Viele Sünden und eine Hochzeit

In Oberstdorf wird Wasser zu Bier

+
Das Wunder ist geschehen: Die Hochzeitsgesellschaft mit Gemeinderat Rudi Götzberger, Bürgermeister Laurent Mies, Pfarrer Stützle, Landrat Anton Klotz, der Europa-Abgeordneten Ulrike Müller und Pfarrer Peter Guggenberger – aus Wasser wurde Bockbier!

Oberstdorf – Ein neuer Kurdirektor im Beichtstuhl, ein Pfarrer im „Guggi-Mobil“ und vieles mehr aus dem „sündigen Oberstdorf“ tischten die Akteure beim traditionellen Bockbier-Spektakel in der Oybele-Halle auf. Wer bislang nicht wusste, was man in Oberstdorf erleben kann, der wurde bestens informiert. 

„Wer beim Oberstdorfer Bockbieranstich nicht erwähnt wird, ist nicht richtig wichtig“, schickte der noch fast taufrische Kurdirektor Horst Graf dem Spektakel voraus. Bürgermeister Laurent Mies hatte das erste Fass mit gerade einmal anderthalb Schlägen tropfenfrei angezapft. Im kurzweilig-turbulenten Theaterstück wurden „den Wichtigen“ auf der Bühne der Kopf gewaschen und auf wundersame Weise Wasser zu süffigem Bockbier.

Das Oberstdorfer Bockbierfest gilt längst als Geheimtipp für alle, die einen sonst so kaum möglichen Blick hinter die Kulissen der Oberstdorfer Kommunalpolitik werfen wollen – oder einfach erfahren, „wie Oberstdorfer ticken“. Sogar der Sturm auf die besten Eintrittskarten für das traditionelle Spektakel in der Oybele wurde zum Thema. Der neue Oberstdorfer Kurdirektor war zur Beichte einbestellt, und im Theaterspiel kamen Bürgermeister und Gemeinderäte dran und etliche „Interna“ auf den Tisch als den Oberstdorfern die Leviten gelesen wurden.

Und da hielten Franz Biesle und Seppi Dornach nicht hinterm Berg. Das „sündige“ Oberstdorf bietet jedes Jahr Stoff genug für ein zweistündiges Schauspiel auf der Bühne. Rund drei Monate vor dem Bockbieranstich geht es los und Bisle entwirft das Drehbuch. „Je näher der Termin kommt, umso öfter treffen sich die Akteure.“

Was könne man schon erleben, wenn man auf Oberstdorf komme, fragte sich „Seppl“ (Franz Bisle), der diesmal den Fuhrknecht für Pfarrer Johannes Nepomuk Stützle (Mathias Häckelsmiller) spielte. Doch es tut sich jede Menge im Ort. Sogar Kamele gebe es, zumindest im Bauamt, habe ihm ein Oberstdorfer Kutscherkollege gesagt. Aber auch einen möglichen Bürgermeisterkandidaten habe man schon ausgemacht in „Dagobert“ Kurrle. Wenn der dann großspurig verspreche, dass er die Kosten für den Thermenbau ebenso übernehme wie für die WM-Bauten, für die Bergbahnen, ein neues Rathaus, Feuerwehr, Schulen und Straßen und obendrein noch ein Tagungshotel und „a Mordsdrumm Wirtschaft“ an der Flugschanze, werde man ihn schon wählen.

Die Jagd nach den besten Plätzen in der Halle hatte offenbar schon früh eingesetzt und die Karten gingen weg wie warme Semmeln. So erfuhren die Besucher aus der in bairische Gstanzlgesänge gefassten Unterhaltung zwischen Seppl und der neuen Figur der Adelheid (ebenfalls Mathias Häckelsmiller), die es nach Oberstdorf verschlagen hatte, dass sich Szenenschreiber Bisle gleich zwei Tische reserviert habe – natürlich in erster Reihe. Überhaupt seien die besten Plätze schon vor dem eigentlichen Verkauf längst vergeben gewesen. „Die, die später kommen, die saufen ganz hinten im Eck...“

Die Premiere der Beichte bewältigte Kurdirektor Horst Graf recht ordentlich. Große Sünden hätte er angesichts der erst kurzen Amtszeit wohl noch nicht zu beichten, meinte Pfarrer Johannes Nepomuk Stützle zum Schluss. „Aber es wird sich schon noch einer finden, der Euch etwas anhängt!“

Der Geistliche hatte dem Kurdirektor nicht nur klargemacht, dass er „mit Rügen“ wohl zu leben verstehe, wenn er schon lange Zeit Kurchef auf der Ostseeinsel war. Und als Oberstdorfer Kurdirektor „baden zu gehen“ dürfte auch kein Problem darstellen, so Stützle. Kalte Duschen kenne er nach einigen Jahren im Kneipp-Kurort Bad Wörishofen ohnehin. „Daran wird auch in Oberstdorf bestimmt kein Mangel sein.

Kurdirektur Graf hatte zum Auftakt des Bockbier-Spekatkels noch angedeutet: „Es ist kein Nachbau, keine Kopie. Das Oberstdorfer Bockbierfest ist einzigartig, witzig – da muss man dabei gewesen sein.“ Und „richtig wichtig“ sei nur wer in der Fastenpredigt vorkommt

Ein „frommes Schauspiel“ widmete sich dem Thema „Hochzeit von Kana“, wo ja, so Pfarrer Stützle, offenbar Jesus ganz besonders fröhlich gefeiert habe. Bürgermeister Laurent Mies wurde mit der Rolle des Bräutigams bedacht, Landrat Klotz durfte den Part des Bräutigamvaters spielen; den Hochzeitsgast Jesus wollte dann Stützle lieber selbst darstellen.

Die turbulente Hochzeitsgesellschaft mit den Gemeinderäten und Vertretern der Kommunalpolitik gipfelte schließlich nach einigem Hin und Her mit dem Zillertaler Hochzeitsmarsch – und dem Wunder: Wasser war zu Wein – nein: Bockbier – verwandelt.

Bockbierfest in Oberstdorf

Josef Gutsmiedl

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Barbara Holzmann kandidiert erneut für den Bezirkstag
Barbara Holzmann kandidiert erneut für den Bezirkstag
Kleinkunst-Förderverein "Klick" will weiter "frischen Wind" machen
Kleinkunst-Förderverein "Klick" will weiter "frischen Wind" machen
Amtseinführung von Prädikant Harald Müller
Amtseinführung von Prädikant Harald Müller

Kommentare