Jubilarin will durchstarten

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Auf 60 Jahre Kanzelwandbahn - und eine gute Zukunft! Am Stammtisch berichteten (von links) Jürgen Jäckel (langjähriger Betriebsleiter), Peter Krejci, ehemaliger kaufmännischer Vorstand, Fritz Engerer, ehemaliger technischer Vorstand, Michael Lucke, Aufsichtsratsvorsitzender, sowie Martin Eberle (langjähriger Kassier), Georg Fahrenschon, Aufsichtsratsmitglied und ehemaliger Vorstand, und Vorstand Augustin Kröll über 60 Jahre erfolgreiche Bergbahngeschichte.

Kleinwalsertal - Mit einem Festabend in der Gipfelstation feierte die Kanzelwandbahn ihr 60-jähriges Bestehen. Dabei gab es nicht nur amüsante Anekdoten aus sechs Jahrzehnten Bergbahngeschichte im Kleinwalsertal, sondern auch einen Ausblick auf bevorstehende „Runderneuerungen“ des touristischern Angebotes. Richtig groß und offiziell gefeiert für alle Bergbahnbenutzer wird das Jubiläum mit einem Tag der offenen Bergbahn am 12. September.

„Das hätten die Gründer der Kanzelwandbahn im Traum nicht gedacht, wie sich die Bergbahn heute präsentiert“, beschrieb der Kleinwalsertaler Bürgermeister Andi Haid den Entschluss „mutiger Unternehmer“, die damals erhebliche Risiken in Kauf genommen hätten. Heute nehme die Bergbahn eine Vorreiterrolle im Walsertal ein, so Haid weiter zur Erfolgsgeschichte der Jubilarin.

Damals wie heute zeichne sich die Kanzelwandbahn durch ein unverwechselbar freundliches Mitarbeiter-Team aus. Immerhin sei die Bergbahn mit ihren rund 400 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Tal. Er, Haid, sei als „Fast-Jahrgänger“ der Kanzelwandbahn mit der Bergbahn groß geworden und habe den einen oder anderen Streich während der Fahrten lebhaft in Erinnerung.

Kleine Streiche und amüsante wie interessante Episoden und „Gschichtle“ aus sechs Jahrzehnten Bergbahnhistorie präsentierte der kurzerhand zusammengestellte „Stammtisch“ mit „alten Kanzelwand’lern“ unter der Moderation von Aufsichtsratsvorsitzendem Michael Lucke von den Allgäuer Überlandwerken AÜW in Kempten. Flexibilität war schon beim Startschuss für die neue Kanzelwandbahn gefragt. So habe man Martin Eberle kurz vor der Premiere gefragt, ob er nicht als Kassier einspringen könne, da der dafür vorgesehene Mitarbeiter überraschend ausgefallen war. Schnell wurde Eberle einem Eignungstest mit einigen Rechenaufgaben unterzogen: „Alle Aufgaben sind dabei nicht aufgegangen...“ Dennoch wurde er eingestellt. „Zunächst 14 Tage auf Probe – daraus wurden dann 41 Jahre.“

Gar nicht zum Lachen fand etwa der leidenschaftliche Skitourengeher Toni Steurer den Streich der Bergbahnmitarbeiter, die unbemerkt seine Tourenski zusammengeschweißt hatten, die er nach mühevollem Aufstieg zur Walser Hammerspitze für eine zünftige Abfahrt benötigte. „Da war der Betriebsfrieden einige Tage gestört“, erinnert sich Peter Krejci, ehemaliger kaufmännischer Vorstand.

Von Hubschrauberflügen mit Hindernissen berichtete Jürgen Jäckel, langjähriger Betriebsleiter. Der angeheuerte Hubschrauberpilot sollte Material für Lawinenverbauungen fliegen, kam aber partout nicht mit den besonderen Bedingungen des alpinen Geländes zurecht, zumal er sein Handwerk als Bergungspilot bei der Marine gelernt hatte. Nach einigen Notabwürfen der Lasten wurde der Mann von der Walser Gendarmie mittels Flugverbot gestoppt.

Die Polizei war ebenfalls im Spiel, als ein Bergbahn-Mitarbeiter quasi im „kleinen Grenzverkehr“ festgenommen wurde. „Der von der deutschen Polizei gesuchte Mann war im Winter am Bierenwang-Lift beschäftigt und fühlte sich auf österreichischem Gelände offenbar sicher“, berichtete Georg Fahrenschon, Aufsichtsratsmitglied und ehemaliger Vorstand. Doch mit der Findigkeit der bayerischen Polizei hatte der Ganove nicht gerechnet. Diese nutzte kurzerhand seinen „Abstecher“ auf deutsches Hoheitsgebiet, als er seinen Kollegen an der Talstation des Liftes während dessen Mittagspause vertreten sollte – und genau diese Stelle befindet sich in Deutschland.

Eine weitere Episode steuerte schließlich Augustin Kröll als aktueller Vorstand bei. Im Zuge der Fusion im Jahr 2005 wollte Bergbahn-Chef Kröll, auch die Kanzelwandbahn „testen“ und stellte sich an der Talstation als „Vorstand Augustin Kröll“ vor, sicher, eine dienstliche Gratisfahrt auf den Berg zu bekommen. „Das kann ja jeder sagen“, ließ ihn der Bergbahn-Mitarbeiter an der Kasse kurzerhand abblitzen.

„Man sieht, die Menschen machen’s“, kommentierte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Lücke die kurzweiligen Geschichten aus 60 Jahren Kanzelwandbahn. „Jede der Geschichten ist ein Teil Ihres Lebens, das Sie der Bahn verschrieben haben.“

Mit 60 Jahren will sich die Kanzelwandbahn fit und gesund wie eh und je zeigen. Vorstand Augustin Kröll rundete den Festabend ab mit einem Ausblick auf die geplanten Modernisierungen der Walsertaler Bergbahnen. Die Zukunftsmusik spielt bereits: so wird die Talabfahrt der Kanzelwandbahn derzeit verbreitert und noch sicherer gestaltet. Weitere Schritte werden einem „gemeinschaftlich entwickelten Konzept“ zufolge folgen. „Wir werden es behutsam angehen. Schritt für Schritt“, so Kröll froh über den erreichten Konsens. „Wir zeigen erneut unternehmerischen Mut; wir investieren in das Skigebiet Ifen und auch am Fellhorn und der Kanzelwand.“

Am Fellhorn wird im kommenden Jahr der trennend im Skigebiet wirkende Schlepplift durch eine neue 6er-Sesselbahn ersetzt werden, die zum Saisonbeginn 2016/17 in Betrieb gehen soll. Kräftig „aufgemöbelt“ wird das Skigebiet am Ifen. In einem ersten Schritt wird die Olympiabahn erneuert und als 6er-Sesselbahn „durchstarten“. Auch die Beschneiung soll dem Konzept zufolge erweitert werden. Werde das Erneuerungskonzept angenommen, soll in einem zweiten Schritt eine neue, komfortable 10er-Sesselbahn zur Ifenhütte geführt werden. Das sogenannte Alpbord, ergänzte Kröll seine Erläuterungen, werde frei von jeder Bebauung bleiben. Rund 14 Millionen Euro sind für den „Schritt 1“ veranschlagt. „Packen wir’s gemeinsam an!“ Er, Kröll, sei überzeugt, dass die geplanten Maßnahmen „ein starker Impuls für die Zukunft“ seien. „Es geht nur gemeinsam.“

Josef Gutsmiedl

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