Rund 1200 Biker pro Tag am Jochpass - Schilder-Aktion soll auf Lärmbelästigung hinweisen

Bitte leise fahren....

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An den Brennpunkten attraktiver Bike-Routen, hier an der B 308 bei Bad Hindelang, machen Transparente auf das Problem Lärmbelästigung aufmerksam.

Die Anwohner der Brennpunkte sind genervt: Vor allem in den Sommermonaten preschen Motorradfahrer auf Biker-Strecken mit viel Lärm durch die Landschaft. Mit einer Aktion hat das Landratsamt das Lärmproblem „an die Straße“ gebracht: Transparente appellieren an die Vernunft und bitten um Rücksicht.

Der Motorradlärm plagt die Anwohner schon lange. Betroffen sind vor allem die Anwohner der klassischen Oberallgäuer Biker-Strecken am Jochpass bei Bad Hindelang, am „Paradies“ bei Oberstaufen, Balderschwang mit der Riedbergpass-Straße, und das Außerfern im benachbarten Tirol. Das von der EU geförderte Projekt will an die Biker appellieren, vom Gas zu gehen und Rücksicht zu nehmen. Die meisten fahren bereits heute mit verhaltenem Tempo und mithin so leise wie möglich duch Ortschaften. Die Aktion „Lärmfreier Lebens- und Erholungsraum Bayern-Tirol“ will das Lärmproblem zumindest in Erinnerung rufen. Verstärkte Radarkontrollen sollen uneinsichtige Biker treffen, die Dank neuer Technik auch ermittelt werden können.

Die mit Hilfe des EU-Interreg Projektes „Lärmfreier Lebens- und Erholungsraum Bayern-Tirol“ angeschafften 70 Transparente werden jetzt an wichtigen Straßenabschnitten beliebter Biker-Strecken aufgestellt. Mehr als ein Appell könne das allerdings nicht sein, unterstreicht der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. „Alles andere ist letztlich Sache der Polizei.“ 

Die Transparente an den Straßen sind nicht die einzige „Waffe“ der Behörde. Ein modernes Blitzgerät kann jetzt Tempo- und Lärmsünder auch von hinten fotografieren und die Halter aufgrund des Kennzeichens belangt werden. Zudem wurde am Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten einen spezielle Kontrollgruppe eingerichtet, die sich um das Phänomen der lautstarken Motorradfahrer kümmert. Mit einem speziellen Messgerät sollen bestimmte Punkte einer Dauerbeobachtung unterzogen werden, um das Ausmaß der Belastung durch Lärm zu dokumentieren. Es gehe nicht generell um eine Aktion gegen die Biker, betonen die Verantwortlichen beim Landratsamt und den zuständigen Polizeistellen. Man wolle die Schwarzen Schafe einfangen und die Belastung für die Anwohner verringern. 

Hans Soul, Chef des Fachbereichs Verkehr bei der Stadt Sonthofen und selbst „Genussbiker“ weiß: Es sind nur wenige Ausreißer. „Aber die machen den Ärger.“ Armin Hölzler, Chef der Polizeiinspektion Sonthofen, schätzt, dass an einem schönen Tag rund 1200 Biker den Jochpass befahren. Und fast alle hielten sich an das Tempolimit von 100 Stundenkilometern. Es gehe letztlich um einige wenige, die hier „aufdrehten“, bestätigt er. „Und 90 Dezibel ist schon sehr laut.“ Um den Spaß auf die Spitze zu treiben, fahren manche sogar mehrmals auf und ab, so die Beobachtungen seiner Beamten an der Strecke nach Oberjoch. 

Von Haus aus illegal sei der Motorradlärm nicht unbedingt, gibt sein Kollege Egon Lorenz, Kommandant der Bezirkspolizei in Reutte / Tirol zu bedenken. Manche Motorradtypen dürften in der Tat lautstark unterwegs sein, auch wenn die EU-Richtlinie nur 80 Dezibel erlaube. Mit Tempolimits und zeitlichen Begrenzungen habe man in Tirol gute Erfahrungen gemacht. Allerdings seien die Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen generell zu lasch. Die Schweiz greife da viel rigoroser durch, bestätigt der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. Das tue dann „richtig weh“.

Josef Gutsmiedl

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