Vorreiter Kempten

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Die Kollegen am Klinikum Kempten hießen den international anerkannten Bauchfell-Spezialisten Prof. Dr. Piso aus Regensburg herzlich willkommen (von links): Dr. Christian Hart, Prof. Dr. Ricardo Felberbaum, Privat-Dozent Dr. Otto Prümmer, Prof. Dr. Pompiliu Piso und Prof. Dr. Peter Büchler.

Kempten – Eine sehr komplexe Diagnose stellt Ärzte immer wieder vor Herausforderungen: die Peritoneal-Karzinose. Dabei handelt es sich um einen flächigen Befall des Bauchfells (Peritoneum) mit bösartigen Tumorzellen. Oft sind es gestreute Metastasen anderer im Bauchraum gelegener Tumore, etwa des Dickdarmes oder der Eierstöcke.

Die Peritoneal-Karzinose wird in den meisten Fällen ausschließlich mit einer systemischen Chemotherapie behandelt, da bisher eine operative Entfernung als nicht sinnvoll galt. Seit einigen Jahren haben Untersuchungen gezeigt, dass insbesondere beim Darmkrebs mit der operativen Tumorentfernung in Kombination mit einer lokalen Chemotherapie eine deutliche Lebensverlängerung bei einigen Patienten erreicht werden kann. Dieses Verfahren, das nur wenige Kliniken anbieten können, nennt sich HIPEC-Therapie. 

Am Klinikum Kempten, das Darmkrebszentrum und Interdisziplinäres gynäkologisches Krebs- zentrum ist, wird die Behandlung bereits seit zwei Jahren durchgeführt. International anerkannter Experte auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Pompiliu Piso, Chefarzt der Klinik der Barmherzigen Brüder in Regensburg. „Rund 8000 Patienten in Deutschland erkranken jährlich an der Peritoneal-Karzinose“, betonte der Mediziner bei einem Vortrag am Klinikum vor Klinikärzten und niedergelassenen Fachmedizinern aus der Region. Peritoneal-Karzinosen stellten ein spätes Stadium einer Krebserkrankung dar und seien mit einer deutlich reduzierten Lebenserwartung verbunden. 

Den Einsatz der HIPEC-Therapie (hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion) sieht Prof. Piso in vielen Fällen als lebensverlängernde sinnvolle therapeutische Option an. Dabei werden in einer mehrstündigen Operation alle Tumorknoten soweit möglich operativ entfernt und im Anschluss eine chemotherapiehaltige Spüllösung auf 42 Grad erwärmt und für 30 bis 90 Minuten im Bauchraum verteilt. Vorteilhaft bei dieser Behandlung sei die Tatsache, dass Tumorzellen generell empfind- licher auf Hitze reagieren als normale, nicht entartete Zellen. Verstreute Tumorzellen würden somit zerstört. In einem Spätstadium könne diese Behandlung auch als palliative Maßnahme eingesetzt werden. Prof. Piso: „Wir können keine Heilung erreichen. Was wir wollen, ist eine Kontrolle über die Krankheit.“ Komplikationen, die durch die Krankheit entstehen – etwa die Bildung von Bauchwasser oder Darmverschluss- könnten so vermindert werden.

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