Hohe Parkgebühren im Allgäu

Kemptenerin startet Petition für Einheimischen-Parkticket auf Wanderparkplätzen

Wanderparkplatz
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Wer vom beliebten Wanderparkplatz „Auf der Höh“ in Hinterstein zu einer Bergtour aufbricht, zahlt zehn Euro fürs Tagesticket.

Allgäu — Christine Gleich hat eine Petition für ein Einheimischen-Parkticket auf Wanderparkplätzen gestartet. Schon über 5000 Personen haben unterschrieben.

Wer heuer in den Allgäuer Bergen unterwegs ist, erlebt oft auf dem Parkplatz eine böse Überraschung: Einige Gemeinden haben ihre Parkgebühren zum Teil drastisch erhöht. In Hinterstein im Oberallgäu beispielsweise werden mittlerweile zehn Euro fürs Tagesticket fällig. Für Hobby-Bergsteigerin Christine Gleich ist damit eine Grenze erreicht. Die Kemptenerin hat eine Online-Petition gestartet und damit offenbar einen Nerv getroffen.

Das Corona-Jahr 2020 mit seinen Lockdowns und geschlossenen Grenzen hat bei vielen die Liebe zu den Bergen geweckt. Anstatt das Wochenende in der nächstgrößeren Stadt zu verbringen, zog es Baden-Württemberger und Oberbayern in Richtung Alpen. Die Wanderparkplätze im Allgäu waren deshalb oft heillos überfüllt. Die Folge: Die Preise fürs Parken wurden zum Teil drastisch erhöht – zum Ärger vieler Einheimischer.

Parktickets zu teuer

Wer jetzt nach seinem Feierabend noch schnell eine Bergtour machen möchte, muss mitunter deutlich mehr fürs Parkticket ausgeben als noch in den Jahren zuvor. Seit 2021 zahlen Wanderer an der Pfrontener Breitenbergbahn ab zwei Stunden fünf Euro fürs Parken.

Am Parkplatz der Alpspitzbahn werden in Nesselwang mittlerweile drei Euro fällig. Bis 2020 konnten Outdoorfans ihr Auto hier noch kostenfrei abstellen. Deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen Naturbegeisterte in Hohenschwangau: Hier müssen sie mittlerweile acht Euro für eine Parkzeit von sechs Stunden ausgeben, jede weitere Stunde kostet extra.

Parkraum und Besucherlenkung

Noch teurer sind die Tarife im benachbarten Oberallgäu. Wer kurz vor Hinterstein sein Auto am Sägewerk Bruck abstellt, zahlt aktuell ab vier Stunden Parkzeit sieben Euro. Ganze zehn Euro müssen Wanderer fürs Tagesticket im Ort auf dem Parkplatz „Auf der Höh“ in den Automaten werfen. Vor etwa drei Jahren lag der Preis noch bei 2,50 Euro, moniert Christine Gleich.

Sie könne zwar nachvollziehen, dass Anwohner verärgert seien, wenn Wanderer ihre Grundstücke zuparken. „Aber eine Erhöhung der Parkgebühren auf zehn Euro verhindert nicht, dass so viele Touristen kommen“, ist sie überzeugt. Der saftige Aufschlag sorge nur für Unmut bei den einheimischen Bergsteigern. Und diese würden sich nun wohl zweimal überlegen, ob sie auf der nächsten Hütte noch ein Bier trinken oder nicht lieber gleich nach Hause fahren.

Parkplätze drohen mit Strafen

Weil es zudem an vernünftigen Zeitintervallen mangelt, bleibe Wanderern oft gar nichts anderes übrig, als gleich ein Tagesticket zu kaufen, wenn sie auf den nächsten Gipfel kraxeln wollen, kritisiert die Kemptenerin ferner.

An einigen Parkplätzen im Allgäu werde zudem sogar mit einer Anzeige gedroht, wenn man dort sein Auto beispielsweise schon vor 6 Uhr morgens abstellt. Dabei sollten Bergsteiger für ausgedehnte Touren früh starten – allein schon aus Sicherheitsgründen, betont die Kemptenerin.

Christine Gleich findet die Parkgebühren auf Wanderparkplätzen zu hoch.

ÖPNV ist keine Alternative

Auf den Bus umzusteigen, sei in der Regel jedoch auch keine Alternative, da dieser generell morgens viel zu spät abfährt und abends zu früh die Rückreise antrete. Bleibe also meist nur das Auto für die Anreise.

„Für Bergsteiger, die sehr oft in die Berge gehen, summiert es sich schlichtweg utopisch“, lautet Gleichs Fazit. „Und dann stelle man sich noch vor, man ist in der wohlverdienten Rente und möchte den Lebensabend mit Wandern in der Heimat verbringen. Das kann man sich schlichtweg nicht mehr leisten.“

Petition und offener Brief

Im Gegensatz dazu ist für Touristen, die durch ihre Übernachtung vor Ort Gästekarten wie die „Bad Hindelang Plus-Karte” oder die Allgäu-Walser-Card erhalten, das Parken vergünstigt oder sogar ganz umsonst. „Das kann's nicht sein“, ärgert sich Gleich. „Die Einheimischen sollten nicht gegenüber Touristen benachteiligt werden.“

Deshalb startete die passionierte Bergsteigern eine Online-Petition, mit der sie sich für ein Einheimischen-Parkticket auf Wanderparkplätzen im Allgäu einsetzt. Unterstützt wird sie dabei von anderen Sportlern, Allgäuer Fotografen und Bloggern, die nach eigenen Angaben alle zunehmend Schwierigkeiten haben, ihrer Freizeitgestaltung, teilweise auch ihrer Arbeit nachzugehen. So hat der Fotograf Benjamin Zapf aus Blaichach parallel zur Petition einen entsprechenden offenen Brief verfasst.

Mit Jahresticket parken?

„Wir sagen ja nicht, dass es gar nichts kosten muss“, stellt Gleich dar. Schließlich müssten die Parkplätze auch unterhalten werden. „Es muss nur im Verhältnis stehen.“

Als Lösung schwebt ihr ein allgäuweites Jahresticket vor. Das sollte im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes aber nicht nur Einheimische, sondern jeder, der möchte, kaufen können. Wer es erwirbt, sollte sein Auto so oft und so lange auf den Wanderparkplätzen in der Region abstellen dürfen, wie er will. „Das sollte machbar sein“, findet die junge Frau. Der Kemptenerin und ihren Mitstreitern geht es in erster Linie darum, mit allen Beteiligten in eine Diskussion darüber zu gehen. „Da kann man eine Lösung finden, davon bin ich überzeugt.“

Die Petition von Gleich und ihren Mitstreitern finden interessierte Teilnehmer online auf der Seite www.change.org unter dem Suchbegriff „Einheimischen Parkticket“.

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