Enttäuschter "Schlossherr" in Immenstadt

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Was für Sonthofen gilt, soll für Immenstadt nicht gelten? Ein entsprechendes touristisches Hinweisschild an der B 19 soll die „Residenzstadt Immenstadt“ ins Blickfeld der Allgäu-Urlauber rücken.

In einem offenen Brief an Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp und den Stadtrat beklagt „Schlossherr“ Peter Seitz eine Reihe „strategischer Versäumnisse“ der Immenstädter Kommunalpolitik.

Er werde weitere Investitionen an diesem Standort auf den Prüfstand stellen. Immenstadt habe kein innerstädtisches Leitbild und keinen „echten Anziehungspunkt“, der Gäste in die Stadt ziehe. Desweiteren verweist Seitz auf eine „schleppende Umsetzung“ beim touristischen Hinweisschild an der B 19.

Als Einzelhändler, Gastronom, kultureller Veranstalter und Besitzer eines lokalen Denkmals (das Schloss am Marienplatz) sei ihm die Stadtentwicklung nicht egal, beginnt Peter Seitz seinen Brief. Das hatte Seitz bereits vor wenigen Wochen anlässlich der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft „Impuls“ zum Ausdruck gebracht und die weitere Mitarbeit im Gremium „auf Eis gelegt“. In seinem offenen Brief fährt Seitz fort: „Strategische städtische Versäumnisse gepaart mit aktuellen Anlässen bringen mich als Bürger und Investor in Immenstadt zu der Erkenntnis, dass ich aufgrund der sich derzeit darstellenden Rahmenbedingungen leider ein weiteres Engagement, sei es betrieblich oder durch weitere Investitionen an diesem Standort, stark in Frage stellen muss.“

Das bedeute nicht, dass er, Seitz, die Investition von rund 6 Millionen Euro in das Denkmal „Stadtschloss Immenstadt“ bereue. Im Gegenteil: Er habe den Betrag gerne „in die Hand genommen“ und verstehe sein Engagement auch als „Sozialinvestition“. „Meine Absicht war und ist es, nicht nur ein Denkmal zu erhalten, sondern dadurch auch ein Belebung des Stadtkernes zu erreichen.“ Dass letzteres funktioniere, bedürfe es auch „strategischer und praktischer Unterstützung durch die Stadt“, so Seitz.

Seine Forderung sei aber nicht als Bitte zu einer finanziellen Hilfe zu verstehen, stellt der Investor klar. Die Unterstützung bestehe mindestens aus der Definition eines „innerstädtischen Leitbildes“, sowie der „Kontinuität und Berechenbarkeit“ der kommunalpolitischen Entscheidungen.

Das Fehlen eines Leitbildes für Immenstadt zeigt sich Peter Seitz zufolge am „Dilemma“ mit der längst beschlossenen touristischen Unterrichtungstafel an der B 19. Bereits im Jahr 2011 habe man ein solches braunes Schild beantragt, das auch genehmigt worden sei. Allerdings, so moniert Seitz, sei damals lediglich auf den „Naturpark Nagelfluhkette“ verwiesen worden – ein Hinweis auf die Stadt Immenstadt fehlte. Die Verwaltung habe ihm beschieden, dass dieser konkrete Hinweis nicht erlaubt sei. Aus allen Wolken fiel Seitz als im Jahr 2015 ein Hinweisschild „Alpenstadt Sonthofen“ an der B 19 montiert wurde. „Gibt es für Sonthofen andere Gesetze?“, fragt Seitz in seinem Brief. Auf sein weiteres Nachbohren und Drängen sei schließlich der Zusatz „Residenzstadt Immenstadt“ mit aufgenommen worden. Aufgestellt ist das Schild allerdings noch nicht: Die Zulieferfirma ist derzeit nicht in der Lage, die erforderlichen Fundamente zu beschaffen.

Wo bleibt das Leitbild?

So wichtig das „positiv belegte Merkmal“ des Naturparks für die Stadt sei, lenkt Seitz den Blick auf eine „Systemschwäche“. Es fehle „ein echter Anziehungspunkt oder Thema“, das einen eigenen Gästestrom für die Innenstadt erzeuge. „Eine Stadt, die sich auf ein monostrukturelles und außerstädtisches Angebot und Merkmal verlässt, wird in der innerstädtischen Struktur immer Probleme haben“, betont Seitz und fordert, „endlich ein innerstädtisches Leitbild mit starken Merkmalen“ zu entwickeln. Als „starkes Merkmal“ müsse nicht unbedingt das „Schloss“ oder der Begriff „Residenzstadt“ herhalten, räumt Seitz ein. Entscheidend sei die Zugkraft des Merkmals und dass es entsprechend gelebt und belebt werde.

In seinem Schreiben bringt Seitz seine Einschätzung auf den Punkt: „Wer den Bedarf zu einem funktionierenden städtischen Leitbild nicht erkennt und wer zugleich die städtische Tourismusanlaufstelle in einen Hinterhof verlegt, braucht nicht die Hotelsituation bemängeln und auf ein touristisches Wirtschaftswunder warten.“ Diesem Personenkreis könne er, Seitz, nur raten, auf den geplanten Hinweisschildern ausschließlich die Karte „Naturpark“ zu spielen, damit der Gast auch sicher und ohne Aufenthalt durch die Stadt an sein Ziel komme.

Beim Stichwort „Berechenbarkeit“ kritisiert der Investor ein seinem Brief das Hin und Her bei der Grundsteuer B und das „Zuschusswesen“ für Vereine und Einrichtungen. Die Sprunghaftigkeit in der Grundsteuerfrage habe der Stadt langfristig geschadet und Investoren abgeschreckt.

Ganz besonders übel nimmt Peter Seitz, bis vor Kurzem Vorstandsmitglied bei „Impuls“, dem Bürgermeister, dass dieser eine Kürzung des städtischen Zuschusses damit begründete, dass sich der Verein dies „durch sein Verhalten selbst zuzuschreiben“ habe. Dafür, so Seitz, fehlten ihm immer noch die Worte. Er rate der Arbeitsgemeinschaft, sich solche Aussagen nicht gefallen zu lassen. „Wer geht so gegen einen Verein vor, der für ein pulsierendes Immenstadt und das wirtschaftliche Wohl der Stadt steht?“

Seine Unterstützung für den Verein „Impuls“ werde er bis auf weiteres auf den Mitgliedsbeitrag beschränken, schließt Seitz seinen Brief. Angesichts des Zuschussverhaltens und des fehlenden Leitbildes sei für ihn auch die weitere Unterstützung der Veranstaltung „Residenzstadt Immenstadt – historisch erleben“ Anfang Oktober „nicht logisch“. Und Seitz setzt eins drauf: „Ein vermietetes oder gar leer stehendes Objekt mag sogar für mich persönlich effizienter sein, als der Vision einer intakten Stadt nachzulaufen.“

gts

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