Bergwaldoffensive auf sicheren Beinen

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer verspricht Geld für den Waldumbau

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Begleitet von seinen Fraktionskollegen Angelika Schorer (rechts) und Eric Beißwenger (links) verschaffte sich der CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer (Mitte) ein Bild vom Fortschritt der Bergwaldoffensive am Grünten. Dahinter (von rechts) der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, Klaus Dinser und Dr. Ulrich Sauter vom Landwirtschaftsamt Kempten und Jagdvorsteher Josef Wolf.

Oberallgäu – Rückenwind aus der jüngsten Sturmkatas­trophe in Niederbayern: Der Freistaat will für den Waldumbau eine Menge Geld in die Hand nehmen und – fast noch drängender – feste Planstellen schaffen, um mehr Förster dauerhaft zu halten.

Diese Zusage machte vergangene Woche der CSU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer in einem Steilhang am Grünten, den er bereits vor fünf Jahren besucht hatte. Jetzt wollte sich der Kemptener CSU-Landtags- abgeordnete vom Fortgang der Maßnahmen im Zuge der Bergwaldoffensive BWO überzeugen. Immer wieder hatten die Forstleute am Landwirtschaftsamt Kempten, zuständig für die Schutzwaldsanierung und die Bergwaldoffensive im Allgäu, eine dauerhafte und verlässliche finanzielle Ausstattung und Planungssicherheit für ihre Mitarbeiter gefordert, soll der Erfolg der Bergwaldoffensive nicht gefährdet werden.

In der Tat drohte der Bergwaldoffensive in den vergangenen Jahren mehrfach der „Sprit“ auszugehen, sprich: das Geld, um wichtige Maßnahmen in den zwölf aktiven Projektgebieten im Allgäu voranzubringen, wurde regelmäßig knapp. Dringende Arbeiten mussten verschoben werden, Mitarbeiter konnten zum Teil nicht weiterbeschäftigt werden.

Bei dem Ortstermin mit dem Kemptener Abgeordneten Thomas Kreuzer erinnerte der Leiter des Bereichs Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kempten, Dr. Ulrich Sauter, an das Bild, das Kreuzer vor fünf Jahren am Grünten oberhalb der Alpe Kalkhöf bei Wagneritz gesehen hatte: eine Kahlfläche in 1300 Metern Höhe, wo nach einer notwendigen Holzentnahme im Jahr 2011 mit der Anpflanzung eines Bergmischwaldes begonnen worden war. An Stelle der Fichtenmonokultur folgten junge Fichten, Tannen, Buchen, Bergahorn. „Ein beeindruckendes Bild, das sich heute zeigt“, freute sich Förster Robert ­Proksch über die „bunte Mischung“ im Steilhang oberhalb der Ortschaft Wagneritz. Dem kleinen Dorf gelte ein Großteil des Aufwandes: die Siedlung soll vor Lawinen, Steinschlag und Erdrutschen geschützt werden durch einen intakten Bergmischwald, der diese Aufgabe auch dauerhaft erfüllen kann.

„Der alte Fichtenbestand erreicht hier wie andernorts über kurz oder lang sein natürliches Ende“, ergänzte Dr. Ulrich Sauter. Da könne man nicht zuwarten, bis das Stadium der Sanierung augenfällig sei; vielmehr gelte es jetzt die Verjüngung der Bestände einzuleiten – eben durch viele „Inseln“ mit Verjüngung. „Der Generationenwechsel im Bergwald dauert Jahrzehnte.“ Und technische Verbauungen seien letztlich wesentlich teurer als ein intakter Bergmischwald, der sich im Idealfall selbst immer neu verjünge. „Billiger geht‘s nicht.“

„Es geht nur zusammen mit den Jägern“, lenkte Jagdvorstand Josef Wolf aus Wagneritz den Blick auf einen weiteren Akteur im Bergwald. Eine Naturverjüngung erfolgreich einzuleiten und stetig am Laufen zu halten, der angestrebte Waldumbau, sei nur möglich, wenn die Jagd mitspiele. Am Grünten sei das der Fall, so stellte Wolf fest, und zeigte auf die mannshohen Büsche und Bäume um sich herum. „Der Wald soll hier wachsen. Wir sind auf einem guten Weg“, bestätigt Jagdleiter Manfred Hausmann. Aber: man müsse dranbleiben.

Es zeige sich, so unterstrich der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu, Johann Jordan, dass die Bergwaldoffensive „auf Jahrzehnte, wenn nicht auf Jahrhunderte“ angelegt sein müsse. Daher sein Appell, „die Sache langfristig zu gestalten und das Personal auf Dauer zu halten“. Man könne bei den wichtigen Maßnahmen der Bergwaldoffensive nicht immer von vorne anfangen, weil die Mitarbeiter nicht auf lange Sicht beschäftigt werden könnten.

Genau das soll sich Kreuzer zufolge jetzt ändern. Der Fraktionschef zeigte sich nach seinem neuerlichen Besuch der Sanierungsfläche am Grünten beeindruckt von den Fortschritten, die der Waldumbau hier mache. Neben der Soforthilfe für Betroffene Waldbauern der jüngsten Sturmkatastrophe in Niederbayern, will der Freistaat auch 20 Millionen Euro für Maßnahmen zum Waldumbau bereitstellen. Und: 200 bislang befristete Planstellen für Mitarbeiter sollen zukünftig unbefristet besetzt werden.

Endgültig geschnürt werden soll das Paket bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen, so Kreuzer. Planstellen gebe es immer nur, wenn der Haushalt dafür ausgestattet sei, erklärte Kreuzer. Er sei aber zuversichtlich, dass das Vorhaben wie versprochen umgesetzt werde. Wie sehr das Allgäu davon letztlich profitiere, sei zwar noch nicht zu sagen, so Thomas Kreuzer, aber bei 200 Planstellen werde schon etwas dabei sein. Nicht zuletzt, weil gerade diese Region mit ihrem hohen Privatwald- anteil besonders arbeitsintensiv sei bei den Maßnahmen der Bergwaldoffensive. Der Mehraufwand sei unbestreitbar. Und schließlich sei die BWO im Allgäu sehr erfolgreich am Werk, wie man etwa am Grünten sehe. Er sei sicher, dass die BWO weitergeführt werde.

Schließlich könnten dann auch einige aktuelle Klagen von Mitarbeitern der Bergwaldoffensive im Allgäu vor dem Arbeitsgericht eingestellt werden, so die Hoffnung nach dem Ortstermin im Bergwald.

Josef Gutsmiedl

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