Es führt (k)ein Weg vorbei

Initiative »Zukunft Rettenberg« hofft auf Ortsumfahrung zum Nulltarif

Initiative "Zukunft Rettenberg"
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Die Initiative „Zukunft Rettenberg“ und das Straßenbauamt sind sich einig: Die Zustände an der Staatsstraße 2007 mitten im Ort sind untragbar.
  • VonJosef Gutsmiedl
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Rettenberg – Am 20. Februar sollen die Rettenberger Bürgerinnen und Bürger darüber abstimmen, ob die Ortsumfahrung gebaut werden soll oder nicht.

Die Überlegungen gehen schon Jahrzehnte zurück und zwei Bürgerinitiativen werben für ihre „Sicht der Dinge“. Während die Initiative „Rettenberg für alle“ vor der Umgehungsstraße warnt und viele negative Begleiterscheinungen befürchtet, bekommt die Bürgerinitiative „Zukunft Rettenberg“, die im Bau der Umfahrung die große Chance für den Ort sieht, Rückendeckung vom Straßenbauamt Kempten. Dort drängt man schon seit zehn Jahren auf ein Ende der Diskussion und einen baldigen Beginn des Genehmigungsverfahrens.

Das Straßenbauamt Kempten steht quasi Gewehr bei Fuß. Seit längerem liegen dort die Entwurfsplanungen auf dem Tisch und auch die Gemeinde Rettenberg befasst sich inzwischen mit konkreten Schritten. „Mit dem Ziel, dass sich endlich etwas ändert – zugunsten der Menschen“, wie Bernhard Bader von der BI „Zukunft Rettenberg“ die Zielrichtung umreißt.

Abstimmung am 20. Februar

Der Gemeinderat hat den Weg für den entscheidenden Schritt im vergangenen Jahr frei gemacht und ein Ratsbegehren angestoßen, über das am 20. Februar abgestimmt wird. „Zukunft Rettenberg“ suche den Konsens aller Rettenberger und setze auf faire Information und Argumentation. Man sei bereit, auch Kompromisse zu diskutieren, so Bader. „Die Gemeinschaft soll profitieren.“ Die Menschen im Ort hätten jahrzehntelang „gewartet und verzichtet“. Es gehe um den Schutz der Menschen, um Sicherheit im Zuge der Ortsdurchfahrt.

Die Bürgerinitiative sieht – wie sämtliche Experten und das Straßenbauamt – nur eine Lösung: die Umfahrung des Ortes. „Der Verkehr muss außen herum!“, bringt es Hubert Hofmann auf den Punkt. Alle Überlegungen und Versuche, die enge, kurvige Ortsdurchfahrt zu optimieren, seien gescheitert und verworfen worden. „Es wurde vieles probiert, aber eine vernünftige Lösung wurde nie gefunden und wird auch nicht zu finden sein“, fasst Hofmann zusammen.

Knackpunkt: Die Ortsdurchfahrt ist eine Staatsstraße, keine Gemeindestraße. Und da habe die Kommune wenig Handhabe für verkehrsrechtliche Maßnahmen wie Tonnagebeschränkungen oder Querungshilfen für Fußgänger und Radler. Maßnahmen, die ohnehin keine wirkliche Entlastung für den Ort bedeuteten, wie man bei „Zukunft Rettenberg“, betont. Fünf oder sechs Häuser abreißen könne man schließlich schlecht.

2018 wurden über 8 000 Fahrzeuge pro Tag gezählt

Die aktuellen Zustände entlang der Ortsdurchfahrt seien schlechterdings untragbar für alle. Im Jahr 2018 wurden über 8 000 Fahrzeuge pro Tag gezählt, darunter zahllose LKW. Abnehmen werde der Verkehr auf der wichtigen Verbindung nach Wertach ohnehin nicht. Anwohner sind tagein-tagaus Lärm und Abgasen ausgesetzt.

Abenteuerliche Szenen spielen sich tagtäglich ab, wenn sich Busse und Lastkraftwagen in der engen Durchfahrt begegnen. Fußgänger finden auf den schmalen Gehwegen keinen Platz. Unterm Strich teile die Staatsstraße 2007 den Ort in zwei Hälften, erläutert Hubert Hofmann weiter. Ältere Menschen und Kinder seien ständig in Gefahr. Man müsse sich wundern, dass nicht mehr passiere. Die Lebensqualität sei im Dorf massiv eingeschränkt, eine Entwicklung des Ortskerns unmöglich.

„Die enge Durchfahrt macht das Dorf kaputt“, ergänzt Gemeinderat Berni Göhl. Mit der Umfahrung eröffneten sich dagegen „immense Möglichkeiten“.

Die letzte Chance

Jetzt habe man die letzte Chance. Falle die Umfahrung erst einmal aus der Dringlichkeitsstufe 1 des staatlichen Straßenausbauplans, sei das Projekt auf lange Sicht vom Tisch, skizziert Göhl die Gefahr, falls die Abstimmung gegen die geplante Umfahrung spräche. Jetzt gelte es, eine Lösung voranzutreiben, „die letzte und beste Lösung“, wie Gemeinderat Michael Dengel unterstreicht. „Es führt kein Weg vorbei.“ Auch er sieht die Abstimmung als „Signal für das Straßenbauamt, die Planungen voranzutreiben“.

Wesentlicher Vorteil einer Ortsumfahrung: Der Freistaat Bayern trägt die Kosten in Höhe von 6 bis 7 Millionen Euro. „Die Gemeinde muss jetzt lediglich deutlich signalisieren, dass wir diese Straße wollen“, betont Hofmann.

Unmittelbare Folgekosten kämen auf die Kommune nicht zu. Vielmehr könne man eigene Mittel in die Entwicklung des Ortskerns stecken, wie Gemeinderat Dietmar Herb andeutet: „Da nehmen wir gerne Geld in die Hand.“ Der Freistaat biete die beste Möglichkeit für eine Lösung; die Ortsumfahrung, werde quasi „auf dem Tablett“ serviert.

Hochwertige landwirtschaftliche Flächen betroffen

Die Grobplanung der Trasse geht von einem Flächenbedarf von knapp 5 Hektar aus. Davon versiegelt, also vom Straßenkörper bedeckt, sind knapp 2 Hektar. Die neue 1,6 Kilometer lange Straße würde rund 200 Meter von der aktuellen Wohnbebauung entfernt von Altach zur Bräuhaus-Siedlung um die Süd- und Ostseite Rettenbergs führen – allerdings über hochwertige landwirtschaftliche Flächen.

Ausgewiesene Biotopareale sind nicht tangiert. Den betroffenen Landwirten könne im Zuge einer Art Tauschbörse mindestens gleichwertige Flächen angeboten werden, versichert Andreas Dengel. „Jeder, der Grund für diese Straße abtritt, muss zum Schluss besser wegkommen“, erläutert Dengel die erhoffte „kleine Flurbereinigung“. Er zeigt sich optimistisch, dass sich einvernehmliche Lösungen finden werden. Verlierer dürfe und werde es dabei nicht geben.

Weitere Informationen zur Umgehungsstraße und der Abstimmung unter www.gemeinde-rettenberg.de

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