Kulturangebot im Sinkflug

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Alfons Zeller, Vorsitzender der Kulturgeeinschaft, sieht das „Immenstädter Streichkonzert“ mit Sorge.

Oberallgäu - Die Enttäuschung bei der der Kulturgemeinschaft Oberallgäu KGO ist groß: Der wichtigste Standort für das anspruchsvolle Theaterprogramm, der Hofgarten-Saal in Immenstadt, steht in Zukunft praktisch kaum mehr zur Verfügung.

Und jetzt will die Stadt ihren Zuschuss für die KGO streichen. Dennoch: Für die Spielzeit 2014 / 2015 haben die Verantwortlichen wieder ein vielseitiges Theaterprogramm „gebastelt“ - mit Klassiker und modernen Stücken. Im Shakespeare-Jubiläumsjahr sind gleich zwei Stücke des Theatermachers des 16. Jahrhunderts im Programm der KGO.

Verstehen kann und will der Erste Vorsitzende der Kulturgemeinschaft Obergäu, Alfons Zeller, den Schritt des Immenstädter Stadtrates nicht. „Was macht dann das Wesen der Stadt als Ort für Kultur noch aus?“ fragt er. Über Jahrzehnte sei „der Hofgarten“ ein Magnet in der Region gewesen. Hier fanden zahllose Veranstaltungen statt - Theater, Bälle, Feste, erinnert sich Zeller an die großen Zeiten der Halle.

Er, Zeller, hege den Verdacht, dass der in der Tat nicht zufriedenstellende Zustand der Stadthalle mit Absicht so belassen werde. Mit relativ bescheidenen Mitteln müsse es möglich sein, das Gebäude in Schuss zu bringen, meint Zeller. Der KGO-Vorsitzende macht sogar im Vorwort der aktuellen Programmbroschüre keinen Hehl daraus, dass „der herbeigeführte Zustand des Immenstädter Hofgartens für die KGO zu einem Problem geworden ist“.

Andere Orte in der Nachbarschaft hätten ihre großen Veranstaltungsgebäude „aufgemöbelt“, zum Beispiel Fischen, Oberstdorf, Bad Hindelang. Einfach ausweichen könne die KGO nicht; hochkarätige Theateraufführungen seien aus baulichen Gründen eigentlich nur im Hofgartensaal möglich, ergänzt Zeller. Das bekomme er immer wieder von renommierten Ensembles zu hören.

Mit einer Zuschusskürzung könne man leben, aber dass die Stadt die Mittel für die KGO in Höhe von 35000 Euro im Zuge der „Reduktion freiwilliger Leistungen“ komplett streichen wolle, sei für die Kulturgemeinschaft ein herber Schlag, betont Geschäftsführer Hartmut Happel. Sang- und klanglos die Segel streichen wollen Zeller und Happel aber keinesfalls. „Wir suchen neue Wege, neue Förderer...“

Über Abo- und Eintrittspreise könne und wolle die KGO die Finanzlücke nicht schließen. „Wir wollen auch Menschen erreichen, die finanzeill nicht so gut gestellt sind“, sagt Zeller. „Auch Otto Normalverbraucher soll an diesem Kulturangebot teilhaben können.“ Mit einer deutlichen Anhebung der Preise würde man letztlich nur Abonnenten und Interessenten verlprellen.

„Unser Angebot ist in diesem ländlichen Raum absolute Spitze“, lenkt Happel den Blick auf das aktuelle Programm der KGO. Zwar gehe die Zahl der Abonnenten langsam zurück - derzeit sind es rund 360 - aber der normale Kartenverkauf zeige, dass es offenbar ein Interesse für die Theateraufführungen gebe. „Wir haben jedenfalls wieder ein attraktives Programm eingekauft.“

Stücke aus der Feder des Bühnenautors William Shakespeare (1564 - 1616) finden sich gleich zweimal im Programm der aktuellen Spielzeit, die mit der Romanze „Der Sturm“ am Mittwoch, 24. September, im Hofgarten in Immenstadt eröffnet wird. Den „zweiten Shakespeare“ gibt es dann mit der „Komödie der Irrungen“ im März 2015. Darüber hinaus tauchen einige aktuelle „Kassenfüller“ im Programm auf, etwa „Bella Donna“, „Patrick 1,5“ oder „Veronika beschließt zu sterben“. Mit „Deutschstunde“ wirde erstmals der Klassiker von Siegfried Lenz auf der Bühne präsentiert. Das Landestheater Schwaben bestreitet mit „Das Tagebuch der Anne Frank“ und „Kalif Storch“ den 6. Sonthofer Theaterfrühling im März kommenden Jahres.

Das komplette Programm der Spielzeit 2014 / 2015 gibt es auch unter www.kulturgemeinschaft-oberallgaeu.de im Internet. Beginn sämtlicher Vorstellungen ist um 20 Uhr; Abendkasse jeweils ab 19 Uhr. Kartenvorverkauf bei Bücher Lindlbauer in Immenstadt, Telefon 08323 / 3612; für die Aufführungen in Sonthofen beim Gästeamt der Stadt Sonthofen, Telefon 08321 / 615 291.

Josef Gutsmiedl

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