Käse ganz "ohne"

Einmal mehr entpuppt sich das Oberallgäu als Vorreiter: Die vier genossenschaftlichen Sennereien in Diepolz, Gunzesried, Hüttenberg und Untermaiselstein dürfen ab sofort das Logo „Gentechnikfrei“ auf ihren Produkten anbringen. Ein Signal aus dem Allgäu, denn die vier Sennereien sind unter den Ersten in Deutschland, das neue Prädikat nutzen können. Die Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ soll das Vertrauen in heimische Produkte stärken und zur Existenzsicherung der bäuerlichen Familienbetriebe beitragen, betonten die Vorstände der Sennereien, als sie im Landratsamt Oberallgäu das neue Logo vorstellten.

Das Oberallgäu ist seit Jahren „am Ball“ wenn es um den Kampf gegen so genannte Agro-Gentechnik geht. Und seit einem Jahr ist der Landkreis „Gentechnikfreie Anbau- und Fütterungsregion“. Rund 80 Prozent der Landwirte haben sich freiwillig verpflichtet, auf Gentechnik in Stall und Hof zu verzichten. Der Schritt, sich um das neue bundeseinheitliche Logo „Ohne Gentechnik“ zu bewerben, war nur folgerichtig, meint Christian Schiebel von Landratsamt Oberallgäu, bei dem die Fäden der Anti-Gentechnik-Bewegung der Bauern in der Region zusammen laufen. Mit der Berechtigung, das neue „Ohne Gentechnik“-Logo zu führen, seien die vier Sennereien zumindest in Bayern die Ersten, so Schiebel. „Nur logisch“ war es auch für Herbert Mayr von der Sennerei Hüttenberg, das neue Prädikat des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu nutzen. Basis war die freiwillige Selbstverpflichtung, auf Agro-Gentechnik zu verzichten. Mit der Sennerei schlossen die elf Milchlieferanten der Sennerei einen Vertrag, und die Sennerei verpflichtet sich, bei der Verarbeitung der Milch ebenfalls auf Stoffe zu verzichten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Nach diesem Muster verfuhren auch die Sennereien in Gunzesried, Diepolz und Untermaiselstein. „Die Bedenken gegen Agro-Gentechnik sind bei uns Landwirten ebenso groß wie beim Verbraucher“, beschreibt Hansjörg Wegmann von der Sennerei Diepolz den Schulterschluss. Das notwendige Vertrauen in die Qualität der Lebensmittel könne bei kleineren Betrieben, wie etwa den örtlichen Sennereien, besser sichergestellt werden, als bei Großbetrieben. Nur durch herausragende Qualität könnten sich kleinere Erzeuger einen Anteil am Markt sichern, findet auch Franz Hage von der Sennerei Untermaiselstein. Der Verbraucher sei auch bereit, deutliche Qualitätsunterschiede zu honorieren, weiß er. Auf volle Unterstützung traf der Vorstoß der Sennereien nicht zuletzt bei Landrat Gebhard Kaiser. Mit dem Logo „Ohne Gentechnik“ hätten die kleinen Betriebe jetzt die Möglichkeit, auf die außergewöhnliche Qualität auch in dieser Hinsicht hinzuweisen und sie nach außen zu signalisieren. „Ein weiterer Schritt, die Wertschöpfung in der heimischen Landwirtschaft zu verbessern und die Existenz bäuerlicher Familienbetrieb zu sichern“, sagte der Landrat.

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