Keine Bremsmanöver im Bergwald

Klaus Dinser, Leiter der fachstelle Schutzwald-Management verdeutlichte. warum die Bergwaldoffensive nicht auf halbe Strecke ausgebremst werden dürfe.

An der Bergwaldoffensive zu sparen, wäre grundverkehrt. Dieses Fazit zog der Beirat der Bergwaldoffensive im Oberallgäu anlässlich der jüngsten Exkursion im Hintersteiner Tal. Vielmehr müsse die erfolgreiche Arbeit, die in den acht Oberallgäuer Projektgebieten geleistet worden sei, fortgeführt und weiter begleitet werden, so der Appell des Beirates. Offiziell ist die Bayerische Bergwaldoffensive, begonnen vor drei Jahren, nur bis Ende diesen Jahres „gesichert“. Ob und wie der Waldumbau weiter geführt wird, ist bislang politisch nicht entschieden. „Die Zeichen stehen aber gut“, deutet Beiratsvorsitzender Anton Klotz an und hofft auf eine baldige Entscheidung.

Letztendlich geht es bei der Entscheidung um Geld - und um Planungssicherheit für Mitarbeiter der Bergwald-Projekte im Oberallgäu. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der Beirat in einer Resolution an den Bayerischen Landtag auf eine Verlängerung der Bergwaldoffensive über das Jahr 2011 hinaus gedrängt. „Wir erleben in vielen Bereichen die Sprunghaftigkeit der Politik - hier hoffentlich nicht“, sagte Beiratsvorsitzender Anton Klotz bei der Begehung des Projektgebietes hoch über Hinterstein. Er sei jedenfalls zuversichtlich, dass es weiter gehe und die erforderlichen Mittel zur Verfügung stünden. Dass die Bergwaldoffensive bislang noch nicht in die zweite Runde gehen könne, erklärte der Allgäuer Landtagsabgeordnete, Eberhard Rotter (CSU) mit haushaltstechnischen Umständen: Wäre die Fortsetzung wie gehofft schon im Frühjahr beschlossen worden, hätten die Mittel in Millionenhöhe durch Umschichtungen im Etat „aufgetrieben“ werden müssen. Jetzt aber können die neue Runde mit eigenen Haushaltsmitteln ausgestattet werden, wenn es denn im Herbst zum erhofften Beschluss komme. Rotter überlegt, den Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Landtages in das Hintersteiner Projektgebiet einzuladen: „Mal zeigen, was hier geleistet wird...“ Die sehr erfolgreiche Arbeit der Bergwaldoffensive im Oberallgäu dürfe jedenfalls jetzt nicht ausgebremst werden, stellte Klotz fest. „Es gibt nichts, was gegen eine Fortsetzung spricht.“ Wichtig sei eine baldige Entscheidung, da zahlreiche Projektmitarbeiter nur befristete Verträge hätten und „wissen wollen, wie es weiter geht“, so Klotz. Dass man jetzt nicht einfach stehen bleiben könne, unterstrich Klaus Dinser, Leiter der Fachstelle Schutzwald-Management am Landwirtschaftsamt Kempten und Leiter des Projektgebietes Hinterstein. Nach 20 Jahren mit Höhen und Tiefen biete das „problematische Gebiet“ in der steilen Südwestflanke des Berges ein „zufriedenstellendes Waldbild“. Gelungen sei dies nur durch Zusammenführen aller Beteiligten und externer Moderation. Auch das Problem Jagd sei weitgehend gelöst, ergänzt Dinser seine Erfolgsmeldung. Im Rahmen der Bergwaldoffensive sei ein Jagdkonzept entwickelt worden. Als „eher Wald orientiert“ bezeichnet sich der Vorstand der Jagdgenossenschaft Hindelang, Florian Karg. Das Prinzip der Eigenbewirtschaftung habe sich bewährt; lediglich 500 Hektar, mithin knapp zehn Prozent der Fläche sei verpachtet. In der Eigenjagd seien 19 Begehungsschein-Inhaber auf der Pirsch, erklärt Karg. Geld in die Kasse der Genossenschaft komme durch den Verkauf der Trophäen an die Jäger und den Wildbretabsatz. In der Kernzone werde „geschossen, was geht“, beschreibt Karg den Jagddruck. Das entlaste zudem die benachbarten Reviere, wie Wildbiologe Albin Zeitler bestätigt. Er könne nur raten, diese Linie weiter zu verfolgen. Der Druck tut offenbar der Rehwildpopulation selbst gut. Karg beobachtet jedenfalls wesentlich mehr Zwillings- und Drillingsgeburten als in früheren Zeiten. Ein Aus für die Bergwaldoffensive kann sich Dr. Ulrich Sauter, Leiter des Forstbereichs am Landwirtschaftsamt Kempten, nicht vorstellen. Er verweist auf einen Beschluss des Landtags, wonach auf den angestoßenen Waldumbau zu setzen sei und „teure Zäune“ zum Schutz des Mischwaldes abgelehnt würden. Sauter: „Es darf nicht sein, dass mitten auf dem Weg das Geld ausgeht.“ Die Waldbesitzer spielten mit bei den Projekten, und Sauter erkennt „große Nachfrage“. „Nur jetzt keine Mittelkürzungen“, warnt er. Johann Jordan, Vorsitzender der Forstbetriebgemeinschaft Oberallgäu, unterstreicht: „Die Bergwaldoffensive bringt mit relativ geringen Mitteln eine enorme Verzinsung.“

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