"Leben findet in der Stadt statt"

+
„Kommunalpolitik ist erlebbare Politik” sagt die Grüne Bürgermeisterkandidatin Ingrid Fischer.

Sonthofen - Bei einer Enthaltung nominierten die Sonthofener Grünen einhellig die Stadträtin Ingrid Fischer zur Bürgermeisterkandidatin für die Wahl im März 2014. Fischer – geboren in Sindelfingen – ist 59 Jahre alt und kam mit 21 Jahren nach Sonthofen, wo sie als medizinische Fachangestellte gearbeitet hat.

Seit 14 Jahren gehört sie dem Stadtrat an – seit elf Jahren als Fraktionsvorsitzende. Fischer tritt damit gegen drei männliche Bewerber aus CSU, SPD und Freie Wähler an. 

Kommunalpolitik sei „eine sehr lebendige Politik”, so Fischer bei ihrer Vorstellung: „Hier kann ich für meine Stadt und die Bürger mit gestalten.” Ökologie und Soziales, Energiewende und Klimaschutz müssen für die Kandidatin „einen Stammplatz in der Politik erhalten und bei jeder Entscheidung mit am Ratstisch sitzen.” Jede Maßnahme müsse auf ihre Nachhaltigkeit, besonders auch auf die finanzielle Nachhaltigkeit überprüft werden. Damit dies alles seinen Weg in den Sitzungssaal und ins Rathaus findet, möchte Fischer sich als Bürgermeisterin von Sonthofen einsetzen. „Was wir hier entscheiden, wird für die Menschen unmittelbar spürbar und sichtbar.” 

Fischer nahm die Zuhörer auf einen „Spaziergang” durch ihre Heimatstadt mit. Sie möchte die Innenstadt attraktiver machen mit mehr Grün, stadtnahen Erholungsgebieten und Aufenthaltsbereichen im Zentrum. Es reiche nicht aus, sich auf die schöne Umgebung zu verlassen. „Das Leben findet in der Stadt statt”, so die Kandidatin. Mit dem Tannachwäldle, für dessen Rettung sie sich mit eingesetzt hat, sei dank der Bürgerinitiative ein richtiges Kleinod erhalten geblieben. Bei Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen, Pflegeeinrichtungen gelte es den guten Standard noch auszubauen. Zu den Aufgaben einer Gemeinde gehöre es auch, Angebote für Menschen zu schaffen, die nicht auf der finanziellen Sonnenseite stehen, betonte sie die sozialen Aspekte der Kommunalpolitik. Besonders in der Pflege sieht sie zukünftig noch mehr Handlungsbedarf. Die Nutzung der frei werdenden Bundeswehrflächen mitten in der Stadt nennt Fischer „eine große Chance, aber zugleich eine große Herausforderung für die Zukunft”: „Diese Flächen mit Leben zu erfüllen erfordert Mut, Ideen und Engagement, aber auch Rücksicht und Bescheidenheit”, plädiert sie für einen sorgfältigen Umgang mit dem Thema Konversion. 

Im Wahlkampf will Fischer die Sonthofer auf „richtige” Spaziergänge durch die Stadt mitnehmen. Um zu schauen, was die Bürger interessiert und wo gemeinsam über Verbesserungs- oder Änderungsvorschläge diskutiert werden kann. Für Fußgänger und Radfahrer möchte sie mehr tun. Als Beispiel erwähnte sie die Marktstraße, die verkehrsberuhigt werden sollte. Der Stadtbus sollte ausgeweitet und auch die Ortsteile angebunden werden. Die Unternehmen und Beschäftigten nannte sie „das ökonomische Rückgrat der Stadt.” Am Kulturangebot sollten alle teilhaben können, sieht sie hier eine „freiwillige Pflichtaufgabe.” Die Stadt habe in den letzten Jahren trotz knapper Kassen viel geschaffen. Die Grünen-Fraktion habe sich dabei immer für die Interessen der Bevölke- rung eingesetzt, ob Tannachwäldle, Stadtbus, Fairtrade-Stadt, Biberhof oder die Freizeitanlage in Altstädten. „Authentisch auftreten ist das Wichtigste”, stimmte sie die Versammlung auf den Wahlkampf ein. In den sie auch „weibliches Denken und Handeln” einbringen und den Themen einen „Grünen Stempel” aufdrücken möchte. 

Bei der Stadtratsliste folgte die Versammlung fast einstimmig dem Wahlvorschlag. Ingrid Fischer führt die Liste an, auf der je 15 Frauen und Männer sowie drei Ersatzkandidaten aufgestellt wurden. Darunter auch die amtierenden Stadträte Elfriede Roth und Michael Borth. Auf Platz 2 wurde Tilmann Hippchen, Sprecher der Grünen Jugend Oberallgäu, gewählt. Bei der Vorstellung der Kandidaten spielten vor allem Stadtentwicklung, Naturschutz und Tourismus, Bildung sowie soziale Themen wie Jugendsozialarbeit, bezahlbarer Wohnraum und die Hilfe für sozial benachteiligte Menschen eine Rolle. Man freue sich auf einen engagierten und phantasievollen Wahlkampf mit der Bürgermeisterkandidatin, so der Tenor der Kandidaten.

Heinrich Bonert

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Dorffest in Burgberg - Zwischen Böller- und Donnerschlägen
Dorffest in Burgberg - Zwischen Böller- und Donnerschlägen
Alphornbläser in den Wolken
Alphornbläser in den Wolken
Großeinsatz für Rettungskräfte im Oberallgäu - Erfolglose Suche nach Kajakfahrer auf der Iller
Großeinsatz für Rettungskräfte im Oberallgäu - Erfolglose Suche nach Kajakfahrer auf der Iller

Kommentare