"Viel G'scheites" erreicht

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Dr. Hubert Weiger (von links), der Erste Vorsitzender des BN in Bayern, gratulierte Björn Reichelt und Julia Wehnert zum Jubiläum der Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu.

Oberallgäu - „Wir sind fast genauso alt wie der Landkreis,“ stellte Björn Reichelt, 1. Vorsitzender der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu (BN), zu Beginn seines Jubiläumsrückblickes mit einem zufriedenen Schmunzeln  fest, „mal sehen, was wir in den 40 Jahren alles G‘scheits zustande gebracht haben.“

Zum Jubiläum war auch der BN-Vorsitzende Hubert Weiger ins Oberalgäu gekommen, um dem Kreisverband zu gratulieren und die Arbeit des Vereins zu würdigen. In seinem Rückblick stellte er die Geschichte einer engagierten Umweltbewegung dar, die sich als Anwalt der Umwelt verstehe und deshalb auch Ecken und Kanten haben müsse. Nicht der „Mainstream“, der allgemeine politische Trend, sei für ihre Arbeit maßgebend, sondern was nachhaltig gut für die Umwelt wie Luft, Wasser und Boden, Flora und Fauna sei. 

Mit Stolz präsentierte Reichelt eine erfolgreiche Bilanz an Aktionen und Projekten der Kreisgruppe und der einzelnen Ortsgruppen. So hätten sie mit ihren Demonstrationen gegen den Müll und den Kemptener Müllofen im Jahre 1973 eine nachhaltige Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung und in der Politik erreicht. Der Wald, die grüne Lunge der Erde, sei ihnen schon immer ein großes Anliegen gewesen. So hätten sie ein Volksbegehren „Aus Liebe zum Wald“ gestartet, eine Bergwaldoffensive initiiert, die Mottfeuer angeprangert und den hohen Wildverbiss kritisiert. Sie hätten sich gegen einen fortschreitenden Flächenverbrauch, insbesondere beim Straßenbau, engagiert und seien gleichzeitig beim Bau der neuen B 19 in Kombination mit dem Hochwasserschutz kompromissbereit gewesen. 

Ebenso selbstbewusst und erfolgreich seien die Mitglieder gegen die Belastung von Natur- und Landschaft durch den Skitourismus vorgegangen. Auch in der Landwirtschaft hätten sie Standards gesetzt mit den Gütesiegeln „Bioland“ und „Bio-Ring-Allgäu e.V.“ sowie der gentechnikanbaufreien Flächennutzung im Oberallgäu. 

Im Naturschutz habe der unermüdliche Einsatz zahlloser Helfer für die Renaturierung und den Erhalt unserer Moore, wie beispielsweise dem Werdensteiner Moos, wiederum die Basis für die Allgäuer Moorallianz geschaffen. 

Im Lauf der Zeit sei ihnen bewusst geworden, dass sie ein größeres Augenmerk auf die Umweltbildung legen müssten. Dies werde nun seit Jahren mit dem „Umwelt mobil“ in der Arbeit mit Erwachsenen und Kindern sehr erfolgreich praktiziert. „Denn nur was ich kenne,“ erklärte Reichelt „das schütze ich auch!“ Für die Zukunft wünschte er sich im Umwelt- und Naturschutz ein gutes Miteinander mit der Politik, denn Umweltschutz gehe schließlich jeden etwas an. 

Landrat Gebhard Kaiser gratulierte dem Jubilar und stellte rückblickend mit Anerkennung fest, dass die BN-Kreisgruppe im Natur- und Umweltschutz viel vorangebracht habe. „Der Bund Naturschutz hat einen großen Stellenwert in unserer Gesellschaft,“ sagte er „und nicht zuletzt wegen Ihrer Arbeit hat auch der Umwelt- und Naturschutz eine größere Bedeutung erhalten.“ 

Vor 40 Jahren habe es noch anders ausgesehen. In den siebziger Jahren sei die Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung im Vordergrund gestanden und habe Umweltschutzaspekte stark vernachlässigt. Hieraus hätten sich viele Spannungsfelder zwischen Umweltorganisationen und Politik ergeben. Dennoch sei auch in unserer Region in Sachen Umweltschutz vieles vorangebracht worden, wie etwa mit dem Müllheizkraftwerk (MHK) in Kempten. Auch die neue B 19 sei ein Vorzeigeobjekt, bei welchem Straßenbau, Hochwasser- und Landschaftsschutz unter einen Hut gebracht werden konnten, so Kaiser. 

Er sei froh über die gute Zusammenarbeit zwischen dem BN, den Kommunen und dem Landkreis bei vielen Projekten. „Denn wir im Oberallgäu leben mit und von der Natur,“ betonte Kaiser „sowohl im Tourismus als auch in der Landwirtschaft.“ 40 Prozent der Landkreisfläche sei als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Unsere Wiesen und Wälder und auch die gesunde Luft seien unser Kapital. „Wir sind auf eine intakte Natur angewiesen.“ 

Die anstehende Energiewende sei ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt, die einen Umbau der Energiewirtschaft auch bei uns erfordere, insbesondere bei der regenerativen Energie. Zudem müsse die Energieeffizienz verbessert werden. Kaiser appellierte: „Lassen sie uns bei diesem Anliegen einen Konsens finden und dabei nicht im Vorfeld bereits einige Themen aussparen. Wir müssen nicht immer gleicher Meinung sein, nur miteinander das gleiche Ziel verfolgen. Unsere europäischen Nachbarn werden uns auf dem Weg zur Energiewende neugierig verfolgen. Deshalb sollten wir die Wende gemeinsam erfolgreich auf den Weg bringen.“ Der Landrat dankte dem Jubilar und wünschte sich weiterhin „eine gute Zusammenarbeit für unsere Allgäuer Heimat“.

Hans Ehrenfeld

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