Wenn der ALEX nicht fährt, hängt der südliche Landkreis in der Luft

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Im kommenden Jahr löst die DB Regio die Länderbahn ALEX im Allgäu ab.

Mehrfach hat der Oberallgäuer Kreistag auf die Missstände beim Zugverkehr im südlichen Landkreis hingewiesen. Zuletzt in einer Resolution an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG und die Verantwortlichen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft BEG.

Kernpunkt der Kritik waren die seit Monaten andauernden Zugausfälle zwischen Immenstadt und Oberstdorf. Die Strecke wird von der DB Regio und der Landerbahn ALEX bedient. Jetzt erläuterte Planungschef Florian Liese von der BEG die Hintergründe der „Mängel in der Beförderung“ vor dem Kreisausschuss für Entwicklung, Wirtschaft und Verkehr.

„Ich bestätige Ihren Eindruck in Bezug auf die Länderbahn ALEX“, zeigte der Planungschef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft BEG, Florian Liese, Verständnis für die wiederholten Klagen über die „untragbaren Zustände“. Schlechte Beförderungsqualität, magelhafte Pünktlichkeit und viele Zugausfälle kennzeichneten offenbar die Länderbahn im südlichen Landkreis Oberallgäu in den vergangenen Monaten.

Liese macht drei Hauptursachen für die Misere aus. Der aktuelle Fachkräftemangel bei Bahnbetreibern treffe in der Tat fast alle. Im Falle der ALEX-Bahn spiele offenbar auch der Umstand eine Rolle, dass der Verkehrsdurchführungsvertrag im kommenden Jahr auslaufe und das Unternehmen die Qualitätsaspekte „vernachlässige“, wie Liese es ausdrückte. Derzeit scheine der Betrieb wieder zu laufen, Dank einer Leih-Lok und zusätzlichen Mitarbeitern mit Lokführer-Lizenz, die zum Teil aus dem Innendienst abgezogen wurden. „Es läuft, aber es gibt keine Garantie“, unterstrich Florian Liese. „Ich hoffe, dass es sich stabilisiert.“

Auf die Frage von Kreisrat Thomas Frey (Grüne), was die BEG tun könne, falls es doch wieder nicht klappe, räumte Liese ein, dass man dann wieder nur „drängen“ könne. „Wir können kein anderes Unternehmen beauftragen.“ Für Oberstdorfs Bürgermeister Lautent Mies mithin ein klares Signal, die Frage der Vertragsgestaltung zukünftig zu überdenken und „schärfere“ Instrumente vorzusehen, falls Mängel nicht abgestellt würden.

Ganz einfach sei der Weg aus der Zugkrise nicht, so Liese weiter. Man könne den Vertrag kündigen – aber ob sich dann auf die Schnelle ein anderer Betreiber finden lasse, bezeifelte der Planungschef der BEG und verantwortlich für das landesweite Fahrplanangebot. Die Personalgewinnung wurde forciert. Ab Mai sollen Verbesserungen im Betrieb greifen. Womöglich wird ein Pedelbetrieb zwischen den Bahnhöfen Immenstadt und Oberstdorf eingerichtet. Ab Herbst 2020 löst die DB Regio die Länderbahn ab. Dann komme auch besseres Zugmaterial zum Einsatz, so Liese.

Kommunalpolitiker im Allgäu rechnen zudem mit neuerlichen Verschlechterungen bei der Zuganbindung, wenn die schnelle, voll elektrifizierte Trasse München – Memmingen – Zürich stehe. Dann werde für jeden zweiten Allgäu-Zug Richtung Kempten der Bahnhof Buchloe zum Umsteigebahnhof. „Das wollen wir nicht“, stellte Landrat Anton Klotz fest und sprach von einer „Kappung der Direktverbindungen“. Attraktiv sei die Bahnfahrt nach München so jedenfalls nicht.

Die Attraktivität des Zugverkehrs stehe und falle schlechterdings mit der Fahrtdauer und den Wartezeiten, warf Kreisrat Erwin Reinalter (Liste Junges Oberallgäu) ein. Niemand wolle auf diese Art Zeit vertrödeln.

gts

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