Umstrittenes "Älpele" Kraftwerk in Hinterstein

Freie Bahn für Wasserkraft

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Das Herzstück der Klamm ist von der Talstraße ebensowenig einsehbar wie das geplante Kraftwerk oder der Fassungsbau.

Oberallgäu - Das Landratsamt Oberallgäu hat vor Kurzem die Bau- und Betriebsgenehmigung für das Bürgerkraftwerk Älpele erteilt. Bei den Planern des Projektes wurde die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen. Möglicherweise steht den Kraftwerksplanern allerdings erst einmal eine Klage der Naturschutzverbände ins Haus.

Nachdem die umfangreichen Antragsunterlagen für den Bau und Betrieb des Bürgerkraftwerkes Älpele bei der für die Genehmigung zuständigen Behörde, dem Landratsamt Oberallgäu, Ende 2013 eingereicht wurden, erhielten die Antragsteller nunmehr den positiven Genehmigungsbescheid.

Vor drei Jahren haben die vier Gesellschafter Elektrizitätswerk Hindelang eG, Wald- und Weidegenossenschaft Bad Oberdorf, Marktgemeinde Bad Hindelang sowie Galtalpe Erzberg im Rahmen der gegründeten Planungsgesellschaft Kraftwerk Älpele mbH mit den Planungen für den Neubau eines Laufwasserkraftwerkes im Hintersteiner Tal in der Marktgemeinde Bad Hindelang begonnen. Die Fertigstellung des Wasserkraftwerkes ist für das Jahr 2017 geplant.

Die Geschäftsführung der Planungsgesellschaft Kraftwerk Älpele mbH begrüßt ausdrücklich die Entscheidung des Landratsamtes Oberallgäu. Die Weichen für den lokalen Ausbau der sauberen Energieerzeugung seien somit gestellt. Eine hohe Versorgungssicherheit werde auch zukünftig dank der Wasserkraft gewährleistet sein.

„Ein besonderer Dank gilt den Bad Hindelanger Bürgerinnen und Bürgern für den bisher gezeigten breiten Zuspruch für das Bürgerkraftwerk sowie dem Gemeinderat der Marktgemeinde, der mit seinen stets einstimmigen Beschlüssen das Projekt jederzeit unterstützt hat“, heißt es in der ersten Stellungnahme der Planungsgesellschaft. Mit der Realisierung des Wasserkraftwerkes Älpele solle ebenfalls den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, sich – neben der bereits größtenteils vorhandenen indirekten Beteiligung über die Gesellschafter – auch direkt an dem Wasserkraftwerk zu beteiligen.

„Ein weiterer wichtiger Schritt ist für die Energiewende nun in Bad Hindelang getan. Wir freuen uns, dass wir die Bau- und Betriebsgenehmigung für unser Wasserkraftwerk im Hintersteiner Tal erhalten haben. Wir leisten damit einen lokalen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende,“ sagte Dr. Jochen Damm, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Kraftwerk Älpele mbH. „Zugleich legen wir mit unserem neuen Wasserkraftwerk auch nachhaltig das Fundament für eine ökologische Stromversorgung für die nächsten Generationen“, ergänzte sein Geschäftsführungskollege, Engelbert Wille. In Bayern habe die Wasserkraft noch Ausbaupotenzial nach oben, betonen die Geschäftsführer in der Erklärung. „Das neue Wasserkraftwerk in Bad Hindelang leistet hierzu einen schönen Beitrag“, unterstreicht Jochen Damm. Die Ziele der Energiewende, unter anderem den Ausbau der erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung bis 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen, seien von der Politik klar definiert. Die Ziele des Landkreises Oberallgäu gingen darüber noch hinaus. Hier werde bis zum Jahr 2022 ein Ausbaugrad von 70 Prozent angestrebt.

Energiewende und Ökologie

Bei der Konzeption für das Bürgerkraftwerk Älpele stand im Fokus, dass sich das Wasserkraftwerk gut in die Landschaft integriert und die Planungen unter Naturschutzgesichtspunkten bestmöglich optimiert werden. Seine sehr hohe Restwassermenge, die immer in der Ostrach verbleibe, finde ebenso Berücksichtigung wie erdverlegte Rohrleitungen und Stromkabel, sowie ein nicht einsehbares Krafthaus und Wasserfassung.

Jochen Damm: „Umfangreiche Gutachten belegen, dass die Eingriffe in das Naturschutzgebiet und somit die Lebensraumverluste für Flora und Fauna bei gesamtheitlicher Betrachtung gering sind. Teilweise erfolgen die Eingriffe auch nur temporär in der Bauphase.“ Nach Abschluss der Bauarbeiten werden diese Flächen wieder naturnah gestaltet. Zur Kompensation des geringen Lebensraumverlustes sind Ausgleichsmaßnahmen geplant, die um Faktor 3 höher sind, als die Anforderungen gemäß Natura 2000. „Nachhaltige Auswirkungen auf das Schutzgut Landschaft und Erholung ergeben sich nicht; somit ist der Tourismus nicht beeinträchtigt“, so Damm weiter.

Dass es keinen Widerspruch zwischen der sauberen CO2-freien Stromerzeugung im Hintersteiner Tal und dem vorhandenen Naturschutzgebiet geben müsse, zeigten die Ergebnisse der Planung und der umfangreichen Bewertungen des neuen Wasserkraftwerkes in Bad Hindelang zeigen deutlich, stellen die Kraftwerksplaner fest.

Ganz im Gegenteil, beide wichtigen Ziele, Erhalt der Natur und regenerative Stromversorgung, könnten gemeinsam und erfolgreich umgesetzt werden. So könne mit der geplanten jährlichen Stromerzeugung des Bürgerkraftwerkes von rund 9 Millionen kWh ein erheblicher CO2-Ausstoss in die Umwelt von circa 4.500 Tonnen vermieden werden, Jahr für Jahr. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es in unmittelbarer Nähe zu dem geplanten Bürgerkraftwerk bereits zwei Wasserkraftwerke gibt (eines aus dem Jahr 1923), die eindrucksvoll diesen Einklang belegen. In einem anderen Beispiel habe auch der Deutsche Alpenverein vor wenigen Jahren durch den Bau eines kleinen Wasserkraftwerkes zur Eigenversorgung seiner Hütte im Hintersteiner Tal diesen vermeintlichen Widerspruch überzeugend aufgelöst, finden Wille und Damm.

Vor einer möglichen Klage gegen den Genehmigungsbescheid haben die Geschäftsführer jedenfalls keine Angst. „Wir sind optimistisch, dass wir einen möglichen Prozess gewinnen werden.“ Neben den fachlichen Argumenten werde dabei auch ein öffentliches Interesse an dem Projekt gewürdigt, erklärt Damm. „Dass ein öffentliches Interesse angesicht der CO2-freien Stromerzeugung, die dem jährlichen Stromverbrauch von 2700 haushalten entspricht, steht für mich außer Frage.“ Das Projekt bewege sich im rechtlichen Rahmen. Er, Damm, gehe davon aus, dass das Gericht dies im Fall einer Klage genauso sehe.

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