Mit Corona auf den Hund gekommen

Hundeschulen erwarten Öffnungskonzepte: Schulung und Training muss möglich sein

Mehrere Hundehalter bei einer Kundgebung vor dem Landratsamt in Sonthofen
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Bei der Kundgebung vor dem Landratsamt in Sonthofen mit rund 70 Teilnehmern und über 30 Vierbeinern wurden alle Hygieneauflagen eingehalten.
  • vonSabine Tulachan
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Sonthofen – Bayern ist derzeit eines von insgesamt noch drei Bundesländern, in denen Einzelunterricht im Freien von Hundeschulen immer noch untersagt ist. Wolfgang und Saskia Katharina Siebel, Hundeschultrainer im Allgäu, haben sich bei einer Kundgebung mit rund 70 Teilnehmern für die Öffnung der Hundeschulen stark gemacht.

Die Kundgebung fand unter Beachtung der aktuellen Pandemie-Auflagen vor dem Oberallgäuer Landratsamt in Sonthofen statt. „Das war uns sehr wichtig, denn keinesfalls möchten wir mit sogenannten Corona-Leugnern in einen Topf geworfen werden“, betont Wolfgang Siebel. „Wir möchten darauf aufmerksam machen, wie wichtig die Erziehung von Hunden für ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier ist. Beide benötigen im Rahmen der Erziehung professionelle Hilfe, vor allem, wenn Hunde Angstverhalten oder Aggressionen entwickeln. Wir fordern eine verantwortbare Öffnung unserer Betriebe anstelle eines pauschalen Lockdowns nach dem Gießkannenprinzip“, sagt Siebel.

Hundetraining sei dabei auch nicht, wie oftmals angenommen, eine reine Beschäftigungsarbeit. Hunde müssten für das öffentliche Interesse und ein sicheres Zusammenleben sozialisiert werden, um später nicht etwa zu sogenannten Problemhunde zu werden, die dann „durch die Presse getrieben“ würden. Bei der Demonstration waren sieben Hundetrainer aus dem Allgäu anwesend. Alle warnten bei der Kundgebung davor, dass sich vor allem im ersten Lockdown viele Menschen einen Hund angeschafft hätten und nun nicht die Möglichkeit bekämen, diesen entsprechend zu erziehen.

Seit November sind Hundeschulen in Bayern geschlossen. Seitdem erhielten die Coachs jeden Tag Anrufe von Hundehaltern, die dringend Trainingsstunden brauchten. Man erhalte sogar schon illegale Angebote, in denen Betroffene vor lauter Verzweiflung anfragen, ob man sich nicht privat ‚als Freunde‘ treffen könnte. Die Schließung der Schulen bewerten die Experten als sehr gefährlich, denn es drohten nun wieder volle Tierheime.

Susanne Kandler, die eine Hundehalterschule in Kempten betreibt, berichtete ebenfalls von ihrer Situation. Sie habe Verständnis dafür, dass die Politik in der derzeitigen Lage oftmals nur reagieren könne. Aber ein Unterricht im Freien mit Maske, um Bissprävention zu betreiben, Wissen zu vermitteln und Lösungsstrategien an die Hand zu geben, sei ohne Ansteckungsrisiko möglich. Sie verstehe daher nicht, weshalb es in Bayern immer noch nicht möglich sei, mit Hund und Mensch zu arbeiten.

Daniela Busse, Schwäbische Bezirksrätin (FDP), war als einzige Vertreterin der Politik während der Kundgebung anwesend. Sie betonte, dass die gesellschaftlichen Kollateralschäden endlich mehr ins Blickfeld der Regierung rücken müssten. „Das Virus darf zu keiner Zeit unterschätzt werden, aber ich habe wirklich große Sorge, dass die Folgen des eisernen Lockdowns auf andere Bereiche extrem unterschätzt werden. Ich erwarte von den Regierungen, endlich differenzierte Lösungsstrategien zu entwickeln. Es muss mehr Hirnschmalz dafür verwendet werden, mit welchen Schutzmaßnahmen und kreativen Konzepten welche Betriebe und Institutionen öffnen können, anstatt einen perspektivlosen Lockdown von Woche zu Woche zu verlängern“, kritisierte Busse. Das politische Statement, es sei nicht an der Zeit, über Lockerungen nachzudenken, trage einen höchst undemokratischen Geist in sich, mahnte die Bezirksrätin aus Kempten weiter.

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