Oberallgäuer Kulturpreis 2017 in der Sparte "Mundart"

Mundart schafft Vertrautheit - Oberallgäuer Kulturpreis 2017

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Landrat Anton Klotz (rechts) gratulierte bei der Feierstunde den diesjährigen Preisträgerinnen Cornelia Ney (von links), Cornelia Beßler und Erika Lindner.

Der Kulturpreis des Landkreises Oberallgäu 2017 in der Sparte „Mundart – Geschichten und Gedichte mitten aus dem Leben“ ging an Cornelia Beßler aus Bad Hindelang. Mit Anerkennungspreisen wurden die literarischen Leistungen von Cornelia Ney aus Ofterschwang und Erika Lindner aus Sonthofen gewürdigt.

Gerade die Beschäftigung mit der Mundart sei heutzutage wichtig und, dass es Menschen gebe, die wie die Preisträgerinnen die Mundart pflegten und in Gedichten und Geschichten weitergäben, betonte der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz bei der Feierstunde im Landrats­amt Oberallgäu. Er persönlich finde es traurig, dass der Dialekt zunehmend in den Hintergrund trete. „Dialekt zu reden, gibt ein Gefühl der Heimatverbundenheit, der Vertrautheit, der Kindheitserinnerungen, die damit verbunden sind.“ Ohne „Standarddeutsch“ im Altag gehe es nicht, so Klotz in seiner Würdigung des Kulturpreises weiter, aber jeder Dialekt biete erstaunliche Vielfalt und Vorteile und begründe ein besseres Vertrauensverhältnis der Menschen untereinander, die sich in Mundart unterhalten könnten.

„Gedanken aus dem Herzen kann man besser in Mundart schreiben und oft gar nicht ins Hochdeutsche übersetzen“, meinte der Landrat. „Das macht Ihre Geschichten und Gedichte besonders und einzigartig.“ Über die eingereichten Vorschläge der Sparte „Literatur – Mundart-Geschichten und Gedichte mitten aus dem Leben“ beriet eine fünfköpfige Jury aus Mitgliedern des Kreisausschusses für Kultur. Die Jury kam schließlich zum Entschluss, neben dem Kulturpreis für Cornelia Beßler zwei Anerkennungspreise zu vegeben. Damit sollen die Verdienste von Cornelia Ney und Erika Lindner gewürdigt wertden, die sich in besonderer Weise über viele Jahre um die Allgäuer Kultur verdient gemacht haben.

Viele Geschichten und Gedichte in Ostrachtaler Mundart gibt es von Cornelia Beßler, der diesjährigen Preisträgerin. Schon als Kind spielte sie kleine Sketche und schrieb erste Geschichten. Später widmete sie sich den Sagen des Tales und inszenierte mit über 100 Laiendarstellern das Musical „Hurlahutsch“. Seit zehn Jahren führt sie erfolgreich Regie beim Hindelanger Bauerntheater und leitet die Theater AG an der Grund- und Mittelschule Bad Hindelang. Ebenfalls aus ihrer Feder stammt das Theaterstück „Dr Prinzregent kutt!“. Zusammen mit dem Verein mundArt Allgäu hat Cornelia Beßler ein Hörbuch in Ostrachtaler Mundart herausgebracht, das die Geschichte des Altarbildes in der Bad Oberdorfer Kirche schildert. „Mit Ihren Stücken und Veröffentlichungen erreichen Sie ein großes Publikum über das Ostrachtal hinaus im ganzen Landkreis und begeistern es immer wieder“, sagte Landrat Klotz.

Seit vielen Jahren ein Begriff in der Oberallgäuer Mundart-Szene ist Cornelia Ney aus Ofterschwang. Zusammen mit dem Oerstdorfer Mundartautor Martin Hehl las sie bei Theaterabenden in der Kulturwerkstatt und übernahm später die Reihe „Mit Mundart durchs Jahr“, die mittlerweile feste Bestandteile des Allgäuer Kulturlebens sind. Ihr besonderer Verdienst sei es, durch ihre Gedichte und Geschichten die „Seele des Allgäuers“ Einheimischen und Gästen gleichermaßen herzlich und authentisch näher zu bringen, so die Würdigung der Jury.

Erika Lindner aus Sonthofen, deren Arbeit für die Mundartpflege ebenfalls mit einem Anerkennungspreis gewürdigt wurde, skizziert in ihren Geschichten die „Allgäuer Art“ und den Charakter der Menschen immer wieder treffend. Erst vor kurzem stellte sie ihr zweites Buch „Huimat – Sealehuimat“ vor, in dem sie mit Geschichten und Gedichten „den Menschen auf den Mund und ins Herz zu schauen“ versucht.

gts

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