Zu kurz gesprungen

Kein Zeitdruck: Oberstdorf will sich nicht zu erneuter WM-Bewerbung drängen lassen

Zuschauer bei der Ski-WM
+
Solche Bilder wird es von der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf nicht geben.

Oberstdorf – Den ersten Anstoß für eine neue WM-Bewerbung hatte der Oberstdorfer Gustl Stempfle schon im Dezember mit einer Online-Petition gegeben. Seine Forderung: Die Gemeinde möge sich so schnell wie möglich um eine neue WM bewerben. Nur so könne der Ort „wie 1987 und 2005 nachhaltig von dem Großereignis profitieren“. Anfang des Jahres forderten Freie Wähler und SPD die Gemeinde auf, sich zum nächstmöglichen Zeitpunkt erneut zu bewerben. Der Gemeinderat hält dies mehrheitlich für verfrüht.

Die fehlende Wirtschaftlichkeit sei für den Ort „dramatisch“, so die Begründung. Der Bevölkerung, die einen erheblichen Beitrag geleistet hat, solle die Möglichkeit zu einer „würdigen und wirtschaftlichen WM gegeben werden“. Der Antrag beinhaltet zudem ein Ratsbegehren, damit die Oberstdorfer Bürger über das Thema abstimmen können. Das Problem dabei: Der Nordische Ski-Kalender ist mindestens bis 2026 mit Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen belegt. So dass erst 2027 etwas gehen könnte, falls die FIS nicht einen Weg findet, um Oberstdorf einen „Extra-Bonus“ im dicht gedrängten Wintersportkalender einzuräumen.

Der Antrag von FW und SPD wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit der Mehrheit der anderen Fraktionen – gegen den Protest der Antragsteller - von der Tagesordnung genommen. Eine Abstimmung darüber sei „verfrüht“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der so genannten G5 (CSU, Grüne, UOL Oberstdorfer Allianz und FDP). Natürlich sei es für alle sehr bedauerlich, dass die WM ohne Zuschauer stattfinden werde. „Sich jetzt für oder gegen eine Bewerbung zu entscheiden, ist unmöglich, weil die relevanten Fakten fehlen“, gibt Zweiter Bürgermeister Fritz Sehrwind (CSU) zu bedenken. Nicht Oberstdorf bewerbe sich, sondern der DSV, und da müssten erst einmal Gespräche geführt werden, ergänzt sein Parteikollege David Berktold.

Da eine Bewerbung frühestens für das Jahr 2027 möglich ist, muss aus Sicht von Sportreferentin Alexa Schwendinger (OA) geklärt werden, „ob bis dahin die Wettkampftauglichkeit der Sportstätten noch gültig ist“. Auch für Max Hornik von der UOL gibt es für eine Bewerbung „überhaupt keinen Zeitdruck.“

Die Oberstdorfer Grünen hatten schon für die WM 2021 eine Bürgerbefragung gefordert, was vom damaligen Bürgermeister Laurent Mies (FW) kategorisch abgelehnt wurde, erklärt Dritte Bürgermeisterin Bergith Hornbacher-Burgstaller: „Erst wenn alle Zahlen und Fakten vorliegen, macht es Sinn zu überlegen wie schnell und ob überhaupt Oberstdorf sich wieder bewerben soll.“ Walter Renn von der FDP bezweifelt, ob angesichts der Corona-Pandemie bei einem Bürgerbegehren derzeit eine Mindestwahlbeteiligung von 20 Prozent aller Wahlberechtigten erreicht werden kann.

Bürgermeister Klaus King sieht zunächst „einen engen Abstimmungsbedarf“ mit den Verbänden. Bei wichtigen Entscheidungen müssen die Oberstdorfer Bürger zukünftig stärker beteiligt werden, machen die Mitglieder der G5 deutlich. Dazu brauche es frühzeitige und umfassende Informationen.

Die Oberstdorfer SPD kritisiert in einer Mitteilung die Absetzung als „fehlende Diskussionskultur und Auseinandersetzung mit anderen Meinungen im Oberstdorfer Gemeinderat“. „Ein geschickter Schachzug, um eine Diskussion über den Inhalt und den Zeitpunkt einer Neubewerbung zu verhindern und den Austausch von Sachargumenten im Keim zu ersticken“, so Gemeinderätin Kathrin Bäuerle. Der SPD und den Freien Wählern sei es darum gegangen, für die FIS frühzeitig ein Zeichen zu setzen, dass die Oberstdorfer eine neue WM wollten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare