Kardiologisches Novum - Gefässtützen lösen sich von selbst auf

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Prof. Dr. Jan Torzewski

Immenstadt – Kardiologen des Herz- und Gefäßzentrums Oberallgäu-Kempten (HGZ) haben an der Klinik Immenstadt erstmals einem Herzpatienten eine selbst auflösende koronare Magnesium-Gefäßstütze implantiert.

„Der größte Vorteil des neuartigen Implantates Magmaris ist, dass im Herz des Patienten kein Fremdkörper verbleibt wie bei herkömmlichen Metallstents“, betont Chefarzt Prof. Dr. Jan Torzewski. „Wenn die Stütze ihre Aufgabe erfüllt hat, wird sie spätestens nach einem Jahr fast vollständig aus dem Körper verschwunden sein.“ Der erste behandelte Patient, ein 52-jähriger Urlauber, der einen Herzinfarkt erlitten hatte, sei wohlauf.

HGZ beteiligt an wissenschaftlichen Studien

Gerät der Blutfluss im Körper ins Stocken, weil eine Gefäßverengung oder gar ein Gefäßverschluss vorliegt und damit ein Herzinfarkt droht, wird es oft mit Hilfe eines gitterförmigen Metallröhrchens – einem sogenannten Stent – stabilisiert. Ähnlich eines herkömmlichen Stents lässt sich die selbst auflösende Gefäßstütze minimal-invasiv mit einem Katheter durch die Leisten- oder Armarterie einsetzen. „Der Stent stabilisiert die Wand des Herzkranzgefäßes solange, bis sie aus eigener Kraft wieder ihre natürliche Funktion erfüllen kann“, erläutert Oberarzt Dr. Myron Zaczkiewicz. Während dieser Zeit verhindert eine Medikamentenbeschichtung am Implantat ein unerwünschtes Zellwachstum und damit eine mögliche Wiederverengung des Gefäßes. Innerhalb eines Jahres wird der Stent beinahe vollständig resorbiert. Verengte Blutgefäße werden somit offen gehalten und einem Herzinfarkt vorgebeugt.

Erst vor kurzem hat das neu entwickelte Gefäßgerüst die Marktzulassung in Deutschland erhalten. Aus Qualitäts- und Kostengründen sollten zukunftsweisende Technologien im Rahmen klinischer Studien eingeführt werden. Mit einem standortübergreifenden Studienbüro an der Klinik Immenstadt sowie am Klinikum Kempten ist das HGZ an den wissenschaftlichen Studien zu der innovativen Technologie beteiligt. Mit Jacqueline Fiedler und Tina Kienle kümmern sich zwei zertifizierte „study nurses“ speziell um die Magmaris-Patienten, die dann auch in die Registerstudie „Biosolve“ aufgenommen werden. „Magmaris ist eine bahnbrechende und vielversprechende Weiterentwicklung in der Behandlung von Patienten mit verengten Blutgefäßen“, ist Prof. Torzewski überzeugt. Angewendet werden könne das dauerhafte Leistungsangebot des Herz- und Gefäßzentrums Oberallgäu-Kempten bei dafür geeigneten Patienten, wenn sie jünger als 70 Jahre sind.

cis

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