"Hauptsache, es funktioniert"

Menschen mit Schwerbehinderung in Lohn und Brot zu bringen – der Integrationsfachdienst Schwaben meistert diese Aufgabe.

Kempten – Neue Hoffnung für langzeitarbeitslose Menschen mit einer Schwerbehinderung macht der Integrationsfachdienst Schwaben (ifd). Er wurde vom Bayerischen Sozialministerium, dem Zentrum Bayern Familie und Soziales sowie der Agentur für Arbeit beauftragt, sich dieser Personen gezielt anzunehmen und sie in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.

„Es war nicht vorhersehbar, dass es so gut läuft“, so ifd-Leiter Robert Neuhauser, der mit seinem Team bereits nach wenigen Monaten erste Vermittlungserfolge verzeichnen kann. Er schränkt allerdings ein: „Diese Aufgabe ist schon eine große Herausforderung.“

Bundesweite Statistiken weisen schon länger auf das Problem hin: die Wirtschaft sucht händeringend Fachkräfte, doch für Menschen mit einer Schwerbehinderung ist es nach wie vor nicht einfach, eine Stelle zu finden. Das hat neben anderen Gründen auch damit zu tun, dass viele Arbeitgeber immer noch die Sorge haben, Mitarbeiter mit Schwerbehindertenausweis nicht mehr los zu werden, wenn die Auftragslage zurückgeht oder die Zusammenarbeit einfach nicht funktioniert. „In der Probezeit kann einem schwerbehinderten Mitarbeiter genauso gekündigt werden wie jedem anderen auch, da gibt es keine Unterschiede“, so Eva-Maria Müller vom ifd. Auch nach der Probezeit sei eine Kündigung von Mitarbeitern mit einer Schwerbehinderung möglich, sofern es triftige Gründe gebe, die nichts mit der Behinderung zu tun haben. Generell zeigt sich hier der Ansatz des ifd, dass jemand die gestellte Aufgabe erfüllen können muss; so gesehen rückt dann die Frage der Behinderung schnell in den Hintergrund.

Der ifd Schwaben setzt bei dem neuen Projekt auf Motivation und Unterstützung für Menschen, die schon durch ihre Schwerbehinderung kein leichtes Leben haben und viele Misserfolge einstecken mussten. „Wir fangen mit einer positiven, wertschätzenden Grundhaltung an, das ist uns wichtig und schon Teil des Erfolgsrezepts“, so Neuhauser. Da gilt es zu motivieren, dass nach vielen Absagen dennoch weiterhin Bewerbungen geschrieben werden; oder auch dazu zu ermutigen, dass jemand nach Jahren der Arbeitslosigkeit sich einen Einstieg ins Berufsleben überhaupt wieder zutraut – auch mit seiner Behinderung.

Sehr unterschiedlich ist der Personenkreis, der von Jobcentern und Arbeitsagenturen zum ifd für dieses Projekt geschickt wird: die Qualifizierung, das Lebensalter, die Art der Behinderung, die persönliche Lebenssituation – bei all diesen Faktoren unterscheiden sich die Teilnehmer sehr, und das bedingt ein sehr persönliches, auf die Situation des Einzelnen abgestimmtes Vorgehen des ifd.

„Für die Teilnehmer ist es gut, dass wir als Stütze da sind, Mut machen und ihnen ihre Stärken aufzeigen“, so die Erfahrung von Müller. Für die Betriebe und die Arbeitssuchenden ist es ein großer Vorteil, dass der ifd nach der erfolgreichen Vermittlung weiterhin ein halbes Jahr lang tätig sein kann, wenn dies gewünscht wird; so steht beim Auftauchen von Problemen oder Irritationen sofort ein Ansprechpartner bereit, der die Wünsche und Sorgen beider Seiten kennt und zudem mit den Fallstricken von Gesetzen und Vorschriften, aber auch den Möglichkeiten der Förderrichtlinien vertraut ist.

Das Ende 2014 gestartete Projekt trägt den leicht irreführenden Namen LASSE, der eher an Lausbubenstreiche erinnert als an Menschen mit Schwerbehinderung und ohne Job. Langzeitarbeitslose Schwerbehin- derte schnell eingliedern: dafür steht die Abkürzung, und das ist das Ziel des ifd. 30 Plätze hat der ifd dafür in Schwaben, verteilt auf Augsburg, Donauwörth, Neu-Ulm, Kempten und Memmingen. Nach maximal neun Monaten soll die Hälfte der Teilnehmer einen Arbeitsplatz haben, so das ehrgeizige Ziel des Vorhabens, und die ersten sechs haben in Schwaben bereits jetzt eine Stelle durch den ifd gefunden. „Die Arbeitsmarktlage kommt uns entgegen“, so Eva-Maria Müller. Dennoch ist jede dieser Vermittlungen Handarbeit und verbunden mit vielen Gesprächen, Telefonaten und Recherchen.

Doch was letztlich zählt ist jeder einzelne Mensch, der seinen Platz im Berufsleben und damit auch in der Gesellschaft finden kann. Hauptsache, es funktioniert.

Meistgelesen

In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
Nordische Ski-WM ein kostspieliger Spaß
Nordische Ski-WM ein kostspieliger Spaß

Kommentare