Nachtarock beim Bockbier

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„Reesele, Reesele...“ stimmte der Bußprediger an zu dem bekannten Rosele-Lied und forderte den Adressaten des mysteriösen Briefes, Martin Rees, auf, seinen Brief doch in Empfang zu nehmen.

Oberstdorf - Predigen nutze nichts, daher müsse er es bildlich darstellen, wie die Oberstdorfer zusammen leben sollten, meinte Novize Ludovicus beim diesjährigen Bockbier-Spektakels in der Oybelehalle. Kurzerhand arrangierte er die Hauptakteure des unbotmäßigen und wenig gottesfürchtigen Ortes zum Krippenspiel. 

Zuvor hatte der junge Gottesmann Ludovicus – alias Seppi Dornach – einiges „abgeklopft“ was sich in Oberstdorf zugetragen hatte. „Stoff genug“ hatten die Macher des Bockbier-Sketches allemal. „Wir haben geschrieben und geschrieben“, berichten Franz Bisle und Seppi Dornach kurz vor ihrem Auftritt auf der Bühne. „Doch zum Schluss musste einfach vieles aussortiert werden...“ 

Der jüngste Kommunalwahlkampf tat offenbar sein übriges, um die Themenkiste des Duos reichlich zu füllen. Etwa mit „Fischers Dosen Partei“, dem Bündnis aus FDP und Allianz für Oberstdorf, die den Sulzberger „Versicherungsvertreter“ Stephan Thomae als Bürgermeisterkanditat ins Rennen schickte. „Es fischerlet...und isch im Abgang a bitzle Rees..“, so das Wortspiel des Novizen. Und auch der zweite Herausforderer des Amtsinhabers Mies wurde in die Mangel genommen: Für die Wahlplakate habe Fritz Sehrwind wohl ein Portraitfoto hergenommen, das vor 20 Jahren aufgenommen worden sei, argwöhnte Ludovicus. 

Laurent Mies dagegen posiere ganz lässig im flotten Janker vor einem Holzstapel „wie ein Brennholzhändler“. Aber wie geht es für die Verlierer der Wahl weiter? Zumindest für Otto-Mäx Fischer sieht der Bockbier-Prediger nicht schwarz: Otto-Mäx sei noch immer unter gekommen – und wenn es unter die Räder gewesen sei... Schon das Paradies auf Erden hätten jedenfalls die Oberstdorfer Hirsche unter dem Dach von Kurrles Naturschutzstiftung in einem schusswaffenfreien Reservat „bis sie ein natürlicher Tod ereilt“ nach dem Motto „hier bin ich Hirsch, hier darf ich's sein“. 

Und das Alte Rathaus? Auch hier sieht der Novize eine gute Lösung: Asyl für Bischof Tebartz-van Elst. „Der bringt die 30 Millionen gleich mit...“ So übel könne es in Oberstdorf ja nicht sein – Pfarrer Guggenberger halte es ja schon 20 Jahre hier aus. 

Was tun, wenn predigen nicht hilft? Ludovicus brachte es dann bildlich auf die Bühne, als er die schlimmsten Oberstdorfer zu einem Krippenspiel auf die Bühne zitierte. Das Jesukindlein in der Krippe – Bürgermeister Mies; Maria und Josef – die Landtagsabgeordnete Ulrike Müller und Pfarrer Peter Guggenberger. Selbst die Rollen von Ochs und Esel konnte der Novize schnell besetzen mit Stephan Thomae und Fritz Sehrwind. Als Heilige Drei Könige wählte er neben Andi Bauer und Rudi Götzberger noch „den Schwarzen“, Albert Titscher, aus, um die Szenerie zu komplettieren.

Josef Gutsmiedl

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