Kleiner aber feiner Markt

„Heumilch ist eine Spezialität mit begrenzten Chancen im Markt, aber immerhin mit Chancen“, meinten Othmar Bereuther (von links), Josef Krönauer, Anke Regehr und Hubert Dennenmoser. Foto: Josef Gutsmiedl

Mit einem Informationsabend zum Thema „Heumilch“ rundete der Verband der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen Immenstadt VlF seine Aus- und Fortbildungsreihe „Emmentalermilch-Erzeugung“ ab. Schon mit den beiden ersten Teile, die sich der optimalen Heugewinnung und modernen Trocknungsanlagen widmeten, sprachen der Verband und der landwirtschaftliche Fachberater am Landratsamt Oberallgäu, Gerhard Gehring, viele Interessierte an. Vor allem die Frage, ob sich eine Umstellung auf Heumilcherzeugung langfristig lohnen könne, stand im Mittelpunkt der dritten Veranstaltung. Mehrere in der Region tätige Verarbeitungsbetriebe stellten ihre Konzepte vor, wie sie mehr aus dieser Milch machen.

Auf einige Erfahrung baut die ArGe Heumilch in Österreich. Seit gut zehn Jahren sei die Heumilch-Schiene im Aufbau, erklärte Othmar Bereuter, Referent für Milchwirtschaft in der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Richtig gestartet mit der Vermarktung sei man dann im Jahr 2009. Rund 8000 Milcherzeuger liefern über 60 Unternehmen 400 Millionen Kilogramm Heumilch an. Ziel der ArGe sei es, die silagefreie Landwirtschaft zu erhalten, die Wertschöpfung bei der Milch zu verbessern und die „Heumilchakteure“ zu unterstützen. Der Heumilchanteil in Österreich liegt Bereuter zufolge bei rund 15 Prozent. Aber, so räumt Bereuter ein, gelte der Einzelhandel und der Verbraucher den hohen Erzeugeraufwand nicht ab. Mehr aus dem Qualitätsrohstoff Allgäuer Milch machen will auch der international tätige Molkereikonzern Arla, der im vergangenen Jahr das Traditionsunternehmen Allgäuland Käsereien übernahm. Die „weiße Linie“ wurde inzwischen weitgehend eingestellt, Schwerpunkt ist die Käseproduktion. „Wegen der besseren Wertschöpfung", sagte Anke Regehr, im Konzern zuständig für die Allgäuland-Käsereien. „Schade, dass die Allgäuland-Produkte weg sind", räumt sie ein. Beide Linien zu fahren, gehe nicht. Milchpreis gehe nun einmal vor Vielfalt. Arla könne aber mehr Heumilch aufnehmen; eine internationale Vermarktung sei im Aufbau. Allgäuer Spezialität mit begrenzten Chancen „Heumilch ist eine Allgäuer Spezialität", betonte Hubert Dennenmoser, Geschäftsführer der Allgäu Milch Käse eG in Kimratshofen. Was aber fehle, sei eine „Lobby in München" für diese Spezialität. Die Politiker vor Ort sollten die Heumilch-Idee unterstützen, fordert Dennenmoser. „Das hilft mehr.“ Allerdings glaubt er nicht an einen Ausbau der Vermarktung im großen Stil; dazu sei der regionale Markt zu begrenzt. Dem „Wahnsinn des billiger, billiger“ zu begegnen sei schwierig. „Heumilch ist unsere Idee“, stellte Josef Krönauer, Chef der Schönegger Käse-Alm GmbH , fest. Einst sei man dafür belächelt worden mit den Worten 'euch gibt's nicht mehr lange'. Das Gegenteil sei der Fall. Heute hat die Käse-Alm mehrere Filialbetriebe in der Region. Rund 250 HeumilchBauern im Allgäu und den angrenzenden Regionen stehen unter Vertrag, liefern rund 25 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr. Aber Heumilch sei nur ein Eckpfeiler bei der Vermarktung regionaler Erzeugnisse und Spezialitäten. „Heumilch allein reicht nicht“, meinte Krönauer. Auch nach dem Quotenende bei der Milcherzeugung sehe er für Spezialitäten gute Chance. „Aber da sollte man gut aufgestellt sein und keine Massenware haben.“ Eine Umstellung von Silage-Fütterung auf Heumilcherzeugung, also eine Fütterung mit Gras, Heu und Weidegang, kann Othmar Bereuter nicht ohne weiteres empfehlen. Dabei spielten viele betriebliche Faktoren eine Rolle, etwa Investitionen für Heuwerbung und Trocknung. Dennoch: ein Schulterschluss der reinen Grünlandgebiete mit mehr Zusammenarbeit und Austausch. „Ohne Qualität geht im Lebensmittelbereich nichts!" betont Bereuter weiter und ergänzt: „Kontrollen kosten aber Geld.“ Eine „Plattform im Allgäu“ würde auch Josef Krönauer von der Schönegger Käse-Alm begrüßen: „Alle in einem Boot und ein gemeinsames Marketing.“ Bei seinem „Kollegen“ von Allgäu Milch Käse, Dennenmoser, jedenfalls stößt er auf offene Ohren und „keine Berührungsängste“. Doch auch Dennenmoser betont, dass man nicht in die Zweitklassigkeit abrutschen dürfe. Der Begriff Heumilch und Heu überhaupt seien positiv besetzt und Käse sei auch ein Stück weit eine Frage der Emotionen. „Probieren kann man alles“, so Krönauers Schlusswort, „wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ Diesen Optimismus teilt auch Rainer Hoffmann vom Landwirtschaftsamt Kempten: „Und wenn's nur 400 sind – versuchen muss man es.“ Ein Auslaufmodell sei der Heumilchbauer im Allgäu jedenfalls nicht.

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