Männer mit Visionen

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Zur Begrüßung zeigten die Oberstdorfer Nachwuchsplattler vor einer imposanten Bergkulisse ihr Können.

Oberstdorf – Eine Erfolgsgeschichte feiert ihr 40-jähriges Jubiläum. Vor 40 Jahren nahm die Fellhornbahn im Stillachtal bei Oberstdorf ihren Betrieb auf.

Der Bau der Kabinenbahn war, so der Rückblick anlässlich des Jubiläums, eine wichtige wie richtige Entscheidung. Das Projekt war in den 1960-er und 1970-er Jahren nicht unumstritten, doch Deutschlands größte Kabinenbahn gab bald neue Impulse für die touristische Entwicklung des südlichen Allgäus. Unternehmerischer Weitblick und die Erkenntnis, dass Oberstdorf und dass die Menschen im Stillachtal eine Perspektive brauchen, war Ende der 1960-er Jahre die Grundlage für den Bau der neuen Bergbahn. 

Die Bewohner des Tales sprachen sich 1969 einstimmig für den Bau aus. Viele Bauern im Tal konnten von der Landwirtschaft allein nicht mehr leben. „Dass sich alle im Stillachtal einig waren, zeigt, wie groß die Not damals gewesen sein muss“, kommentierte Seppi Dornach in seinem humorvollen Rückblick die Situation. Heute würde man von Überzeugungsarbeit sprechen – damals hätte eine Handvoll Männer mit Weitblick genügt, um eine Lösung zu finden. Mehr als 60 Sitzungen des Alpausschusses als Vertretung der Grundbesitzer hatten stattgefunden, bei denen man die Sache abgeklopft habe. Ab und zu auch mal im Streit, so Dornach. Damals hatte es in der Zeitung geheißen: „Von der Schönheit der Landschaft kann man nicht leben.“ 

Visionäre wie Ferdinand Brutscher begeisterten die Menschen für die Idee zu einer Bergbahn. Zwei Investoren, die Brüder Schäfer, waren bereit, 75 Prozent des Projektes zu finanzieren. Im Oktober 1971 wurde mit dem ersten Spatenstich der Startschuss für die Bauarbeiten gegeben. Schon im März 1973 konnte der Betrieb aufgenommen werden. Geplant waren Kosten von rund 14 Millionen D-Mark; zum Schluss kostete das Projekt 20 Millionen Mark. Das Skigebiet am Fellhorn entwickelte sich gut, und die späteren Modernisierungen und Erweiterungen – etwa mit der Fellhornbahn II und Sesselbahnen als Ersatz für Schlepplifte – schufen zusammen mit der benachbarten Kanzelwandbahn ein attraktives, konkurrenzfähiges Skigebiet. Mit der Genehmigung von Beschneiungsanlagen geriet das Fellhorn, der bekannte Blumenberg, wieder in die Schlagzeilen. Naturschützer sahen die Modernisierungen im Skigebiet kritisch und warnten vor „massiver Naturzerstörung“ in den Allgäuer Alpen. 

Landrat Gebhard Kaiser dazu in seinem Grußwort: „Qualitätsverbesserungen in erschlossenen Gebieten müssen möglich sein; dabei ist es selbstverständlich, dass mit Augenmaß vorgegangen wird.“ Das Fellhorn sei bis heute einer der schönsten Blumenberge Deutschlands. Die positive Entwicklung der Fellhornbahn und des Ski- und Wandergebietes sei nicht zuletzt einem Macher zuzuschreiben – Geschäftsführer Augustin Kröll habe „das Allgäu aufgewertet“. Kröll seinerseits würdigte den Oberallgäuer Landrat als „langjährigen Begleiter“ seiner Arbeit und lobte die „Rückendeckung durch die Politik“. Ein „klares Bekenntnis“ der Bevölkerung zu den Bergbahnen erkennt auch Oberstdorfs Bürgermeister Lautent O. Mies. „Und die Fellhornbahn ist sich ihrer Verantwortung bewusst.“ Nach 40 Jahren könne man ein positives Fazit ziehen. Dennoch bleibe die touristische Entwicklung eine ständige Aufgabe.

Josef Gutsmiedl

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