Umstrittenes Projekt "Kraftwerk Älpele"

Energiewende muss vor Ort stattfinden

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Auch Strom aus regenerativer Erzeugung kommt nicht einfach „aus der Steckdose“. Viele Menschen im Ostrachtal können das Aus für das geplante Wasserkraftwerk „Älpele“ an der Eisenbreche nicht nachvollziehen.

Bad Hindelang – Mitte November stoppte das Verwaltungsgericht Augsburg die Planungen für das Wasserkraftwerk „Älpele“ im Hintersteiner Tal und hob den Genehmigungsbescheid des Landratsamtes Oberallgäu auf.

Während die klagenden Naturschutzverbände die Entscheidung begrüßten, kann Josef Agerer, Vorsitzender des Vereins „Hindelang – Natur und Kultur e.V.“ über das Aus für das Wasserkraftwerk nur den Kopf schütteln. Dass die Befürworter des Projektes in die Ecke „Naturfrevel“ gedrängt würden, kann er nicht nachvollziehen.

Seit dem Jahr 2008 ist Josef Agerer, der mit seiner Familie einen Biolandbetrieb im Nebenerwerb bewirtschaftet, Vorsitzender des Vereins „Hindelang – Natur und Kultur“. Dass der Verein, der die Zielsetzung „Verein zur Landschaftserhaltung“ schon im Vereinsnamen signalisiere, nicht gegen die Natur arbeite, sei wohl selbsterklärend. „Die Hauptaufgabe des Vereins besteht darin, die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft im Ostrachtal zu erhalten“, betont Agerer. „Ich bin der Meinung, dass meine langjährigen Tätigkeiten mir eine bestimmte Kompetenz im Natur- und Landschaftsschutz verleihen.“ Genau das werde den aktiven Landwirten ja oft genug von den Naturschutzverbänden abgesprochen. „Wir wissen, wie man mit der Natur und Landschaft umgeht!“, so Agerer.

Was konkret das geplante Wasserkraftwerk Älpele / Eisenbreche angeht, kann Agerer keinerlei fundamentalen Eingriff in die Natur und den Lebensraum erkennen. Das Szenario, dass die Klamm samt Naturdenkmal quasi durch den Kraftwerksbau zerstört werde, weist Agerer zurück: Man werde kaum etwas bemerken oder sehen von den Anlagen.

Der Stopp für das Kraftwerksprojekt bremse jedwede Bemühungen aus, vor Ort Ernst zu machen mit der Energiewende, so Josef Agerer weiter. Der Oberallgäuer Kreistag habe vor einigen Jahren beschlossen, auf einen Anteil von 70 Prozent regenerativer Energie zu kommen. „Aus diesem Grund war auch ich erfreut, dass vier Gesellschafter aus dem Ostrachtal die Sache angepackt haben und ein Wasserkraftwerk bauen wollten.“ Für ihn und viele Menschen im Tal sei das ein erster Schritt zur Umsetzung des ehrgeizigen Beschlusses gewesen. Man könne doch nicht nur nach einem Vorrang für regenerative Energien rufen, und dann keine Taten folgen lassen. Umso erstaunter seien alle gewesen, dass den Plänen schnell heftiger Gegenwind ins Gesicht blies.

„Da sind doch keine anonymen Investorengruppen am Werk“, so Agerer, der das Projekt als klassisches „Einheimischen-Modell“ sieht. Letztlich sei es ein Teil der kommunalen Daseinsvorsorge; zumal wenn Strom quasi vor der Haustüre und weitestgehend ohne Eingriff in die Natur erzeugt werden könne. „Das muss doch in eine faire Bewertung einfließen!“

Dass jeder Eingriff möglichst gering gehalten werde, verstehe sich laut Agerer von selbst. Seinen mehrfachen Schutzstatus – Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen, FFH-Gebiet, Natura 2000 und Naturdenkmal – habe das Gebiet nicht zuletzt der aktiven wie umsichtigen Arbeit der Land- und Alpwirtschaft im Ostrachtal zu verdanken. „Ein Beweis, dass wir wissen, wie man mit Natur und Landschaft umgeht.“ Die Natur gewinne letztlich nichts von mehrfachen Schutzprädikaten, unterstreicht Josef Agerer. „Es reicht der Status Naturschutzgebiet, denn alles andere ermöglicht anderen Naurschutzverbänden ein unnötiges Mitspracherecht und erschwert die Arbeit vor Ort. Wenn wir den aktiven Naturschutz voran bringen wollen, wäre es zwingend notwendig, dass Naturschutzverbände und Berglandwirtschaft in einem konstruktiven Dialog miteinander eintreten würden. Denn Naturschutz ist nur mit den Landwirten möglich, alles andere würde der Glaubwürdigkeit der Verbände schaden.“

gts

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