Sonthofen: Im Johanniskindergarten werden seit Jahren Kinder mit Migrationshintergrund betreut

Gelebte Integration von Klein auf

Sonthofen – Während in vielen Bereichen derzeit versucht wird, Asylbewerber möglichst gut in unsere Gesellschaft zu integrieren, ist die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im evangelischen Johannis Kindergarten schon lange funktionierende Praxis. Der Kreisbote sprach darüber mit Hannelore Wersig, der Leiterin der Kindertagesstätte.

Den Johannis Kindergarten besuchen zur Zeit 109 Kinder, davon 40 Kinder mit Migrationshintergrund. Sie entstammen aus 27 verschiedenen Kulturkreisen. Sechs Kinder aus Asyl suchenden Familien wurden hier aufgenommen. Vier Kinder sind erst im Januar dazu gekommen.

Die größte Herausforderung für eine gelingende Integration ist in erster Linie die Überwindung der Sprachbarriere, so Wersig. Schließlich verstehen die neuen Kinder kein Wort Deutsch, ebenso wenig wie meist auch ihre Eltern. Die Kommunikation in mündlicher und schriftlicher Form erweist sich oftmals als schwierig. Im Kindergartenalltag werden die Eltern normalerweise über Elternbriefe, Aushänge, kleine handschriftliche Zettel oder mündlich informiert. Diese Form der Kommunikation funktioniertbei den neu nach Deutschland gekommenen Eltern anfangs nicht gut. Zum Glück, so Wersig, gibt es Elfriede Roth und den Helferkreis „Runder Tisch Asyl“, welche besonders bei komplexen Sachverhalten einen Dolmetscher besorgen und die Eltern an die Hand nehmen und begleiten. So unterstützen die Helfer unter anderem die Eltern bei der Kindergartenanmeldung oder bei der Schuleingangsuntersuchung und begleiten sie zu den Behörden.

"Kinder helfen Kindern"

Die Integration der Kinder im Kindergarten gestaltet sich unkomplizierter. Die Aufnahme der „neuen“ Kinder in die Gruppe wird durch die Kindergarten- und die Gruppenleitung äußerst sensibel vorbereitet. Gruppenleiterin Daniela Kozubek, welche mit einer Berufspraktikantin, einer Kinderpflegerin und einer Vorpraktikantin die Rabengruppe leitet, hat 24 Kinder aus 13 Nationen, von denen fünf kein Deutsch sprechen, in ihrer Gruppe. Vor der Aufnahme der neuen Kinder im Januar hatte sie deshalb mit ihren „Raben-Kindern“ heraus gearbeitet, wie sie selbst die Sprache gelernt haben. Die Kinder erinnerten sich, dass ihre Eltern, Geschwister, Oma und Opa, Onkel und Tanten ihnen dabei geholfen hatten.

Kozubek bereitete die Kinder dann auch auf die anderen Sitten und Bräuche der „Neuen“ vor. So habe sie ihnen erklärt, dass die neuen Kinder aus Afghanistan nun mal beim Betreten des Gebäudes ihre Schuhe und die Strümpfe ausziehen und barfuß gehen würden. Kozubek gab ihren Kindern auch wichtige Tipps an die Hand, wie sie zum Beispiel den neuen Kindern beim Lernen der neuen Sprache helfen könnten. So sollten sie die Kinder direkt ansprechen, langsam reden, ganze Sätze sprechen, die Kinder zum Spielen mitnehmen und die Spiele und Spielsachen zeigen – nach dem Motto „Kinder helfen Kindern“.

"So glücklich bin ich heute"

„Die Kinder lernen schnell.“ berichtete Daniela Kozubek. Anfangs seien die Neuen noch stark auf die Erzieherinnen fixiert. Das gebe sich aber mit der Zeit und die Kinder würden sich auf die ganze Gruppe einzulassen. Es sei gut, dass die Rabengruppe vier Erzieherinnen habe. Sie könnten dadurch zum einen dem größeren Förderbedarf der Asylkinder für eine gelingende Integration nachkommen und zum anderen die Erziehungs- und Bildungsziele der ganzen Gruppe verwirklichen.

Ein gutes Beispiel für gelungene Integration ist ein syrisches Mädchen, das bereits seit zwei Jahren die Johannis Kindertagesstätte besucht. Es habe sich sehr schnell eingewöhnt und fühle sich hier wie zuhause. Auch die Eltern hätten sich hier rasch eingefunden. „Jedes Mal, wenn das nun 5-jährige Mädchen ihr grimmig drein schauendes Foto vom Anfang ihrer Kindergartenzeit sieht,“ erzählt Wersig, „lacht es und sagt: Schau! So glücklich bin ich heute!“

Hans Ehrenfeld

Rubriklistenbild: © Hans Ehrenfeld

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