrieb nicht sinnvoll nutzbar.

„Kommt das Hotel, kommt auch die Umgehungsstraße. Dann ist unser Betrieb massiv eingeschränkt“, klagt Martina Bechter. „Es geht sehr wohl um unsere Existenz!“ Gerade die wertvollsten Flächen, die wenigen ebenen Wiesen, würden wegfallen oder deutlich entwertet. Ein Tauschangebot der Stadt – weitere Hangflächen – hält die junge Frau für unakzeptabel und kommt zu dem Schluss: „Die Stadt will unseren Hof weg haben.“

Josef Gutsmiedl

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