Heißes Eisen Biberjagd bei der AG Jagdgenossen im Oberallgäu

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Gegen die Narrenfreiheit der Biber (hier ein Präparat der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Oberallgäu) wettern immer mehr Forst- und Landwirte im Oberallgäu.

Oberallgäu – Nicht nur ein „heißes Eisen“ wurde bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Oberallgäu angepackt: Biber, Freizeitsportler, Naturschutzgesetze und vieles mehr.

Vor allem der Biber, die zunehmende Zahl der Freizeitsportler in Wald und Feld, sowie Naturschutzgesetzgebung und nicht zuletzt Forderungen „waldferner Mitmenschen“ beschäftigen offenbar Waldbesitzer und Jagdgenossen. Alles ständige Reibungspunkte mit den Naturschutzverbänden, finden Waldbesitzer und Waldnutzer einhellig.

„Die ganze Geschichte braucht beidseitig Vernunft“, appelliert Johann Jordan, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG. Die Eigentümer von land- und forstwirtschaftlichem Grund und Boden seien gebrannte Kinder, findet Jordan, und daher skeptisch, was Forderungen und Empfehlungen angehe. Man dürfe den Bogen nicht überspannen, sonst drohe die Resignation der Grundeigentümer. „Zurück zur Normalität!“, fordert Jordan für die Diskussion und Sichtweise bei den Fragen der Waldnutzung. Gar nicht verstehen kann er aber, dass für aktuelle Nationalpark-Projekte offenbar jede Menge Geld da sei, nicht aber für die Bergwaldoffensive, die Jahr für Jahr um ihren Etat bangen müsse.

Wie Jordan hält der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Kempten, Ignaz Einsiedler, gar nichts von Stilllegungsplänen für den Wald: „Stilllegung ist kein Artenschutz. Das kostet Geld und bringt unterm Strich nur den Artenschwund.“

Klare Worte an die Adresse der Naturschutzverbände beim heißen Eisen Biber findet der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Jagd Oberallgäu, Peter Fink: „Der Bund Naturschutz betreibt beim Biber eine Art Massentierhaltung!“ Anders könne er sich die ungebremste Ausbreitung dieser nach EU-Recht streng geschützten Art nicht erklären. Der Verband verweigere sich jedweder Bestandsreduzierung, die ohnehin nicht einfach sei. Die staatlichen Entschädigungszahlungen seien gedeckelt: „Wer zu spät kommt, geht leer aus.“ Da sei eine Neuregelung fällig, meint Fink. Zudem müsse den Behörden vor Ort mehr Handlungsspielraum eingeräumt werden, wenn es um die Regulierung von Wolf- oder Biberbeständen gehe.

Hektarweise gesunden Wald lege der Biber auf seinem Grund und Boden flach, so die Klage von Albert Hörmann aus Altusried. Das Tier sei hier längst zur Plage geworden. Die Naturschutzverbände billigten die massiven Schäden und trösteten mit Hinweisen, dass das nun einmal die Art des Bibers sei. „Darauf kann ich verzichten.“ Der Bibermanager sei wenig hilfreich, findet Hörmann.

„Irgend jemand muss sich um die schützenswerte Art der Bergbauern und Forstwirte kümmern“, bringt es der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger – selbst Landwirt und Jäger – auf den Punkt. Der Biber sei derzeit nicht vom Aussterben bedroht. Bei massivem Auftreten des Tieren werde es in absehbarer Zeit zur Anordnung von Entnahmen kommen – sprich: Fang oder Abschuss. Die rechtliche Änderung sei auf dem Weg.

Für mehr Klarheit wollte Forstdirektor Ludwig Geitner vom Landwirtschaftsamt Kempten beim Umgang mit dem „Schreckgespenst“ FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat) sorgen. Die FFH-Gebiete werden derzeit offiziell „eingerichtet“; das Verfahren stößt aber immer wieder auf Kritik der betroffenen Grundeigentümer. Von einem „Angriff auf das Eigentum“ der Grundbesitzer könne man dabei nicht reden. Auch nicht von einer Entwertung der von diesem Schutzstatus betroffenen Grundstücke. Schwerwiegender als diese „EU-Erfindung“ seien die nationalen Rechtsverordnungen. Im wesentlichen wolle FFH nur die Verschlechterung der Lebensräume geschützter Arten verhindern. Art und Umfang der Nutzung bleibe weitgehend unangetastet. Alle Vorbehalte und Argwohn seien der Unwissenheit geschuldet, so gibt Geitner zu Bedenken: „Sie sollen mehr wissen, um weniger glauben zu müssen.“

Schlaglichtartig beleuchtete Hugo Wirthensohn vom Holzforum Allgäu die „Naturschutz­industrie“ der großen Verbände wie etwa Greenpeace oder WWF. Letztlich seien diese national wie international tätigen Organisationen nicht auf Konsens und Verständigung aus, sondern auf Stimmungsmache, um Spendengelder zu mobilisieren. „Nicht die ehrenamtlich Tätigen vor Ort“, ergänzt Wirthensohn. Die Forstwirtschaft müsse sich in dieser Hinsicht verbessern und „Kampagnenfähigkeit“ erlangen. Eine Einschätzung, die Hans Sontheim vom Kreisverband Oberallgäu-Kempten des Bund Naturschutz als „sehr überzeichnet“ zurückweist. Die Naturschützer wüssten sehr wohl, wie wertvoll Kulturlandschaft für die Artenvielfalt sei.

Josef Gutsmiedl

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