Klinikverbund Kempten-Oberallgäu tut viel für Sicherheit der Patienten

Großes Engagement für die Patientensicherheit

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Auch in der Notaufnahme bekommt im Rahmen des Sicherheitskonzepts jeder Patient, der stationär aufgenommen wird, ein Patientenarmband. Dr. Dagmar Strauß, Chefärztin in der Kemptener Notaufnahme, legt einer Patientin das Armband mit Name und Geburtsdatum an. Dieses trägt die Patientin während des gesamten Krankenhausaufenthaltes.

„Ob OP-Sicherheit und Risiko-Management, Klinikhygiene, MRSA-Screening oder Antibiotika-Einsatz – im Klinikverbund haben die Leistungen in puncto Patientensicherheit eine große Bedeutung“, so die Geschäftsführer Andreas Ruland und Michael Osberghaus anlässlich des Tages der Patientensicherheit.

„Immer mehr Patienten informieren sich heute im Portal „qualitätskliniken.de“ über die Qualitäts- und Sicherheitsstandards potentieller Kliniken und wählen dann erst ihre Wunschklinik in enger Abstimmung mit ihrem Haus- oder Facharzt aus“, so Ruland und Osberghaus weiter. Anerkannte Experten haben hierzu bundesweite, einheitliche Prüfkriterien festgelegt, die die Leistungen der deutschen Kliniken anhand von Messkriterien und detaillierten Zahlen transparent machen.

Unter www.qualitätskliniken.de wird ersichtlich, dass die Kliniken in Kempten, Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf im bundesweiten Klinikvergleich bei den Indikatoren für Patientensicherheit überdurchschnittlich gut abschneiden.

OP-Sicherheitsmaßnahmen

„Wir stellen sicher, dass die Identität des Patienten zu jedem Zeitpunkt bekannt ist und alle Verantwortlichen bei einem operativen Eingriff wissen, an welcher Stelle des Körpers dieser vorgenommen wird“, erklärt André Sachse, klinischer Risikobeauftragter, OP-Koordinator und Oberarzt der Anästhesie im Klinikverbund. Um dies zu gewährleisten, setze man zahlreiche Sicherungsmaßnahmen um. Ein Baustein des Klinik-Sicherheitskonzeptes sei ein Armband mit Name und Geburtsdatum des Patienten. Dieses trage der Patient während des gesamten Krankenhausaufenthaltes. Trotz des Armbandes frage man die Patienten zusätzlich an mehreren Stellen im Haus nach deren Namen, Geburtsdatum und dem geplanten Eingriff.

Im Operationssaal vergewissere sich das OP-Team nochmals vor Operationsbeginn, dass die Identität sichergestellt und der richtige Eingriff vorgenommen wird. Nach dem Eingriff werden alle bei der OP verwendeten Instrumente, Tupfer usw. nachgezählt und auf Vollständigkeit überprüft.

Hygienemanagement

Seit mehreren Jahren hat der Klinikverbund das Hygienemanagement an den Standorten systematisch auf- und ausgebaut. Zwei ärztliche Krankenhaushygieniker und sieben Hygienefachkräfte sind im Einsatz, um die hohen Hygienestandards umzusetzen und die Risiken in hygienekritischen Bereichen zu minimieren. Darüber hinaus gibt es noch eine größere Zahl von Hygienebeauftragten unter den Ärzten und Pflegekräften. „Wenn wir über Hygiene reden, meinen wir nicht ausschließlich das, was landläufig darunter verstanden wird, nämlich die Sauberkeit“, so Dr. Matthias Sauter, Ärztlicher Leiter des Hygieneteams. Vor allem gehe es darum, möglichst viele Infektionen zu vermeiden. Dafür habe man zahlreiche Maßnahmen umgesetzt.

Ein monatliches Reporting dokumentiert eine Vielzahl an Hygiene-Indikatoren, wie den Desinfektionsmittelverbrauch oder die Häufigkeit aufgetretener Erreger. Neben dem Vergleich mit anderen Häusern dient dies dazu, Verbesserungspotenziale zu erkennen und auszuschöpfen. Die ermittelten Daten dienen zudem als Entscheidungsgrundlagen für weitere Maßnahmen in der Hygienekommission. Dort werden in einem sogenannten Hygieneplan Strategien zur Vorbeugung von Infektionen erarbeitet. Beispielhaft zu nennen sind etwa Handlungsanweisungen zum hygienisch korrekten Anlegen einer Venenverweilkanüle oder genaue Vorgaben, welche Maßnahmen zur Vermeidung von Lungenentzündungen bei beatmeten Patienten auf der Intensivstation eingehalten werden müssen.

MRSA-Screening

Das Infektionsrisiko durch eine Übertragung des Krankenhauskeimes MRSA ist laut Dr. Sauter in den Kliniken des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu deutlich geringer als in vergleichbaren Krankenhäusern anderer Regionen. Vor Ort werde dieser Erreger bei lediglich drei von 1000 Patienten im Rahmen der systematischen Suche gefunden, während der deutsche Durchschnittswert bei neun pro 1000 liege. In den Notaufnahmen der Kliniken Kempten und Immenstadt gibt es flächendeckende, risikobasierte Patienten-Screenings auf multiresistente Erreger. Werde ein hygienisch problematischer Erreger identifiziert, treffe man unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert Koch Instituts entsprechende Vorkehrungen, die z.B. die Unterbringung des betreffenden Patienten in einem Einzelzimmer umfassen können.

Antibiotikaresistenz-Strategie

Im Rahmen eines „Antibiotic Stewardship Programmes“ wird an den Kliniken in Kempten und im Oberallgäu verstärkt ein Blick auf Einsatz und Verbrauch von Antibiotika geworfen. „Damit wollen wir den zunehmenden Resistenzen von Bakterien gegenüber den eingesetzten Antibiotika entgegen wirken“, unterstreicht Dr. Sauter. Der intelligente und strategische Einsatz von Antibiotika komme durch eine möglichst passgenaue Therapie, z.B. durch Vermeidung von unerwünschten Wirkungen, auch dem einzelnen Patienten zugute.

Berichts und -Lernsystem

Der Klinikverbund betreibt ein sogenanntes „Critical Incident Reporting System“ (CIRS). Diese Methode dient der anonymen Erfassung, Analyse und Veröffentlichung von sicherheitsrelevanten Ereignissen. Es stellt ein geschlossenes System zur internen und unabhängigen Qualitätssicherung dar. „Denn aus der Erkenntnis, dass Fehler überall vorkommen können, wollen wir im Klinikverbund Kempten-Oberallgäu aus unseren Fehlern kontinuierlich lernen, um die Sicherheit der uns anvertrauten Patienten und Mitarbeiter weiter zu erhöhen.“ so Sachse. Im Rahmen eines Risikomanagements werde ein effektives System von Vorbeugungsmaßnahmen verwirklicht, das potenzielle Fehler und deren Ursachen analysiert und somit verhindert. „Wir pflegen in unseren Kliniken eine offene Fehlerkultur und haben damit schon viel erreicht. Nur wer weiß, wo seine Stärken und Schwächen liegen, kann gezielt an Verbesserungen arbeiten“, unterstreicht Geschäftsführer Michael Osberghaus.

cis

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