Sonthofer Bürgermeisterkandidaten zur Frage "Wie halten Sie's mit der Kultur?"

"Der Kultur verpflichtet"

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„Wie halten Sie’s mit der Kultur?” – zu diesem Thema standen die Bürgermeisterkandidaten Ingrid Fischer (von links), Klaus Häger, Harald Voigt und Christian Wilhelm dem Kulturbeirat Rede und Antwort.

Sonthofen – Bei einem Informationsabend des Kulturbeirates der Stadt Sonthofen standen die vier Bürgermeisterkandidaten Ingrid Fischer (Grüne), Klaus Häger (SPD), Harald Voigt (CSU) und Christian Wilhelm (Freie Wähler) dem Kulturbeirat und den Kultur-Vereinen der Kreisstadt Rede und Antwort. 

Vor der „Kulturellen Fragestunde” stellte Kulturreferentin Gertrude Goldner die Arbeit des Kulturbeirates vor. Dieser wurde 2004 vom Stadtrat berufen, um sich „mit den verschiedenen kulturellen Einrichtungen und Aktivitäten der Stadt zu befassen”. Kultur und Kunst der Kreisstadt sollen gefördert werden. Neben einer „Kulturbroschüre” erarbeitete der Kulturbeirat seitdem das IKEK, das Integrierte Kulturelle Entwicklungskonzept. Auch bei der Entwicklung des ISEK, des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes, wirkte der Kulturbeirat mit. Die Durchführung einer Landesgartenschau in Sonthofen, die im ISEK mit inbegriffen ist, ist dem Kulturbeirat ein besonderes Anliegen, weshalb bei der Fragerunde diese auch mit im Vordergrund stand. Im Januar hat die Stadt ihre Bewerbung für die Landesgartenschau 2022 eingereicht, nachdem der Stadtrat zugestimmt hatte. Sonthofen wäre die erste bayerische Stadt, die auf militärischen Konversionsflächen eine Landesgartenschau durchführen würde. 

Christian Wilhelm findet die Idee einer Landesgartenschau „im Grundsatz gut”. Allerdings müssten alle Bau- und Folgekosten genauestens geprüft werden. Wären diese zu hoch, würde er sich gegen die Durchführung entscheiden. In Wilhelms Augen wäre eine Konversion auch ohne Landesgartenschau und die damit einhergehenden Fördergelder möglich. Für Klaus Häger reichen die vorliegenden Zahlen noch nicht aus. Allerdings wäre eine Veranstaltung, die mit 20 Millionen Euro veranschlagt ist, ohne die Durchführung eines Bürgerentscheides nicht demokratisch. Auch für ihn ist die Konversion ohne Landesgartenschau zu tragen, insbesondere, da die zeitliche Verfügbarkeit der Konversionsflächen noch nicht sicher ist. Harald Voigt spricht sich grundsätzlich für eine Landesgartenschau aus. Allerdings stünden die ISEK-Planungen auch ohne Gartenschau. Lediglich für Ingrid Fischer ist die Konversion für Sonthofen ohne eine Landesgartenschau finanziell nicht zu stemmen. Die Belastung wäre zu hoch. „Ich setze mich für die Gartenschau ein”, versprach sie. 

Auch beim Thema ISEK im Allgemeinen zeigten die Kandidaten unterschiedliche Sichtweisen. So steht Ingrid Fischer voll hinter den Plänen des ISEK, mahnt jedoch davor, nicht flexibel in den Planungen zu sein. Klaus Häger, der die Ideen begrüßt, möchte gerne noch mehr Fachleute und Bürgerbeteiligung mit einbauen und bemängelt das Fehlen einer Jugendherberge. „Zu wenig Gewerbeflächen” finden sich im ISEK, sind sich Harald Voigt und Christian Wilhelm einig. Voigt berichtete zudem von vielen Bürgern, denen die Pläne nicht gefallen, und für Wilhelm ist es wichtig, die Pläne mit der Zeit auch den Anforderungen anzupassen. 

Eine weitere Frage war die nach der Neugestaltung des Friedhofes. Alle vier Kandidaten zeigten sich neuen Bestattungsformen wie einem Friedwald offen gegenüber. Allerdings müsste zunächst der Bedarf geklärt werden. 

Ebenso einig waren sich die Vier darin, dass die Kultur auch in Zukunft in Sonthofen gefördert werden müsse. Ingrid Fischer fühlt sich „der Kultur verpflichtet”, plädiert für eine engere Zusammenarbeit von Kulturbeirat, Jugendparlament und Architektenstammtisch. Auch für Klaus Häger ist Kultur eine „Pflichtaufgabe”, für die jedoch Raum geschaffen werden müsse. Harald Voigt erinnerte an die wichtige Förderung des Brauchtums wie Egga-Spiel und Maibaum. Dringend nötig seien eine Stadthalle oder ein Haus der Vereine. Christian Wilhelm will an der Förderung festhalten, diese jedoch nach einer Kosten-Nutzen-Analyse an klar definierten Aufgabengebieten festmachen. 

Das Thema Zukunft von Marktanger und Markthalle liegt allen Kandidaten am Herzen. Christian Wilhelm schwebt als kurzfristige Lösung ein Wohnmobilpark auf dem Marktanger vor. Dieser werde in Sonthofen gebraucht. Die Zielgruppe seien zumeist ältere Menschen, die mit ihren Wohnmobilen durch Europa touren. Sie würden solche Wohnmobilparks als Zwischenstation nützen, und auch die örtliche Gastronomie fördern, so Wilhelm gegenüber dem Kreisbote. Langfristig sieht er dort ein Kongress- oder Kulturzentrum, in das die Markthalle eingebunden werden könne. Für Harald Voigt ist der Markt-anger ein zentrales Thema. Gerade die Markthalle sei ein traditionsreicher Ort. Ein Kunst- oder Kulturzentrum müsse je nach Bedarf geplant werden; langfristig brauche Sonthofen aber auf jeden Fall eine Stadthalle. Klaus Hägers Vision ist ein modernes Zentrum statt der Markthalle, allerdings mit Stilelementen der Markthalle. Auf dem Marktanger sieht er einen Musikpavillon mit Wasserläufen. Ingrid Fischer möchte angesichts ihrer Geschichte die Markthalle versuchen zu erhalten. Der Marktanger sei zudem ein beliebter Treffpunkt für Familien und Kinder, eine grüne Oase, die zu erhalten sich lohne. 

Statt von einer Museumsinsel will Klaus Häger lieber von einem „Museumviertel” sprechen, seien doch rund um das Heimathaus neun Museen beheimatet. Um ein grösseres Areal, eventuell in Zusammenhang mit der katholischen Kirche und Stadthausgalerie herzustellen, schwebt ihm vor, das Rapp-Haus zu erwerben. „Mehr Fläche” sei von Nöten, so Harald Voigt, um Ausstellungen der Volks- und Heimatkunde durchzuführen. Christian Wilhelm wünscht sich ein Konzept mit nachhaltiger Finanzierung; Ingrid Fischer befürwortet die Überlegungen der anderen Bürgermeisterkandidaten, gab jedoch zu bedenken, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren keine Finanzierung möglich sei. Die Stadthausgalerie befürworteten alle Kandidaten, zur besseren Vermarktung müsse jedoch die Stadt mehr eingebunden werden. Ingrid Fischer schlug vor, mit Autorenlesungen oder Theateraufführungen die Galerie besser zu nutzen. Für eine Beibehaltung des Möggenriedhauses ebenso wie des Gebirgsjägermuseums sprachen sich alle Kandidaten aus. Christian Wilhelm regte eine Kombination mit der historischen Sammlung der Feuerwehr an. 

Das Thema „Baukultur” zeigte wieder unterschiedliche Ansichten der Kandidaten: Ingrid Fischer sprach sich für das Wirken des Gestaltungsbeirates aus. Abweichungen vom regionalen Baustil sind für sie in Ordnung. Klaus Häger möchte die örtliche Baukultur beibehalten, sie aber dennoch Weiterentwickeln. Harald Voigt steht für eine Kombination von Tradition und Moderne. Christian Wilhelm denkt über eine Richtschnur nach, an die sich alle zu halten hätten. Der Gestaltungsbeirat und örtliche Interessenvertreter müssten bei der Erstellung mitwirken. Diese Meinungen spiegelten sich auch in den Antworten der Kandidaten zum Thema „Bahnhofsumfeld” wider. 

Die Südliche und die Überlegungen, sie nicht mehr im Wechsel in Sonthofen, Immenstadt und Oberstdorf stattfinden zu lassen und stattdem nur noch in Sonthofen, war ein weiterer Punkt im Fragekatalog. Für alle Kandidaten war diese Idee denkbar, allerdings immer in Hinblick auf die Kosten. Ingrid Fischer äußerte Bedenken, dass die Ausstellung an Attraktivität verliere, wenn sie jedes Jahr am selben Ort stattfinde und regte jährlich wechselnde Rahmenveranstaltungen an. Christian Wilhelm gab zu Bedenken, dass Kultur regional organisiert und vermarktet werden sollte, nicht nur lokal. 

Für einen Erhalt derBurg Fluhenstein und der künftigen Förderung der Kleinkunst sprachen sich alle Kandidaten aus. Der Sonthofer Theaterfrühling müsse hinsichtlich seines Konzeptes und der Auswahl der Stücke jedoch überarbeitet werden. Wo künftig die Konzerte der „Freunde der Musik” stattfinden sollen, ob im Haus Oberallgäu, was nicht ideal sei, oder anderswo, waren sich die Kandidaten nicht eins. Dass es weiterhin solche hochkarätigen Konzerte geben solle, befürworteten hingegen alle.

Eva Veit

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