Heiße Sohlen in der Steilwand: Johannes Rydzek holt Guinness-Rekord

Die Schanze hinauf

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Heiße Schenkel auf den letzten Metern: Johannes Rydzek holte sich in der 37-Grad-Steigung der Flugschanze den Guinness-Weltrekord.

Der „Oberstdorfer Weltmeister“ Johannes Rydzek wagte den Weltrekordversuch – und holte den Weltrekord! In einem 50-Meter-Sprint auf einer 37 Grad steilen Fläche stellte der sechsfache Weltmeister der Nordischen Kombination jetzt auf der Oberstdorfer Skiflugschanze einen Guinness-Weltrekord auf.

Spannendes Duell auf der Ski­flugschanze. Zwei schnelle Athleten stellten sich dem Weltrekordversuch, bei dem der Reifenhersteller Continental und der Sportartikelhersteller Adidas eindrucksvoll ihre langjährige Technologie-Partnerschaft demonstrierten. Was für Autoreifen gelte, so der Kern der Partnerschaft, gelte auch für sportliche Höchstleistungen auf der Straße. Der „Grip“ ist entscheidend, die Übertragung der Kraft auf den Untergrund – ob beim Autoreifen oder beim Sportschuh. Die Gummimischung macht‘s. „Bei Weltklasseläufern macht sich das über die lange Wettkampfstrecke eines Marathons eindeutig bemerkbar“, so Continental-Pressesprecher Kai Rühling. Immerhin, so sieht man sich bei Continental und Adidas gleichermaßen bestätigt, stehen auf der Erfolgsliste dieser Partnerschaft bereits drei Marathon-Weltrekorde, die zwischen den Jahren 2012 und 2014 auf Continental-Sohlen gelaufen wurden.

Mit einem Auto die Schanze hochfahren, das gab es schon. Beim „ContiGripRun 2017“ demonstrierten zwei Spitzenathleten die Griffigkeit ihrer Laufschuhe an der steilen Wand. 37 Grad steil ist die Anlaufspur der neuen Heini-Klopfer-Flugschanze in Oberstdorf. Lokalmatador Johannes Rydzek (25) kennt die diese „Strecke“ vor seiner Haustüre von vielen Sprüngen, die weit über 200 Meter hinaus tragen. Diesmal sollte er im Wettkampf mit dem Wiener Parcours-Läufer Alexander Schauer die vorgebene Zeit von 35 Sekunden für den 50-Meter-Sprint bergauf unterbieten. „Das ist schon cool, die glatte Platte hin- auf. Mal ganz was anderes. Sein 22-jähriger Wettkampfgegner Schauer ergänzt vor dem spektakulären Vergleich: „Ich bin ja häufig auf ungewöhnlichen Laufflächen unterwegs. Aber die Schanze nach oben – das ist ganz was Neues.“

Der erste Versuch hoch oben auf dem Schanzenturm endete ungültig, da beide Sportler mit den Händen die steile Platte berührten, ohne dass die Füße die Ziellinie passiert hatten. Ein klarer Regelverstoß wie sich schnell herausstellte.

Die spiegelglatte 50 Meter lange Rennbahn – eine Konstruktion aus sogenannten MDF-Hartfaserplatten – war speziell für den Weltrekordversuch auf die Anlaufspur der Flugschanze montiert worden waren. Die Athleten liefen bei ihrem kühnen Bergsprint am Sicherungsseil der Oberstdorfer Bergwacht.

Nach der Verschnaufpause klappte es im zweiten Duell: Schauer legte 31 Sekunden vor – Rydzek sprintete in 27,69 Sekunden nach oben und stellte somit den ersten offiziellen Weltrekord für die Wertung der Guinness World Records auf. Die offizielle Wettkampfrichterin Paulina Sapinska aus London bestätigte nach den gültigen Läufen der beiden Sportler den neuen Guinness-Weltrekord, mit dem sich Johannes Rydzek in die Rekordliste von Guinness eintrug.

„Die letzten zehn Meter waren sehr, sehr hart – meine Waden und Schenkel brannten...“ Und auch Alex Schauer räumte nach dem entscheidenden Durchgang noch völlig ausgepowert ein: „Mehr geht nicht.“ Den möglichen dritten Versuch wollten Beide nicht mehr antreten und lieber Interviews zu ihrem ganz speziellen Rennen geben.

Josef Gutsmiedl

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