Ein Kunsthaus am Berg

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JOSEF GUTSMIEDL Bad Hindelang - Mit der Verleihung des Denkmalspreises 2008 würdigte der Bezirk Schwaben die behutsame wie gelungene und zeitgemäße Sanierung eines mehr als 300 Jahre alten Bauernhauses in Gailenberg bei Bad Hindelang im Oberallgäu. Der bekannte Allgäuer Maler Kilian Lipp und seine Gattin Annette hatten das alte Bauernhaus vor zwei Jahren erworben und sich einen Traum verwirklicht: Ein Kunsthaus hoch über dem Ort, wo Kilian Lipp arbeitet und seine Werke präsentiert. Schon im Hausgang des neuen „Kunsthauses" im alten Bauernhaus stellt Kilian Lipp auf seine Art klar, was ihn leitet und motiviert: Fotografien alter Heustadel, verfallene Scheunen sind für den 55-jährigen Künstler Dokumente. Zeugnisse einer vergangenen Zeit. „Charme und Glanz ihrer längst vergangenen Hochzeit", schrieb er auf eines der großformatigen Schwarzweiß-Fotos an der Wand aus altem Gebälk. Auch seinen Traum, das Atelier im alten Bauernhaus versteht, Lipp als Dokument, als bewahrens- und schützenswertes Vermächtnis einer früheren Hochzeit. Im Haus Nr. 13 in Gailenberg bei Bad Hindelang schließt sich für Annette und Kilian Lipp ein Kreis. Ein solch altes Haus suchten sie schon lange. Und auch das frühere Bauernhaus Nr. 13 in Gailenberg kannte Kilian Lipp seit seiner Jugendzeit, schließlich liegt es hoch über seinem Geburts- und Wohnort Vorderhindelang und doch nur eine knappe Viertelstunde zu Fuß entfernt. Doch vor zwei Jahren ging alles ganz schnell: Überraschend stand das Bauerhaus, das seit mehr als einer Generation nicht mehr bewohnt gewesen war, zum Verkauf. Und Annette und Kilian Lipp ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen. Neuer Glanz „Und viel altes Glump musste raus", erinnert sich Kilian Lipp an den Beginn der Arbeit, das Haus wieder bewohnbar zu machen. Ausräumen, Platz schaffen, die Idee vom Atelier im Bauernhof Stück für Stück verwirklichen. Mit Entrümpeln war es nicht getan. Fachkundig, in guter Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde, gingen Lipp und die Handwerker ans Werk. Die Malerei musste während der gut einjährigen Umbauzeit ins zweite Glied zurücktreten. Dass die Sanierung behutsam geschehen sollte, stand von Anfang an fest. Möglichst viel der alten Substanz erhalten und doch den Schuss "Moderne" einzubringen, um die weitere Nutzung als Wohnraum, als Arbeitsplatz als Ausstellungssaal zu ermöglichen. Dank einer Handvoll versierter Handwerker gelang es innerhalb eines Jahres das „Kunststück" zu schaffen, aus einem Zeugnis längst vergangener Zeit, ein Werk des Bewahren zu gestalten. In der ehemaligen Tenne fand das neue Atelier Platz, im früheren Erdgeschoss, wo der Stall war, befinden sich Ausstellungsräume. Teile des alten Wohntraktes wurden behutsam umgestaltet, um Raum zu gewinnen. Auch eine „gemütliche Stube" und eine zeitgemäß umgestaltete Küche gibt es noch. Eigentlich könnten Annette und Kilian Lipp von heute auf morgen hier oben wohnen, hoch über dem Ostrachtal mit freiem Blick in die Hindelanger Berge. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Rund 500 Quadratmeter Fläche, die Kilian Lipp jetzt als Galerie nutzen kann. Dabei sind die prägenden Elemente des früheren Hauses wo immer möglich erhalten geblieben. Die neue Nutzung bringe die baulichen Grundstrukturen, die Geschichte des Bauernhauses und auch einzelne Arbeitsspuren erst sichtbar zur Geltung, meinte Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl das Ergebnis der Sanierung auf den Punkt. „Die Erhaltung des Bauernhauses in Gailenberg verdient große Hochachtung", so Fassl in seiner Würdigung anlässlich der Verleihung des Denkmalspreises des Bezirks Schwaben in Augburg. Zufall: Das alte Bauernhaus wurde 1639 erstmals erwähnt. Und schon damals wird ein Lipp als Bewohner genannte. Jetzt, über drei Jahrhunderte später, sind wieder Lipps im Haus. Über die finanzielle Seite des Denkmalpreises freuen sich Annette und Kilian Lipp natürlich. Allerdings sind die 10000 Euro Euro vom Bezirk Schwaben angesichts der Sanierungskosten vor allem eine ideelle Wertschätzung der Arbeiten. Irgendwie werde sich die Finanzierung schon bewältigen lassen, meint Kunstmaler Lipp. Das Kunsthaus Kilian Lipp in Gailenberg ist übrigens öffentlich zugänglich, natürlich auch die ständige Ausstellung im alten Bauernhaus. Geöffnet hat das Kunsthaus von Donnerstag bis Samstag, täglich von 14 bis 17 Uhr.

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