Frischer Wind in der Hofmühle

Immenstadt: Museum Hofmühle zeigt neue Exponate in der Dauerausstellung

Museum Hofmühle Immenstadt
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Die legendäre „Imme“, das Motorrad aus Immenstadt, ist nicht nur für Richard Schindele vom Heimatverein eine Herzenssache und wird jetzt in der Hofmühle noch besser ins Rampenlicht gerückt.
  • VonJosef Gutsmiedl
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Immenstadt – Im Museum Hofmühle wurde die Zeit der coronabedingten monatelangen Schließung genutzt, um die Dauerausstellung noch besser zu präsentieren. Das Projekt Digitalisierung nimmt Fahrt auf.

„Eine Menge Arbeit“ habe die Runderneuerung der Hofmühle schon gemacht, räumt Richard Schindele, der Vorsitzende des Heimatvereins Immenstadt ein. Auch wenn das Tagesgeschäft praktisch ruhte hatten die Museumsleute und die Mannschaft des Heimatvereins gut zu tun. Ganz neu wurde eine Schuhmacher-Werkstatt aus Gunzesried quasi eins-zu-eins untergebracht. „Klar, da könnte ,man noch viel mehr daraus machen“, meint Schindele und weist auf die zahllosen Arbeitsschritte hin, bis ein richtiger Lederschuh„auf die Straße“ komme. Aber die Hofmühle sei ja kein Schuhmacher-Museum. „Das Wesentliche können wir hier gut präsentieren.“

Abgespeckt wurde dagegen die Gerberei-Ecke, wo vor allem historische Fotos im Großformat dieses Handwerk beleuchten. Dass die Immenstädter Handwerksbetriebe – auch die Hofmühle – auf die Wasserkraft im Steigbachtal setzten, ist naheliegend: Schmieden, Sägewerke, die Hanfwerke der Bindfadenfabrik... und später Bosch.

Von Strümpfen und Fahrrädern

Eine Herzensangelegenheit Schindeles und des Heimatvereins war es, endlich auch die Industriegeschichte der Stadt besser zu inszenieren. „Die Kunert-Werke haben über lange Jahre die Stadt mitgeprägt“, so Richard Schindele. Selbst aus dem Bregenzerwald kamen Arbeiter ins Städtle. „Kunert beschäftigte in seiner Glanzzeit 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Im Nachkriegsdeutschland erlebte Immenstadt trotz oder gerade wegen der Notzeiten eine regelrechte Pionierzeit, vor allem im Fahrzeugbau. Norbert Riedel etwa, machte aus der Not eine Tugend und konstruierte ein leichtes Motorrad, das nur eine einarmige Gabelaufnahme hatte und schnell zum Markenzeichen der „Imme“ wurde, wie man das Gefährt nannte. Rund 12 000 Imme-Motorräder wurden bis 1951 gebaut. Die ausgefuchsten Konstruktionsdetails machte sich nach dem Riedel-Konkurs ein Mitarbeiter zunutze und baute wenige Jahre Fahrräder, die sich an der „Imme“ orientierten. „Die hatten Federungen wir heute die Fullys bei den Mountainbikes“, weiß Schindele. Gegen den Massenmarkt waren Heinz Penkes bahnbrechende Konstruktionen bald chancenlos. Ähnliche Höhen- und Sinkflüge erlebte später übrigens auch der international aktive Feinstrumpf-Hersteller Kunert.

100.000 Euro für Digitalisierung

Massenware? Abfallberge. Die neu geordnete Abteilung befasst sich mit dem nach wie vor aktuellen Themenkreis Müll, Entsorgung, Recycling. Nicht von ungefähr: In Immenstadt wurden zu Wirtschaftswunderzeiten Abermillionen Plastikflaschen für den bekannten Lenor-Weichspüler produziert. Erst in den 1970er Jahren zog Ordnung ein ins Abfallwesen; zuvor hatte jedes Dorf, jede Stadt, seine Müllkippe, wo alles landete, was nicht auf dem Schrottplatz oder im Küchenherd „entsorgt“ wurde.

Einen „Schub“ brachte die Pandemie-Beschränkung allerdings für das Projekt Digitalisierung. Aus dem Sonderfonds Corona-Krise des Freistaats Bayern wird die Hofmühle mit 100 000 Euro unterstützt. Weitere 10 000 Euro muss der Heimatverein aufbringen. Schindele spricht von einem „spannenden Projekt“, das zwar wieder „eine Menge Arbeit“ mit sich bringe. Doch dann, so ist er optimistisch, eröffneten sich völlig neue Perspektiven für die Museumsbesucher, die weit über alle bekannten Formen des interaktiven Handelns hinausgingen. Der Heimatverein wird bei diesem herausfordernden Projekt von Fachleuten unterstützt.

Informationen unter www.museum-hofmuehle.de, Telefon 08323/3663; E-Mail an hofmuehle@immenstadt.de

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr

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