Ostertaltobel: Grundeigentümer bleiben beim Nein – und machen Zustieg dicht

Die Zeichen stehen auf Sturm

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Josef Gutsmiedl

Gunzesried – Durchschlagen ist der Knoten noch nicht, was die intensive Nutzung des Ostertaltobels durch Canyoning-Gruppen angeht. Seit einiger Zeit schon stehen die Zeichen vor allem bei den Grundeigentümern auf Sturm.

Ihr Protest gegen die massive kommerzielle Nutzung bewirkte bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Oberallgäu zumindest eine intensive Befassung mit der Problematik. Eine Perspektive, wie es zukünftig im Tobel weitergehen soll, steht allerdings aus. Und die Grundbesitzer bleiben dabei: Die kommerzielle Nutzung des Ostertaltobels muss aufhören. Inzwischen wurde sogar eine Sperre errichtet, um einen „wilden“ Zugang dicht zu machen.

„Der Tobel ist doch nur noch Outdoor-Arena und Spielwiese für Sportler“, wettert eine der rund zehn Grundeigentümer im Osterbachtobel. Was dort Tag für Tag ablaufe, sei dem üblichen Tourismus im Gunzesrieder Tal nicht zuträglich. „Seit Jahren sagen wir: Es ist zu viel!“

„Es wird sich wohl etwas ändern“, deutet der Abteilungsleiter der Naturschutzverwaltung im Landratsamt, Goffried Mayrock, an. Bis zum Ablauf der vereinbarten Nutzungsduldung Ende September jedenfalls ist Canyoning im Osterbachtobel den regionalen Outdoor-Anbietern gestattet. Seit 15 Jahren gibt es eine Vereinbarung des Landkreises über die Canyoningnutzung. Das Zeitfenster für die Begehungen des Ostertaltobels ist demnach von 1. Juni bis 30. September „offen“. Über den Umfang der Nutzung gibt es keine Regelungen.

Dass sich die Situation in den zurückliegenden Jahren deutlich geändert habe, räumt Mayrock ein. Canyoning boomt. „Wir beobachten einen sehr hohen Anstieg der Besuchergruppen und Menschen, die dieses Outdoor-Erlebnis suchen.“ Früher waren es einige wenige; heute sind an manchen Tagen oft zahlreiche Gruppen im Bachbett unterwegs und springen in die „Gumpen“. Von „mehreren Hundert“ pro Tag sprechen Anwohner. Neuerdings seien selbst nachts noch Leute unterwegs.

Genau diese spürbare Zunahme der Besucher ist es, was die Grundeigentümer verärgert und sie bewogen hat, gegen die in ihren Augen unverhältnismäßige und unverträgliche Nutzung zu protestieren. Ein Ortstermin mit Landrat Anton Klotz und Fachleuten des amtlichen Naturschutzes, sowie Vertretern der Outdoor-Anbietern und Grundeigentümer zeigte die Problematik offenbar deutlich auf, brachte aber keine Lösung.

Einen „Schnellschuss“ wolle man ohnehin nicht anstreben, sagt Mayrock. Seine Behörde werde „den Prozess“, der vor bald 20 Jahren zu der ersten Vereinbarung führte, jedenfalls wieder aufgreifen. „Es besteht Handlungsbedarf.“ Eine einvernehmliche, maßgeschneiderte Lösung hält Mayrock für möglich.

Auch die Canyoning-Anbieter sind nicht untätig. Bei einem Gespräch im Landratsamt erläuterten sie ihr neues Konzept für die weitere Nutzung des Tobels für dieses Outdoor-Angebot. Bis zum Ende dieser Saison, also Ende September, sollen im wesentlichen nur mehr bereits fest gebuchte Touren durchgeführt werden, betont Christoph Ebert von den Canyonauten. „Das ist absolut legal.“

Tatsächlich stellten die Anwohner und Grundeigentümer in den vergangenen Wochen eine „auffällige Zurückhaltung“ bei den Outdoor-Touren im Tobel fest. Auf die angekündigte „Lösung“ sei man zwar gespannt, werde aber keinen Kompromiss eingehen, ließ die Gruppe durchblicken.

Ende August soll die neue Vereinbarung offenbar auf dem Tisch liegen. Akzeptieren wollen die Grundeigentümer den Vorschlag dann allerdings keinesfalls. Auf ihrem Privatgrund dürfe es keine kommerzielle Nutzung des Tobels geben. Die alte Vereinbarung sei lediglich als Ausnahmeregelung gedacht gewesen, um die Verbote aus der Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet zu umschiffen, so der Vorwurf. Eine ständige gewerbliche Nutzung sei mithin in einem ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet erst einmal nicht gestattet. Genausowenig, so die Canyoning-Gegner weiter, könne man den Wildwuchs an neuen Zustiegen und Pfaden im Uferbereich dulden. Und wie sich die intensive Nutzung überhaupt mit dem Natur- und Artenschutz vertrage, wollen die Eigentümer auch klären lassen und Schützenhilfe bei aus dem Lager der Verbände suchen.

Inzwischen haben einige der Grundeigentümer den Zugang zum Ufer vom Parkplatz Gunzesried-Säge aus „dicht gemacht“ – massiv mit einem Bretterzaun und Trassierband. An der Uferböschung haben sie mit ersten Ranaturierungsarbeiten begonnen.

Josef Gutsmiedl

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