Tiefenbach: Einwohner kritisieren fehlende Informationen über Planungen

Ärger um Bauvorhaben

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So sehen die Planungen für die beiden Mehrfamilienhäuser in Tiefenbach aus. Das vordere Gebäude ist über die Hauptstraße zu erreichen, das hintere über eine nördlich verlaufende Parallelstraße.

Heiß her ging es im Vereinsheim in Tiefenbach – und das war nicht nur den hochsommerlichen Temperaturen geschuldet. Die Tiefenbacher hatten sich angesichts eines Bauvorhabens am östlichen Ortseingang übergangen gefühlt und mit einer Unterschriftenliste an die Stadt Sont­hofen gewandt. 

Im Oktober vergangenen Jahres hatte ein örtlicher Wohnbauunternehmer ein Bauvorhaben bei der Stadt Sonthofen eingereicht: den Bau von – laut damaligem Plan vier – Wohnhäusern am Ortseingang von Tiefenbach. Der Gestaltungsbeirat der Stadt befasste sich in drei Sitzungen mit dem Plan, regte Änderungen an: geplant sind nun zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zehn, zum Teil barrierefreien, Wohnungen für Familien und Einzelpersonen. Auch im Bauausschuss der Stadt war das Bauvorhaben Thema.

Mehrere Tiefenbacher fühlten sich überrumpelt und von Seiten der Stadt bevormundet, als die Pläne bekannt wurden; sie fürchten, dass die Wohnungen als Ferienwohnungen verkauft werden und den Großteil des Jahres leerstehen, dass die beiden geplanten Häuser nur der Anfang für eine weitere Bebauung am Ortsrand sind. Mit einer Unterschriftenliste wandten sie sich an die Stadt, woraufhin diese eine Informationsveranstaltung auf die Beine stellte.

Auf der gut besuchten Veranstaltung waren neben mehreren Stadträten Bürgermeister Christian Wilhelm, Fritz Weidlich vom Fachbereich Bau und Prof. Dr. Christian Wagner aus dem Gestaltungsbeirat anwesend. Weidlich erläuterte den Anwesenden die baurechtliche Situation: So sieht der Flächennutzungsplan von 1999 an dieser Stelle Wohnbebauung vor. Die ausgewiesene landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen den geplanten Wohnhäusern wird nicht angegangen. Aussehen und Höhe von Wohnbauten sind im Flächennutzungsplan nicht festgelegt.

Der Bereich, in dem die Neubauten geplant sind sei, so Weidlich weiter, ein „sensibler Bereich“, da er am Ortsrand liege. Der Gestaltungsbeirat der, wie Prof. Wagner hervorhob, nur beratend tätig ist, hatte sich mit topographischen, dörflichen und typographischen (für das Dorf typische Bauart) Überlegungen befasst. Besonders wichtig sei in diesem Fall die Hanglage des Grundstücks, so Wagner: Die Zufahrt zu den Häusern und auch Stellplätze sind schwierig anzulegen. Die zunächst vorgelegte Planung mit den drei kleineren Häusern im unteren Bereich war vom Gestaltungsbeirat kritisiert worden – der geplante Innenhof wirke durch hohe Stützmauern „wie ein großes Loch“. Beim aktuellen Vorschlag mit zwei größeren Gebäuden, sind die versiegelte Fläche und die Stützmauern so gering wie möglich gehalten. „Aus Sicht des Gestaltungsbeirates haben wir zwei schlichte, einfache Baukörper, die logisch und plan zur Straße stehen, angelehnt an die traditionelle Bauweise“, so Prof Wagner.

Die Sorgen der Dorfbewohner 

Einige der anwesenden Dorfbewohner sahen das hingegen anders. Ihnen hätte der erste Entwurf besser gefallen, er hätte in ihren Augen besser ins Dorf gepasst. Zumal, wie ein Anwesender betonte, bei den Gesprächen über den Flächennutzungsplan vor fast 20 Jahren, die Tiefenbacher „etwas ganz anderes“ gewollt hätten, unter anderem niedrigere Häuser oder Bauland nur für Einheimische. Abgesehen davon, dass derartige Dinge nicht im Flächennutzungsplan festgelegt sind, so Bürgermeister Christian Wilhelm, sähe die Situation heute nun mal anders aus: Sonthofen benötigt dringend Wohnraum, nicht nur in der Innenstadt. Die Stadt habe die Wünsche der Tiefenbacher im Flächennutzungsplan berücksichtigt – an dieser Stelle sei nun mal Wohnbebauung vorgesehen.

Einige hatten zudem den Eindruck, von Seiten der Stadt bei den Planungen übergangen worden zu sein. Fritz Weidlich betonte hier, dass der Stadt jede Menge Bauvorhaben vorlägen, und man nicht bei jedem einzelnen die direkten Anwohner am Prozeß beteiligen könne. Zumal, so Wilhelm, man dem Grundstücksbesitzer schließlich nicht bis ins kleinste Detail vorschreiben könne, wie er zu bauen habe. Vorwürfe, Wilhelm übergehe die Tiefenbacher und agiere nur als Bürgermeister der Stadt, konterte dieser mit „ich bin Bürgermeister von allen Sont­hofern, auch, aber nicht nur von den Tiefenbachern!“

Zur Sprache kamen auch praktische Fragen. So sorgte sich ein direkter Anwohner, dass die Einfahrt zum unteren Gebäude zu eng sei und große Fahrzeuge beim Einfahren auf die Gegenfahrbahn ausweichen müssten. Ebenso kritisierte er den geplanten Spielplatz direkt an der Straße – zu gefährlich, sollte mal ein Ball auf die Straße rollen. Die Frage, wie denn der Winterdienst für die Zufahrtstraße zum oberen Haus geregelt werde, da dort im Moment die Stadt nicht räume, muss noch geklärt werden.

Nicht nur von Seiten der Tiefenbacher Feuerwehr kam der Hinweis auf die ohnehin schon schlechte Parkplatzsituation im Dorf. Ob an den geplanten Gebäuden auch ausreichend Parkplätze zur Verfügung stünden? Schließlich habe die Feuerwehr im Ernstfall Probleme, bei zugeparkten Straßen an Gebäude heranzukommen.

Eine andere Tiefenbacherin sorgte sich, ob die Tiefenbacher Straße als einzige Zufahrt zum Dorf während der Bauarbeiten gesperrt werden müsse – wenn, dann nur halbseitig und möglichst kurz, so die Antwort.

Mehrere Häuser in Tiefenbach werden durch Quellwasserleitungen mit Trinkwasser versorgt. Diese Leitungen verlaufen an einem Bach, der oberhalb der geplanten Gebäude verläuft. Inwieweit die Leitungen beim Bau „gefährdet“ sind und wie damit umgegangen werden soll, muss im Baugenehmigungsverfahren geklärt werden, das durch das Landratsamt durchgeführt wird.

Die Sorge, dass die Wohnungen als Ferienwohnungen verkauft werden erledige sich, allein durch die Größe recht schnell, so der Bauunternehmer: sie sind zu groß für typische Ferienwohnungen. Ob sie bei der Gestaltung der Häuser mitreden dürften, wollten einige Tiefenbacher wissen. Wilhelm: Da müssten sie mit dem Bauunternehmer reden, ob der das wolle. „Wir wollen doch nur ein gutes Miteinander“, so das Fazit eines Anwohners.

eva

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