Beifall für Neustart am Grünten

Anja (von links), Sabine, Martin und Michl Hagenauer wollen am „Wächter des Allgäu“ familienfreundliches Natur- und Bergerlebnis bieten.

Bei einer Informationsveranstaltung klärte die zuküftige Betreiber-Familie Hagenauer in Kranzegg über ihr Projekt „GrüntenBergWelt“ auf. Ziel ist die „gemeinsame Entwicklung der Grüntenlifte zu einem ganzjährigen Natur- und Freizeiterlebnis“.

Die Mehrheit der rund 300 Besucher zeigte sich erleichtert darüber, dass es offenbar weitergeht in dem traditionellen Allgäuer Skigebiet. Besonders viel Beifall gab es für die Ankündigung, dass der Skibetrieb in der kommenden Saison – mit den vorhandenen Alt­anlagen – wieder aufgenommen werden soll. Handfester Widerstand gegen das Projekt, das Naturschutzverbände und die Oberallgäuer Grünen ablehnen, war nicht zu erkennen. Die Sorge, dass Kranzegg mit zusätzlichen Lärm- und Verkehrsbelastungen überzogen werde, konnten Sachverständige weitgehend zerstreuen. 

„Der Gemeinderat ist froh über diese Lösung“, unterstrich der Zweite Bürgermeister Rettenbergs, Thomas Tanzer, sowohl zu Beginn als auch am Ende der dreistündigen Veranstaltung. Man habe eine Lösung angestrebt, die eine weiteren Skibetrieb am Grünten ermögliche und nichts zerschlage. „Eine gute Sache“, so Tanzers Fazit. Er habe dazu bislang „viele positive Rückmeldungen“ erhalten.

„Wir haben ein tragfähiges Konzept entwickelt, wie die Grünten BergWelt nachhaltig, umweltschonend und wirtschaftlich zugleich betrieben werden kann“, so das Fazit der in Rettenberg ansässigen Familie Hagenauer. Seit 2006 stelle man bereits an der Alpsee Bergwelt bei Immenstadt unter Beweis, wie ein Unternehmen erfolgreich wiederbelebt wurde. Am Grünten wolle man mit bereits bestehenden gastronomischen Betrieben erfolgreich zusammenarbeiten. Einheimischen und Gästen werde man ein entschleunigtes Angebot für alle Generationen bieten. „Der Grünten soll ein Berg für Genießer werden“, so Anja Hagenauer. Das sei er in gewisser Weise ja schon. Man habe sich viele Gedanken gemacht, wie hier Wintersport, Wandern und Gastronomie unter einen Hut zu bringen seien. 

„Wir werden uns bemühen, das Bestmögliche an diesen Standort zu bringen – mit großer Verantwortung und Fingerspitzengefühl“, unterstreicht Martin Hagenauer, nach der Präsentation des Konzeptes. Die sieben Altanlagen werden komplett abgebaut und durch drei neue Lifte und Bahnen ersetzt. Kernstück ist eine moderne Zehner-Kabinenbahn, die auf 2,3 Kilometern Länge von der Talstation über die Mittelstation zur (neuen) Grüntenhütte auf dem Plateau führt (wir berichteten). Die komfortable Bahn soll auch Kindern, Familien mit Kinderwagen und Behinderten das Bergerlebnis ermöglichen. 

Für den Skibetrieb wird eine neue Sechser-Sesselbahn gebaut und ein kleiner Schlepplift an der Mittelstation für den Skischul-Betrieb und das neue Winter-Kinderland. Frischer Wind wird den Plänen zufolge auch bei der Gastronomie Einzug halten. Neben einer Naturrodelbahn soll eine „Walderlebnisbahn“ den Grünten noch attraktiver machen. 

Den „Wildwuchs“ der Pfade und Wanderwege will man beenden, etliche Trampelpfade rückbauen. Ein durchdachtes Lenkungskonzept soll die „Zielkonflikte“ entschärfen und alle Interessen und Natursportarten einbeziehen – Skifahrer, Tourengeher, Wanderer, Schneeschuhleute. Eine Kapazitätssteigerung sei mit den neuen Anlagen jedoch nicht geplant, betont Michl Hagenauer: „Weniger ist mehr.“ Unterm Strich konnten die bestehenden Anlagen insgesamt rund 5 200 Personen pro Stunden ins Skigbiet befördern. Die neuen Anlagen schaffen 5 300. „Wir setzen auf Komfort vor Kapazität!“ 

Details zum Beschneiungskonzept hat die Investoren-Familie noch nicht parat. Bei der Wasser-Frage habe die Landwirtschaft den Vorrang. Beim heißen Eisen Verkehrsbelastung für Kranzegg meint Reiner Neumann vom Verkehrsplanungsbüro Modus Consult: „Das werden Sie nicht als deutlich spürbare Belastung erkennen.“ Den Berechnungen zufolge seien in der Spitze rund 200 zusätzliche Autos am Liftparkplatz in Kranzegg zu erwarten. „Also drei pro Minute...“ Neumann gibt zu bedenken: „Und wenn Sie nichts tun: Glauben Sie nicht, dass es so bleibt.“ In der Region seien „viele Veränderungen“ im Gange. Auch wenn Schallmessungen eine „höchst komplexe Angelegenheit“ seien, erläutert Karlheinz Wille vom Ingenieurbüro Bauphysik, hätten die Untersuchungen und 3D-Modelle für den Siedlungsbereich im Ort keine merkliche Verschlechterung durch den Betrieb ergeben. „Sehr lautes Schreien aus der Walderlebnisbahn kann man eventuell mal hören.“ 

Als „große Chance“ wertet der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz den Neustart am Grünten: „Wenn wir diese Chance nicht wahrnehmen, vergeben wir eine große Chance für die Zukunft.“ Dann gehe die Wertschöpfung an Rettenberg vorbei und andere machten das Geschäft. „Viele Menschen hier leben direkt oder indirekt vom Tourismus.“ Das Landratsamt werde als Genehmigungsbehörde das Verfahren „sauber und exakt“ abwickeln und „alle kritischen Themen“ aufarbeiten. Das Projekt werde keinen direkten Einfluss auf die Pläne für eine Umgehungsstraße haben, so Zweiter Bürgermeister Tanzer auf Nachfrage. Da müssten wohl Neuberechnungen der regionalen Verkehrsflüsse durch das Bauamt angestellt werden. Landrat Klotz verweist auf das zukünftige Nahverkehrskonzept des Landkreises. „Rettenberg besser anzubinden, das haben wir auf dem Schirm.“

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