»Ein Schatz« wird digital

Immenstadt: Nachlass des ehemaligen Fotohaus Zeller wird digitalisiert

Stadtarchiv Immenstadt
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Stefanie Goldfuß, Mitarbeiterin des Stadtarchivs Immenstadt, demonstriert den Förderern des Projekts, wie Negative und Dias aus dem Nachlass des Fotohaus Zeller-Hipp von ihr digitalisiert werden.

Immenstadt – Die Digitalisierung des Nachlasses des Fotohaus Zeller Hipp schreitet voran. „Dieser historische Schatz soll bald der Bevölkerung zugänglich sein.

Vor drei Jahren hatte die Familie Zeller, Inhaber des ehemaligen Fotohaus Zeller-Hipp, ihren fotografischen Nachlass der Stadt Immenstadt geschenkt. Im Stadtarchiv wird seither an der Digitalisierung des Materials gearbeitet. Nun gab die Stadt die Zusage: Für die nächsten zwei Jahre soll das Archiv-Projekt weitergehen. Fördermittel aus dem Leader-Programm tragen dazu bei. Das soll die neue Leader-Plakette demonstrieren.

„30 000 Euro kommen von der Stadt, 30 000 Euro von der Kaiser-Sigwart-Stiftung und 18 000 sind Leader-Mittel”, schlüsselt Bürgermeister Nico Sentner die Förderungen für das Projekt auf. Christof Endreß, Vorsitzender der Regionalentwicklung Oberallgäu, übergab die Leader-Plakette an Archivpfleger Gerhard Klein. Dieser bedankte sich bei allen Geldgebern und Unterstützern.

Das Fotohaus Zeller

„Die Digitalisierung ist notwendig, weil der Nachlass des Fotohauses Zeller zu 80 Prozent aus Negativen besteht", erklärte Gerhard Klein. Das Fotohaus Zeller war 1902 gegründet worden und bestand bis in die Neunzigerjahre. „Es ist das am längsten bestehende Fotohaus der Stadt”,weiß Klein.

Daher sind die Ansichtskarten und Passfotos, Bilder von Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen sowie von wichtigen Ereignissen in der Stadt von großem historischen Wert. „Dieser Schatz soll der Bevölkerung zugänglich gemacht werden”, ist Bürgermeister Nico Sentner sicher, „das Bildmaterial ist sehr spannend.”

Geschätzt 200.000 Bildaufnahmen

Wie beim Vorgang der Digitalisierung aus Negativen wieder Positive werden, demonstrierte Stefanie Goldfuß. Die Mediengestalterin und Fotografin legt dazu nacheinander jedes Negativ vorsichtig auf eine Leuchtplatte, die an ein iPad erinnert. Direkt senkrecht darüber ist eine Kamera an einer Vorrichtung befestigt. Wenn alles passt, das Negativ gerade liegt, wird die Kamera mit einem Fußpedal ausgelöst und es erscheint das Foto als Positiv am Computerbildschirm.

Hier kann es noch nachbearbeitet werden. „Da wir den Originalabzug nicht mehr haben, muss ich selbst entscheiden, wie das Foto am Ende aussehen soll”, so Goldfuß. Da sie selbst Fotografin sei und ein Gespür für die historischen Fotos entwickelt habe, könne sie das gut abschätzen. Erscheint eine Aufnahme zu dunkel wird sie heller gemacht. Frau Goldfuß schafft so etwa 80 bis 150 Fotos an einem 8-Stunden-Tag.

Aus Negativen werden Tiff-Dateien

„Das Bild wird schärfer als der Abzug damals geworden wäre”, erklärt Goldfuß. Das liege an der heutigen Technik. Besonders gefreut habe sie und Gerhard Klein, dass die Stadt Immenstadt grünes Licht für das Abspeichern der Fotos im Tiff-Format gegeben habe, ein Speicherformat, dass mehr Speicherplatz benötigt als das häufiger verwendete jpg-Format, aber auch seine Vorteile habe. „Das Foto kann so zum Beispiel für eine Ausstellung jederzeit auf Leinwand gedruckt werden.”

Ein weiterer Vorteil des Projekts ist die Konservierung. Dazu erhielt das Stadtarchiv große Unterstützung von der Immenstädter Firma Klug-Conservation, eine der führenden Firmen im Bereich Spezialverpackungen zur Erhaltung von Kulturgut. „Wir machen altersbeständiges Papier”, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Michael Kühner. Wichtig sei, dass das Papier nicht säurehaltig sei und damit den Status Quo der Positive und Negative erhalte.

Nach und nach ziehen die Negative aus den alten Kisten in neue maßangefertigte Boxen, die von der Firma Klug-Conservation unentgeltlich bereitgestellt wurden.

Eine Datenbank für alle Bilder

Nach der Digitalisierung und Neuverpackung folgt das Einpflegen in eine Datenbank. Dies übernimmt Gehard Klein. „Das Stadtarchiv ist ein Dienst am Bürger”, findet Klein. Es seien schätzungsweise noch zwei Jahre Arbeit bis die Highlights der rund 200 000 Bildaufnahmen gesichtet worden sind.

„Wir wurden von einem tschechischen Historikers kontaktiert, der nach einem Bild von Josef Forster suchte. Dieser war Aufseher im KZ Theresienstadt gewesen und soll sich zwischen 1934 und 1936 in Immenstadt aufgehalten haben.” Tatsächlich konnten Klein und Goldfuß ihn in Zellers Fotoregister entdecken.

Bombenangriff zerstörte einige Aufnahmen

Ob das entsprechende Negativ noch existiert sei jedoch fraglich: „Bei einem Bombenangriff der Amerikaner 1945 wurde das Fotohaus Zeller getroffen und die ältesten Aufnahmen zerstört”, so der Archivar, „von vor 1936 haben wir nur mehr sehr wenig.” Sicher sind sich jedoch alle Beteiligten, dass noch viele historische Schätze im Nachlass verborgen sind.

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