Praktikum in Ruanda: Ein mühsamer Weg zur Heilung

Jona Burgstaller ist von den Erlebnissen während ihres psychologischen Praktikums in Ruanda tief bewegt. Viele der Menschen in Ruanda leiden noch unter den psychischen Folgen des Völkermordes von 1994.

Oberstdorf – Drei Monate verbrachte die Studentin Jona Burgstaller aus Oberstdorf in Butare/Ruanda bei der Mental Health Dignity Foundation (MHDF), um ein psychologisches Praktikum zu absolvieren. Sie bekam dabei einen tiefen und eindrücklichen Einblick in die Geschichte und die Herausforderungen Ruandas.

Besonders in den noch so tief verwurzelten Schmerz des Völkermordes von 1994. In nur 100 Tagen wurden dabei 1 Million Menschen umgebracht.

MHDF wurde 2012 von Therese Uwitonze, einer klinischen Psychologin, gegründet. Sie behandelt Menschen, die an emotionalen Krisen und Symp­tomen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) leiden. Laut einer aktuellen Studie sind noch knapp 30 Prozent der Menschen in Ruanda – darunter auch viele Kinder – betroffen. Trotzdem wird eine psychologische Versorgung nicht von der staatlichen Krankenversicherung übernommen.

Jona Burgstaller war dabei, wie in Gruppentherapien Trauerarbeit geleistet wurde. Ein großer Teil der Arbeit bestand darin, zu sogenannten „Erinnerungsfeiern“ zu fahren, die freiwilligen Helfer zu koordinieren und Räume herzurichten, in denen Menschen mit emotionalen Krisen behandelt werden. Gleichzeitig lernen hier Betroffene, wie sie anderen Menschen bei der Bewältigung von Krisen helfen und dabei für sich selbst sorgen können.

Immer noch werden in dem zentralafrikanischen Land Leichen gefunden, die dann in Massengräbern und Erinnerungshäusern bestattet werden. „Das Leid, das sich in den Räumen abspielt, kann man nicht beschreiben“, schildert die Studentin. In einem der Räume der Erinnerungshäuser ist die gesamte Kleidung der Getöteten aufgehängt und ihre Knochen und Schädel in Glassärgen zu sehen. „Gerade hier fangen viele Menschen an zu weinen und brechen zusammen“, schildert sie die bewegenden Momente für die Betroffenen und Helfer. Für eine individuelle psychologische Betreuung dieser Menschen fehlt sowohl die gesellschaftliche Bewusstseinbildung als auch die finanzielle Unterstützung.

Deswegen wurde zusammen mit Therese Uwitonze ein Unterstützungsprojekt geplant, welches genau da ansetzen soll. Beteiligt daran ist auch Jonas Vater Wolfgang Burgstaller, der als Psychotherapeut in Oberstdorf und im Kleinwalsertal arbeitet. Er besuchte seine Tochter am Ende ihres Aufenthalts in Butare und sprach als Gastreferent bei einem fünftägigen Workshop über traumaspezifische Behandlungsmethoden. Auch er zeigte sich von seinem Aufenthalt tief bewegt.

Neben diesen Herausforderungen durfte Jona Burgstaller auch die Freundlichkeit, Offenheit und sprudelnde Lebensfreude der Menschen erleben. Viele junge Menschen, die sie getroffen hat, stecken viel Zeit und Energie in die Pflege von sozialen Kontakten. „Ich war sehr gerührt davon, wie herzlich ich aufgenommen wurde und tiefe Freundschaften schließen konnte. Vor allem meine Studentenfreunde aus Burundi, dem Kongo und Ruanda, sprühen vor Tatkraft und Motivation etwas in ihren Kulturen zu verändern. Diese Menschen haben mir viel Hoffnung und Mut für die Zukunft gegeben“, so die Studentin.

Weitere Infos unter w.burgstaller@gmx.de.

Heinrich Bonert

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