Neue Wege beim Wildwechsel

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Mehr Sicherheit, weniger Unfälle versprechen sich Bruno Fischle (von links) vom Staatlichen Bauamt Kempten, Felix Fleischhauer vom Landratsamt, Karl Kleiter (Forstbetrieb Sonthofen), Jäger Jörg Finze sowie Thomas Riester von der Verkehrspolizei in Kempten und Jagdberater Manfred Werne von den neuen Warntafeln im Kürnachtal.

Oberallgäu - Im Frühjahr zieht das frische Grün beidseits der Staatsstraße 2376 im Kürnachtal Reh- und Rotwild „magisch“ an. Allerdings kommt es auf der zum Teil mit hohen Geschwindigkeiten befahrenen Straße häufig zu Verkehrsunfällen mit Rehen und Hirschen.

Das soll sich jetzt ändern: In einem gemeinsamen Pilotprojekt haben das Landratsamt Oberallgäu, das Staatliche Bauamt Kempten und der Forstbetrieb Sonthofen ein neues Konzept entwickelt, das besser als bisher auf eine Gefährdung durch Wildwechsel aufmerksam macht. 

Allein heuer wurden schon drei Rehe an der Straße im Kürnachtal getötet. Und Jäger Jörg Finze ist dabei noch froh, dass es bislang ohne verletzte Personen abging. „Aber länger zusehen will ich nicht“, so Finze. Immerhin muss er jährlich rund ein Dutzend im Straßenverkehr getötete Rehe und Hirsche verbuchen. Die bekannten permanenten Warnschilder „Wildwechsel“ zeigten offenbar nicht immer die gewünschte Wirkung. „Schilder, die jahrein-jahraus an der Straße stehen, fallen schlicht nicht so sehr auf“, erklärt Bruno Fischle, Leiter des Staatlichen Bauamtes Kempten. 

In einem gemeinsamen Projekt zwischen dem Staatlichen Bauamt, dem Landratsamt Oberallgäu und den Bayerischen Staatsforsten mit dem Forstbetrieb Sonthofen als „Motor“ wurde ein großformatiges Warnschild entworfen. Der Clou: Die große Tafel kann zeitlich angepasst an die Aktivitäten der Wildtiere „gesteuert“ werden. „Das erhöht die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer ungemein“, sind sich Fischle und Finze über den Wert dieser „dynamischen Beschilderung“ einig. Die neuen Warnschilder sind tatsächlich nicht zu übersehen; auch in der Dämmerung und nachts nicht, weil sie im Licht der Autoscheinwerfer weithin reflektieren und länger als normale Verkehrszeichen „im Kopf“ bleiben. 

An beiden „Enden“ der rund sechs Kilometer langen Wildwechsel-Zone an der Staatsstraße – also bei Eschach und beim Hofgut Kürnach – sind jetzt solche Klapptafeln im Einsatz. Mit wenigen Handgriffen kann Jäger Finze die Warntafeln zuklappen oder öffnen – je nach „Wandersaison“ von Rehen und Hirschen. Im Sommer sind etwa Rehe vermehrt unterwegs während der Paarungszeit, und im Herbst dann die Hirsche. 

Die Kosten von rund 3000 Euro für die gemeinsame Aktion im Kürnachtal teilen sich der Forstbetrieb Sonthofen mit 1000 Euro und das Bauamt mit 2000 Euro. Das Pilotprojekt ist bayernweit einmalig und Teil des Verkehrssicherheitsprogrammes 2020 „Bayern mobil – Sicher ans Ziel“. Die Pioniere im Oberallgäu hoffen jetzt auf Nachahmer.

Josef Gutsmiedl

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