Vollbremsung fürs "Elias"

Jugendhaus der Diözese Augsburg will Jubiläum im nächsten Jahr feiern

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Ein derzeit leeres Jugendgästehaus der Diözese Augsburg fordert das Team des „Hauses Elias“ heraus: Hausleiter Wolfgang Wirtensohn (von links), FÖJ-ler Simeon Göppert, Jugendpfarrer Johannes Prestele, Gästebetreuerin Sabine Rist, Küchenleiterin Waltraud Gast, Hausmeister Stefan Vogler und Bildungsreferentin Yvonne Almeida.

Blaichach-Seifriedsberg – Normalerweise wäre in dieser Zeit Hochsaison im Jugendhaus Elias, bis zu 115 Betten sind dann belegt. Es wuselt in den Gängen und auf dem Freigelände, wenn Schulklassen ihre Freizeiten hier verbringen und Ministrantengruppen an den Wochenenden aufregende Tage erleben. Doch die Corona-Pandemie macht alles anders: Seit dem 13. März herrscht Stille im Jugendgästehaus der Diözese Augsburg, das in diesem Jahr auf sein 60-jähriges Bestehen zurückblickt. Die Geburtstags-Feierlichkeiten hätten am Wochenende vom 19. und 20. Juli stattfinden sollen, zu dem auch der ernannte Bischof Dr. Bertram Meier sein Kommen zugesagt hatte. Doch nach reiflicher Überlegung wurde das große Fest nun abgesagt und auf das kommende Jahr verschoben.

Die 60-Jahrfeier sollte zu einer großen, zweitägigen Begegnung für alle ehemaligen Mitarbeiter, Wegbegleiter und Freunde werden. „Das ist jetzt wegen der Schutzmaßnahmen leider nicht möglich“, bedauert Hausleiter Wolfgang Wirtensohn. Die Absage sei zwar schade, sei aber eine konsequente Entscheidung in dieser Situation.

Das Jugendhaus steht leer, bis zum Schuljahresende haben nahezu alle Schulen ihre Buchungen storniert – die Schulen stellen normalerweise 51 Prozent aller Übernachtungen, berichtet der Diplom-Sozialpädagoge Wolfgang Wirtensohn. Bis Ende Juli hätten 77 Beleggruppen mit 4011 Gästen ihr Kommen abgesagt, zehn Gruppen hätten bislang noch nicht storniert. Bis Ende August seien das bereits über 310 000 Euro an fehlenden Einnahmen. Momentan würden die Schulen ihre Buchungen im Herbst absagen, um Stornogebühren zu vermeiden. Allerdings sei der Buchungsplan für 2021 bereits wieder voll, fährt er fort. Wie es dann weitergehe, wisse momentan allerdings noch niemand.

Von 100 auf Null

„Innerhalb von eineinhalb Tagen haben wir am 13. März von 100 Prozent auf null zurückgefahren“, erinnert sich Sabine Rist, die im „Haus Elias“ für die Gästebetreuung und den Bereich Hauswirtschaft zuständig ist. Gemeinsam mit Küchenleiterin Waltraud Gast mussten die bereits vorhandenen, verderblichen Lebensmittel verwertet werden. Anfangs gab es für alle noch viel Arbeit mit der Abwicklung der Stornierungen und der Organisation.

Der Hausmeister Stefan Vogler hatte Zeit für Reparaturen, die während des laufenden Betriebes sonst nicht durchgeführt werden können. Und der in den Sommerferien vorgesehene Umbau der Sanitäranlagen wurde nun vorgezogen.

Haus der Begegnung

Für Simeon Göppert aus Freiburg/Breisgau, der nach seinem Abitur seit September 2019 ein „Freiwilliges ökologisches Jahr“ absolviert und seither im Jugendhaus Elias wohnt, bedeutet diese Phase eine neue Herausforderung. „Wenigstens muss ich jetzt nicht wie mein Bruder das Abitur ablegen“, ist er froh. „Das ist eine schwierige Situation für uns alle“, fassen der geistliche Leiter Jugendpfarrer Johannes Prestele, der seine Wohnung im Jugendhaus hat, der Diplom-Sozialpädagoge Wolfgang Wirtensohn sowie die Bildungsreferentin im Jugendhaus, Yvonne Almeida, zusammen.

Bevor eine langsame Öffnung der Einrichtung mit Schutzmaßnahmen ähnlich wie in der Hotellerie wieder möglich ist, muss das komplette Konzept umgestellt werden. „Das Haus steht für eine Begegnung mit allen Sinnen“, so Wirtensohn. Dies sei allerdings mit den geplanten Auflagen nicht wirklich umsetzbar. Es müssten Kompromisse gefunden werden, erklärt er. Um den nötigen Abstand einhalten zu können, sei das Ausweichen der Teilnehmer in größere Räume möglich, der große Tischtennisraum und Außenbereich könnten für Aktivitäten mit Distanz genutzt werden, überlegen die Mitarbeiter bei einer Zusammenkunft.

„Den Kontakt zu allen 20 Mitarbeitern zu halten, war uns besonders wichtig“, schildert Yvonne Almeida die anfängliche Zeit der Ausgangsbeschränkungen, in der viele daheim arbeiteten. Mit WhatsApp-Gruppen und in Videokonferenzen habe der Austausch geklappt. „Als christliches Haus legen wir besonderen Wert auf den Kontakt und den Austausch untereinander“, bekräftigt Jugendpfarrer Prestele diese Aussage. Auch deshalb habe man sich auf die 60-Jahrfeier und ein Wiedersehen mit allen Ehemaligen gefreut. „Es hatten sich schon sehr viele angemeldet“, berichtet Wolfgang Wirtensohn. Nach der Absage des Festes hoffen nun alle, dass die große Wiedersehensfeier im kommenden Jahr wie geplant stattfinden kann.

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