Individuellere Betreuung – Jobcenter Oberallgäu hat seine Arbeit aufgenommen

Petra Baur, Leitung der Leistungssachbearbeitung des Regionalteam Süd (von links) im Gespräch mit Landrat Gebhard Kaiser und Jobcenterleiter Günter Zeller in den modernisierten Räumlichkeiten des Jobcenter im Landratsamt. Foto: Eva Veit

Kürzere Wege, individuellere Betreuung, engere Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und schnelleres Geld für die Betroffenen – das verspricht das neue kommunale Jobcenter des Landkreises Oberallgäu, das seit 1. Januar für die Betreuung, Beratung und Vermittlung langzeitarbeitsloser Bürgerinnen und Bürger zuständig ist. Landrat Gebhard Kaiser zeigte sich gut drei Wochen nach Aufnahme des Betriebes zufrieden.

Zum 1. Januar 2005 waren Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für Erwerbsfähige in nurmehr einer Fürsorgeleistung, dem sogenannten „Hartz IV“, zusammengefasst worden. Die Regelleistungen werden seitdem von der Bundesagentur für Arbeit, die „sozialflankierenden Leistungen“ wie Schuldnerberatung oder Suchtberatung sowie die Kosten für Unterkunft durch die Kommunen erbracht. Die Leistungserbringung erfolgt durch die ARGE oder durch die 110 Optionskommunen. Seit dem neuen Jahr gehört das Oberallgäu zu diesen Optionskommunen. Dies bedeutet, dass es die bisherige Mischverwaltung aus Bundesagentur für Arbeit und Kommune im Oberallgäu nicht mehr gibt. Der Landkreis ist allein verantwortlich für die Betreuung und Beratung langzeitarbeitsloser Bürgerinnen und Bürger. Die Finanzierung der Leistungen liegt aber weiterhin in den Händen von Bund und Kommune, weshalb dies nicht zu Lasten des Landkreises geht. Das neue Jobcenter bedeute laut Ralph Eichbauer, Leiter der Sozialabteilung, viele Vorteile. Organisation, Personalausstattung und die regionale Arbeitsmarktpolitik können selbst gesteuert werden. Auch besitzt der Landkreis ein gutes Netzwerk mit kommunalen Einrichtungen und Freien Trägern. Zugleich seien viele Anlaufstellen unter einem Dach vereint wie Jugendamt, Schwangeren- oder Suchtberatung, betonte Jobcenterleiter Günter Zeller. Durch eine neue, schnellere Bearbeitungs-Software bekämen die Leute ihr Geld schneller und müssten nicht, etwa bei Weiterführungsanträgen, vier bis fünf Tage auf ihre Leistungen warten. Kürzere Wege für die Bürger verspricht die neue Organisationsstruktur des Jobcenters Oberallgäu. Hartz-IV-Bezieher aus dem nördlichen Landkreis haben in den Räumlichkeiten des Regionalteams Nord in der Sandstraße 10 in Kempten eine neue Anlaufstelle, in der nicht mehr nur - wie in der Vergangenheit - Arbeitsvermittler zur Verfügung stehen, sondern auch Leistungssachbearbeiter. Die Räumlichkeiten für das Regionalteam Süd sind nach wie vor im Landratsamt, wurden aber umgebaut und modernisiert. Durch eine enge Zusammenarbeit mit den Oberallgäuer Arbeitgebern soll die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen verbessert werden. In intensiven Gesprächen mit den Arbeitgebern lernen die Arbeitsvermittler die Anforderungen und Wünsche des Betriebes besser kennen und können ihnen zielgerichtet Vermittlungsvorschläge machen. Das Jobcenter Oberallgäu betreut derzeit 2.027 „erwerbsfähige Leistungsbezieher“, darunter sind viele Menschen, die in Teilzeit oder 400-Euro-Jobs arbeiten und von ihrem Einkommen nicht leben können. 815 Langzeitarbeitslose sollen wenn möglich ins Berufsleben zurückgeführt werden. Individueller auf die Menschen einzugehen sei das Ziel des Jobcenters Oberallgäu, verspricht Landrat Gebhard Kaiser. Eine bedarfsgerechte Betreuung der Kunden, ein speziell auf ihre Stärken und Schwächen zugeschnittenes Profil, soll die Wiedereingliederung in den Beruf erleichtern. In der Gruppe der Langzeitarbeitslosen gibt es Menschen mit unterschiedlichsten Qualifikationen und Motivationen. Menschen, die physisch oder psychisch für eine Reihe von Arbeitsplätzen nicht in Frage kommen. Menschen, die gar nicht arbeiten wollen. Menschen, denen die Qualifikationen fehlen. Gerade in der Gruppe der Alleinerziehenden, von denen derzeit 300 durch das Jobcenter betreut werden, seien aber viele Frauen mit guter Qualifikation und hoher Motivation, Arbeit zu finden. Wichtigster Ansatzpunkt sind hier die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Auch wenn in Sonthofen das Betreuungsangebot vergleichsweise gut sei, gäbe es dennoch Verbesserungsbedarf, so Jobcenterleiter Günter Zeller. Flexibilität in den Betreuungszeiten, aber auch von Seiten der Arbeitgeber, sei vonnöten, um Alleinerziehenden den Berufseinstieg zu ermöglichen. Im Landkreis bestünde weiterhin ein großer Bedarf an Tagesmüttern, und gerade die Hort- und Ferienbetreuung für Schulkinder müsse ausgebaut werden. Doch auch wenn bei der Kinderbetreuung noch Verbesserungen nötig seien, irgendwo müsse man eine Grenze ziehen, betonte Kaiser, und appellierte damit an die Eigenverantwortung der Menschen. Das Regionalteam Nord des Jobcenter Oberallgäu ist zuständig für die Gemeinden Altusried, Betzigau, Buchenberg, Dietmannsried, Durach, Haldenwang, Lauben, Missen-Wilhams, Oy-Mittelberg, Sulzberg, Waltenhofen, Weitnau, Wiggensbach und Wilpoldsried. Es befindet sich in der Sandstraße 10 in Kempten. Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch und Donnerstag 8 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr, Dienstag 8 bis 13 Uhr, Freitag 8 bis 12.30 Uhr. Für Bürger aus Kempten sind weiter gemeinsam Stadt und Arbeitsagentur zuständig. Das Regionalteam Süd des Jobcenter Oberallgäu ist zuständig für die Gemeinden Balderschwang, Blaichach, Bolsterlang, Burgberg, Fischen, Bad Hindelang, Immenstadt, Obermaiselstein, Oberstaufen, Oberstdorf, Ofterschwang, Rettenberg, Sonthofen und Wertach.Es befindet sich im Landratsamt in Sonthofen. Öffnungszeiten: Montag 8 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, Dienstag 8 bis 13 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 8 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 12.30 Uhr.

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