Kulturpreis für die "Wilden Mändle"

Die Bemühungen des Gebirgstrachten- und Heimatvereins Oberstdorf e.V. um den Erhalt der Tradition des „Wilde-Mändle-Tanzes“ wurden jetzt mit dem Kulturpreis des Landkreises Oberallgäu gewürdigt. Der uralte Kulttanz aus vorchristlicher Zeit wird nur alle fünf Jahre aufgeführt; Oberstdorf ist der einzige Ort im Alpenraum, der diesen Tanz in seiner Urform bewahrt hat.

Als ein Stück „Eigenart der Region“ sieht der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, die behutsame Bewahrung und Pflege des Kulturgutes „Wilde-Mändle-Tanz“ in Oberstdorf. „Wir sind gefordert, unsere Heimat vor Gleichförmigkeit, Gesichts- und Geschichtslosigkeit zu bewahren.“ Es gelte, gleichermaßen weltoffen und heimatverbunden zu sein. Dass viele Menschen der Region noch in Geschichte, Tradition und Brauchtum verwurzelt seien, so Kaiser weiter, spiegele sich in Veranstaltungen wie der des nur alle fünf Jahre aufgeführten Wilde-Mändle-Tanzes wieder. Der Landkreis unterstütze mit der Vergabe des Kulturpreises in Höhe von 2000 Euro die ganze Bandbreite und die kulturelle Vielfalt im Oberallgäu. „Im Wilde-Mändle-Tanz wird Brauchtum gelebt und von Generation zu Generation weiter gegeben“, skizzierte der Landrat die Bewahrung des Kulturgutes, die beim Trachtenverein in besten Hände sei. Kaiser lobte zudem, dass der Brauch des Wilde-Mändle-Tanzes in seiner Einzigartigkeit auch dadurch gewahrt wurde, dass er nicht touristische vermarktet werde. Der Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf, so ergänzte Oberstdorfs Bürgermeister Laurent Mies, trage seit seiner Gründung vor 109 Jahren dazu bei, den Touristen in der Region heimisches Brauchtum zu erschließen. „Das macht einen Teil der Identität unseres Ortes aus.“ Der Wilde-Mändle-Tanz besteht aus 18 Szenen, der sich in dieser ursprünglichen Form nur in Oberstdorf erhalten hat, obwohl er einst im ganzen Alpenraum verbreitet war. Erstmals beschrieben wurde der mystische Tanz aus keltischer Zeit im Jahr 615 n. Chr. Die urigen Kostüme der Wilden Mändle- Tänzer, das „Häs“, sind bis auf die Augen mit Tannenbart verkleidet. Eine aufwändige Arbeit, die kleinen, grauen Moosflechten auf den Anzug zu nähen. Nach jedem Auftritt muss das „Häs“ da und dort ausgebessert werden. Bei den Wilden-Mändle mitmachen zu dürfen, ist eine Auszeichnung an sich, eine Ehre und ein Privileg, das in der Regel nur alteingesessenen männlichen Oberstdorfern zukommt. Dass Frauen nicht mitmachen können, habe nichts mit mangelnder Emanzipation früherer Jahre zu tun, so die Erklärung: Die körperlich tatsächlich sehr anstrengende Aufführung wollte man früher keinem Mädchen oder keiner Frau zumuten. In der Tat wird er Wilde-Mändle-Tanz nicht getanzt nach unserem Verständnis; die Wilden Mändle springen nahezu alle Schritte auf der Bühne. Ein Kraftakt ist die knapp zweistündige Aufführung allemal.

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