Lorand Szüszner reist seit 17 Jahren mit den Johanniter-Weihnachtstruckern nach Rumänien

"Katastrophale Verhältnisse"

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Lorand Szüsner bei der Übergabe eines Päckchens in Rumänien.

Allgäu – „Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Dorf komplett ohne Strom. Statt Straßen gibt es nur holperige Feldwege, statt Autos Pferde- und Eselskarren. Trinkwasser bekommen Sie nur aus einem Brunnen. Sanitäre Anlagen? Fehlanzeige.“

Nein, Lorand Szüszner schildert nicht etwa das Leben in einem Dorf des vorletzten Jahrhunderts. Was er beschreibt, sind die realen Verhältnisse, unter denen viele Menschen in den ländlichen Gegenden im Norden Rumäniens bis heute leben.

Deshalb steht für Lorand Szüsz­ner eines außer Frage: Der Johanniter-Weihnachtstrucker ist eine unvorstellbar wichtige Aktion für viele Menschen in Rumänien. Für den 65-jährigen Johanniter aus Lauf an der Pegnitz ist es selbstverständlich, dass er sich auch dieses Jahr wieder am 26. Dezember als Ehrenamtlicher auf den Weg in den Norden Transsilvaniens macht, um dort Hilfspakete an notleidende und hungernde Kinder, Familien, Senioren und Menschen mit Behinderung zu verteilen. Es wird bereits das 17. Mal sein, dass Szüszner den Konvoi leitet. Drei weitere fahren nach Albanien, Bosnien und Zentralrumänien. Im letzten Jahr bestand Szüszners Konvoi aus 17 LKWs mit rund 20 000 Hilfspaketen, 34 Fahrern und mehreren Begleitfahrzeugen.

In diesem Jahr wird Andreas Hautmann, Mitglied des Landesvorstandes der Johanniter in Bayern, den Konvoi in den Norden Rumäniens begleiten. „Auch das zeigt, wie wichtig und wertgeschätzt das Projekt ist“, findet Szüszner.

„Nicht nur auf dem Land, auch in den moderneren ländlichen Siedlungen in Rumänien sind die Zustände trotz vordergründiger Modernität – es gibt durchaus Discounter mit regulärem Warenangebot – oftmals unvorstellbar schlecht“, sagt er. „Millionen von Menschen sind ohne Arbeit oder leben am Existenzminimum. Angesichts der immens hohen Lebenshaltungskosten mangelt es ihnen an ganz grundlegenden Dingen wie ausreichender und gesunder Nahrung oder warmer Kleidung – und das bei teilweise minus 30 Grad Außentemperatur.“

Mehr als 5 000 Päckchen aus dem Allgäu

Gemeinsam mit den anderen überwiegend ehrenamtlichen Helfern des Weihnachtstruckers will er versuchen, die Zustände für die Betroffenen ein wenig erträglicher zu machen. Jahr für Jahr fahren sie Ende Dezember rund 170 Verteilstellen in Schulen, Kindergärten oder auch bitterarmen Romasiedlungen an. Dort übergeben sie die Hilfspakete aus Deutschland persönlich an die tatsächlich Bedürftigen. Die Päckchen wurden von Kindergärten, Schulen, Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen gespendet – allein aus dem Allgäu waren letztes Jahr über 5 000 Stück dabei – und enthalten Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel sowie ein kleines Spielzeug oder eine Süßigkeit für Kinder. „Für die Kleinen ist das natürlich das absolute Highlight. Mitzuerleben, wie sehr sie sich freuen, ist immer wieder sehr berührend.“

„Im vergangenen Jahr kamen Dank der großen Spendenbereitschaft rund 50 000 Hilfspakete zusammen“, sagt Markus Adler, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter im Allgäu. Der Startschuss für die Sammelaktion der Johanniter fiel am ersten Adventswochenende. Noch bis zum 24. Dezember können Privatpersonen, Firmen, Schulen, Kindergärten und Vereine ihre Päckchen in den Dienststellen der Johanniter im Allgäu abgeben. Die Adressen und Öffnungszeiten sind im Internet unter www.johanniter.de/weihnachtstrucker abrufbar. „Wir freuen uns, Teil dieser großen, wichtigen Hilfsaktion zu sein“, so Adler. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Unterstützung nicht nur die akute Not der Menschen lindert, sondern dass sie zu nachhaltigen Verbesserungen führt.“

Große Unterstützung auch vor Ort

Bei der Verteilung der Pakete erhalten die Weihnachtstrucker vor Ort stets große Unterstützung: Rund 1 500 Helfer, darunter Beamte der Polizei, der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes, Lehrerinnen und Lehrer sowie Freiwillige des gemeinnützigen Johanniter-Partnervereins Tasuleasa Social, packen tatkräftig mit an.

Letzterer könne gar nicht genug gelobt werden, betont Lorand Szüszner. Ziel des Vereins ist es, einer jungen, heranwachsenden Generation neue Perspektiven, Sensibilität und Wissen für ihre Umwelt zu vermitteln und sie für freiwilliges Engagement für ihre Mitmenschen zu motivieren. Mit Erfolg: „Seit Jahren engagieren sich Tausende Ehrenamtliche bei Tasuleasa Social in zahlreichen Aktionen, wie etwa der Reinigung von 450 km Flusslauf oder dem Pflanzen eines Baumes für jedes überbrachte Paket. So konnten in dieser von Holzraubbau gebeutelten Gegend mittlerweile gut eine Million Bäume gepflanzt werden. Dieser Nachhaltigkeitsaspekt ist eine beeindruckende Folge aus der unmittelbaren Hilfsaktion.“

Nähere Informationen zur gesamten Aktion, zur Packliste und den einzelnen Sammelstellen finden Sie unter www.johanniter-weihnachtstrucker.de. Spendenwillige können die Aktion auch mit einer Geldspende unterstützen. Spenden sind direkt über folgendes Konto möglich: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.; IBAN: DE89 3702 0500 0004 3030 02; BIC: BFSWDE33XXX; Stichwort: Weihnachtstrucker.

Die Packliste

Noch bis 24. Dezember können die Päckchen auch bei den Johannitern oder in den Lidl-Filialen abgegeben werden.

Die Päckchen sollten 3 kg Zucker, 3 kg Mehl, 1 kg Reis, 1 kg Nudeln, 1 Liter Speiseöl in Plastikflaschen, 3 Packungen Multivitamin-Brausetabletten, 3 Packungen Kekse, 5 Tafeln Schokolade, 500 g Kakaogetränkepulver, 2 Duschgel, 1 Handcreme, 2 Zahnbürsten, 2 Tuben Zahnpasta sowie ein Geschenk für Kinder (Malblock mit Stiften, Stofftier o.ä.) enthalten.

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