Oberstdorf: Kraftwerkspläne weiter umstritten

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Vor dem Sitzungssaal demonstrierte der Oberstdorfer Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz, Michael Finger, gegen die Kraftwerkspläne und hielt den Räten eine Flasche Oberstdorfer Wasser mit Ölfilm unter die Nase.

Oberstdorf – Erst Zustimmung, dann Ablehnung, dann wieder Zustimmung. Die Diskussion um das umstrittene Kraftwerk Oberau im Trettachtal fand nun im Gemeinderat ein vorläufiges Ende, wird aber wohl weiter die Gemüter erhitzen

Die Situation ist mit dem geplanten Kraftwerk an der Eisenbreche bei Hinterstein vergleichbar. Es liegt in dreifach geschütztem Gebiet. Nur, dass es sich in Hinterstein noch um ein Geotop handelt. In Oberstdorf ist dafür die Trinkwasserversorgung der Gemeinde betroffen. Das Schutzgebiet, in dem Oberstdorf sein Trinkwasser gewinnt, befindet sich in Höhe Christlessee unterhalb des geplanten Kraftwerks. Die Energieversorgung Oberstdorf (EVO) ist mit einem Anteil von rund 30 Prozent an der zu gründenden Kraftwerkgesellschaft mit im Boot. Naturschützer waren schon im Vorfeld gegen das Projekt Sturm gelaufen.

Zur Geschichte: Nachdem im Jahr 2014 die Projektplanung begann, hatte im Dezember 2015 der Oberstdorfer Bauausschuss sein Einvernehmen mit der Anlage erteilt. Allerdings mit Auflagen und Nachweisen bezüglich des Natur- und Gewässerschutzes. Trotz Änderungen (unter anderem bei der Restwassermenge und der Trasse der Druckleitung) an den bereits genehmigten Plänen, lehnte der Bauausschuss Anfang Februar diesen Jahres mit knapper Mehrheit das Kraftwerk ab. Zu groß waren die Bedenken einiger Mitglieder, vor allem wegen des Risikos für das Oberstdorfer Trinkwasser.

Obwohl der Bauauschuss ein beschließender Ausschuss ist, tauchte das Thema schon zwei Wochen später im Gesamtgemeinderat wieder auf. Michael Schuchert vom Planungsbüro Koch in Kempten und Hans-Peter Hagenauer von der EVO stellten die Änderungen vor und versuchten die Bedenken wegen einer Beeinträchtigung des Grundwassers zu zerstreuen. So würden die technischen Anlagen abgekapselt und ein abflussloses Auffangbecken gebaut, damit es keinen Kontakt zu Wasser führenden Bereichen gibt. Auch während der Bauphase würden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen gewährleistet.

Bürgermeister Laurent Mies verwies auf die Situation nach Fukushima, wo der Landkreis Standorte für die Erzeugung von Wasserkraft suchte. Er hält den Bau „aufgrund der Gesamtsituation für vertretbar“. „Technische Anlagen sind nicht risiko­frei“, nannte Martin Rees (AO/FDF) das Oberstdorfer Wasser „ein hohes Gut, zu dem es keine Alternative gibt“. Andere Gemeinderäte wie Peter Titzler (FW) und Fritz Sehrwind (CSU) sahen die Bedenken entkräftet. „Sind wir so weit, dass wir wegen 1,8 Millionen Kilowattstunden unser Wasser gefährden“, schimpfte Rudi Götzberger (FW). Er sieht bei einem 30-Prozent- Anteil auch keine Wirtschaftlichkeit für den Markt Oberstdorf. „Gibt es überhaupt keine Tabus mehr“, verwies Bergith Hornbacher-Burgstaller (Grüne) auf den Schutzstatus des Gebietes und warf die Frage auf, ob Mitglieder der „Oberstdorfer Rechtler“ wegen Eigenbetroffenheit überhaupt mit abstimmen dürften. Bürgermeister Mies sah hier kein Problem.

Bei den Befürwortern spielte auch das Thema Vertrauensschutz und Glaubwürdigkeit gegenüber den Investoren eine Rolle, da es schon einmal einen positiven Bescheid gab. Die Abstimmung ergab eine klare Mehrheit für das Kraftwerk. Darunter auch von Räten, die zuvor im Bauausschuss dagegen gestimmt hatten. Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt. Dort hat bereits ein Erörterungstermin mit den betroffenen Behörden und Verbänden stattgefunden. Sollte das Landrats­amt den Plänen seinen Segen erteilen, sind Klagen – wie bei der Eisenbreche und am Riedberger Horn – nicht ausgeschlossen.

Heinrich Bonert

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