Hotelprojekt in Bühl: BI hofft auf städtebaulichen Wettbewerb

Die Angst vor der Katze im Sack

Hotel auf der grünen Wiese? Der geplante Standort erscheint aus städtebaulicher Sicht „weit vom Schuss“, um Bühl und Immenstadt zu nützen.

Immenstadt - Am Sonntag, 22. Februar, können die Bürgerinnen und Bürger in Immenstadt entscheiden, ob die Planungen für einen Hotelneubau am Großen Alpsee weiter folgt werden oder nicht. Die Gegner des Projektes in der Bürgerinitiative zur Erhalt der Alpsseelandschaft gingen jetzt noch einmal in die Offensive mit einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Alpseehotel – alternativlos?“

Wohin die „Reise“ gehen könnte, zeigte Prof. Christian Wagner vom Institut für Bauen im alpinen Raum in Chur auf: „Das Gefährlichste ist, dass man es einfach passieren lässt!“ Die Gegner des Projektes und einige Stadträte lieferten sich einen Schlagabtausch, der zeigte: die Zeit scheint noch nicht reif für einen Rats- oder Büergerentscheid, da zu wenige konkrete Informationen zum Projekt und seinen Auswirkungen vorliegen.

Ein wenig die Wogen glätten wollte Prof. Christian Wagner. „Ich hoffe, ich kann etwas dazu beitragen, dass die Fronten nicht zu hart sind“, schickte der Städteplaner seinen Darstellungen vor rund 120 Interessierten Bürgern voraus. Anhand einiger plakativer Beispiele aus seiner schweizerischen Heimat unterstrich Wagner: Städtebau ohne Ziel und verfehlte Raumplanung führten ins Chaos und hinterließen nur Unzufriedenheit.

Wagner: „Von allein kommt das globalisierte Bauen - nicht das individuelle Bauen! Und da muss man aktiv etwas dafür tun.“ Die Planer der Kommunen stünden da ebenso in der Verantwortung wie die Architekten, weiß Wagner aus langer Erfahrung. Das Gefährlichste sei, dass etwas einfach passiere, weil eigentlich nichts getan – geplant – werde.

Konkret zum Hotelprojekt am Alpsee wies Wagner auf die „soziale Rolle“ hin, die ein Hotel zwangsläufig habe – etwa durch den An- und Abreisebetrieb. „Und nach drei Jahren Bauzeit können Sie die Anwohner ohnehin in der Nervenklinik besuchen...“, zeichnete er sein Bild weiter. Man dürfe hier nicht um den heißen Brei herumreden: ohne neue Straße gehe es nicht. „Und dann kommt ein neuer Stadtteil hier am See!“, befüchtet Wagner. Thesen, die von Verfechtern des Hotelprojektes bislang bestritten werden.

Wagner hält den geplanten Hotelstandort für denkbar ungeeignet, da er „weit vom Schuss“ sei von Bühl. An einem näher am Dorf gelegenen Platz könne er sich das Projekt durchaus vorstellen. Es gelte die Wirkung von Gebäuden zu den benachbarten Räumen und anderen Gebäuden zu berücksichtigen, so Wagner weiter. „Es ist Aufgabe der Projektplaner, das aufzuzeigen.“

Das „Unbehagen“, das er bei vielen Immenstädtern Bürgern beobachte, so Wagner, rühre von der Größe des Projektes her und den fehlenden Informationen. Beim Stand der Dinge kauften die Immenstädter die Katze im Sack. „Das ist katastrophal!“ Der am 22. Febraur anstehende Ratsentscheid, ob das Hotelprojekt weiter verfolgt werden soll, sei verfrüht und müsse auf einen städtebaulichen Wettbwerb folgen. „Sie können doch nicht über etwas entscheiden, dass Sie gar nicht kennen“, brachte Wagner die Situation auf den Punkt.

„Fragen Sie sich, wo Sie Ihre Stadt in 20 oder 30 Jahr sehen wollen“, riet der Stadtplaner allen Entscheidern und verwies auf das Leitbild, das sich die Stadt gegeben habe. Dort sei von einem „schonenden Umgang mit Ressourcen“ die Rede. Dort heiße es aber auch, konterte Stadtrat Armin Ländle prompt, dass eine Entwicklung im Tourismus, ja explizit ein Hotel, erwünscht sei. das Areal sei im Besitz der Stadt und seit langem für eine Hotelnutzung ausgewiesen. „Das kann man nicht einfach vom Tisch wischen.“ Zudem habe der Stadtrat den anstehenden Bürgerentscheid nicht angesteuert, sondern die Bürgerinitiative.

Das Hotelprojekt sei nicht als Konkurrenz zur privaten Kleinvermietung zu sehen, meinte Stadtrat Herbert Waibel in der Diskussion. Der „tiefgreifende Wandel im Tourismus“ bedinge neue Angebote.

Stadtrat Werner Oppold kam schließlich zurück auf den Vorwurf, man kaufe die sprichwörtliche Katze im Sack: „Das darf man überhaupt nicht.“ Und dem sei auch nicht so. Die Stadt sei Besitzerin des Grundstücks und bestimme, was gebaut werde. „Die Stadt hat alle Möglichkeiten, zu entscheiden was geschieht.“

Es müsse ein Bürgerbefragung zu den Hotelplänen geben, forderte Andrea Rücker von der BI, damit wissenschaftlich verlässliche Informationen und Daten eine Entscheidung zuließen. „Ich wünsche mir, dass die Stadt auf uns Bürger eingeht und allen für eine Entscheidung mehr Zeit lässt“, ergänzte Karin Greve.

Josef Gutsmiedl

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