Kämpferische Gewerkschaften

Kämpferisch gaben sich die Gewerkschafter beim traditionellen DGB-Neujahrsempfang in Immenstadt. Die aktuelle Krise müsse als Chance genutzt werden, die Weichen zu stellen für eine Verbesserung der Situation der Arbeitnehmer. Das „Casino" in dem Zocker und Wetter mit dem Kapital anderer Leute spekulieren könnten, müsse geschlossen werden, so Werner Gloning, Vorsitzender der DGB-Region Allgäu-Donau-Iller. Staatliche Hilfen sollten jetzt jenen zugute kommen, die das Geld brauchten und auch wieder ausgäben und investierten. Engagiert verfolgen werde der DGB auch das Thema Mindestlohn.

Dass sich das „Fenster für Veränderungen" im Sinne der Gewerkschaften schon wieder schließe, fürchten Gloning und Manuela Auer, die Geschäftsführerin des ÖGB Vorarlberg gleichermaßen. „Das Kapital wird sich schnell erholen", meint Manuela Auer. Und ihr DGB-Kollege Gloning beklagt: „Die Diskussion darüber, wie man Ereignisse wie die jüngste Finanzkrise in Zukunft verhindern kann, tritt schon in den Hintergrund." Das Phänomen werde als Werk „einiger durchgeknallter Manager“ angetan. Für die Gewerkschaften gelte es jetzt mehr denn je, Arbeitnehmerfragen aufzugreifen, so Manuela Auer und Werner Gloning. Die Gewerkschaften würden das Thema „Kontrolle wirtschaftlicher Macht" in die Diskussionen einbringen. Ebenso werde man an der Forderung nach einem Mindestlohn festhalten. Das Motto für die Kampagne lautet dann auch „Kein Lohn unter 7,50 Euro pro Stunde“. Als „Sauerei" bezeichnete Gloning die Tatsache, dass Menschen mit einem Lohn abgespeist würden, von dem sie nicht leben könnten. " Er deutete an, dass es in dieser Frage auf ein Volksbegehren hinaus laufen könne. Desweiteren werde sich die Gewerkschaft mit der Altersarmut und der Gesundheitspolitik befassen. Im „Superwahljahr 2009" mit Europawahl und Bundestagswahl würden die Gewerkschaften „massiv Partei ergreifen", deutete Gloning schließlich an. Allerdings nicht für eine Partei, sondern für „unsere Werte und Inhalte". Gloning: „Wir werden uns massiv einmischen!" Manuela Auer vom Österreichischen Gewerkschaftsbund hofft ebenfalls auf die „Chance in der Krise", bei der es gelinge, die Gewerkschaften neu aufzustellen. „Was im regionalen und kleinen läuft, muss auch auf großer Ebene gehen", sagte sie mit Blick auf mehr Gemeinsamkeiten auf EU-Ebene. Dabei rät sie zur Eile, denn „das Fenster für Reformen" könne sich schnell wieder schließen. Jetzt sei eine „historische Chance" der Gewerkschaften, ein Lebenszeichen zu geben und sich einzumischen. Es dürfe keine Hilfspakete geben, ohne dass die Gewerkschaften mitsprächen. Die Stärke der Gewerkschaften im Nachbarland Österreich sei auf die besondere Struktur zurück zu führen: Neben der Wirtschaft und den Arbeitgeberverbänden gibt es in Österreich die Gewerkschaften und die Arbeitskammer. Während die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft wie in Deutschland freiwillig ist, besteht für jeden Arbeitnehmer eine verpflichtende Mitgliedschaft in der Arbeitskammer - mit einem außerordentlichen Leistungsangebot - von der Verbraucherberatung bis zur Hilfe in allen Arbeitnehmerfragen. Das ermögliche eine „andere Gewichtung", betont Manuela Auer und bringt es auf den Punkt: „Jede Regierung hat Angst und Respekt vor der Arbeitskammer." Angesichts der 3,5 Millionen Mitgliedern überlege sich eine Regierung „dreimal und mehr" ob sie bestimmt Reformen vorantreibe. Das Modell könne sie sich gut auf europäischer Ebene vorstellen.

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